Helden aus der vierten Reihe

Die SCL Tigers bestreiten heute gegen Lausanne ihr erstes Playoff-Heimspiel seit acht Jahren. Sie können diese Partie mit viel Selbstvertrauen in Angriff nehmen – nicht zuletzt dank der vierten Linie.

Stefan Rüegsegger (links), Anton Gustafsson und Nils Berger (Nummer 58 und 91) spielten in Lausanne gross auf.<p class='credit'>(Bild: Pascal Müller (Freshfocus))</p>

Stefan Rüegsegger (links), Anton Gustafsson und Nils Berger (Nummer 58 und 91) spielten in Lausanne gross auf.

(Bild: Pascal Müller (Freshfocus))

Marco Oppliger@BernerZeitung

Fehlende Geduld kann man Nils Berger nun wirklich nicht vorwerfen. Sieben Relegationsrunden und einen Abstieg musste er über sich ergehen lassen, um eine Playoff-Partie in der höchsten Liga bestreiten zu können. Am Samstag war es für den Stürmer der SCL Tigers endlich so weit, in Lausanne feierte er seine Playoff-Premiere. «Vor dem Spiel war ich ziemlich nervös, doch das legte sich, als es losging», hält er lächelnd fest. «Und es ist schön, wenn du spielst, um etwas zu gewinnen, und dir keine Gedanken über existenzielle Dinge machen musst.»

Als Flügel der vierten Linie steht Berger eher selten im Fokus. Doch im Viertelfinal-Auftakt hatten er, Anton Gustafsson und Stefan Rüegsegger mit zwei Toren massgeblichen Anteil am überraschenden 5:1-Sieg. Die Formation, die primär dafür verantwortlich ist, kein Tor zu erhalten, war gewissermassen der Schlüssel zum Erfolg – die Spieler wurden in Anlehnung an den Titel eines amerikanischen Sportfilms zu Helden aus der vierten Reihe. «Das ist eine Genugtuung», sagt Berger, «schliesslich ist es schön, wenn du deinen Beitrag einmal auf diese Weise leisten kannst.»

5 gegen 25 Minuten

Es kann undankbar sein, in der vierten Linie zu spielen. Weil sie im Vergleich zu den anderen Sturmformationen weit weniger Eiszeit erhält, die Spieler entsprechend viel weniger Einfluss auf das Geschehen nehmen können. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Rüegsegger, der weder in Unter- noch in Überzahl eingesetzt wird, stand in Lausanne knapp fünf Minuten auf dem Eis – Aaron Gagnon, der Center der ersten Linie, brachte es auf über 25 Minuten. Doch Rüegsegger will darob nicht klagen. «Mein Ziel war es, mehr Eiszeit zu erhalten als letzte Saison, und das hat geklappt. Ich bin froh um jede Minute, die ich bekomme», sagt der 20-jährige Flügel.

Gewiss, der überraschende Sieg der SCL Tigers am Samstag hat mehrere Gründe. Doch gilt es dabei, zwei hervorzuheben: Zum einen waren die Langnauer in den Special Teams (drei Powerplaytore) überlegen. Zum anderen hatte die vierte Linie der Emmentaler jene der Lausanner im Griff. «Wir sind mehr gelaufen, haben mehr Chancen kreiert», sagt Gustafsson. «Wir haben angenommen, dass sich die Toplinien neutralisieren werden», meint Berger, «und nachdem wir das 2:1 geschossen hatten, lief plötzlich für uns vieles einfacher.»

Musterbeispiel SCB

Die Erfahrung zeigt, dass sich im Playoff meistens jene Teams durchsetzen, die ausgeglichen besetzt sind und mit vier Linien Druck machen können. Als der SC Bern 2016 knapp den Playoff-Einzug schaffte und anschliessend den Titel gewann, spielte die vierte Formation um den heutigen Langnau-Captain Pascal Berger, Gian-Andrea Randegger und Alain Berger das Zünglein an der Waage. Sie ermüdete den Gegner, wurde dadurch zum wichtigen Erfolgsfaktor.

Gustafsson, der die SCL Tigers Ende Saison Richtung Biel verlassen wird, sagt es so: «Bist du gut trainiert, kannst du viel spielen. Aber irgendwann wirst du auch so müde, dann ist die Konzentration nicht mehr gleich hoch und du machst Fehler. Deshalb ist es wichtig, dass wir den Gegner müde machen.» Und das sei immer noch die primäre Aufgabe seiner Linie, hält der Center fest, «man sollte nun nicht erwarten, dass wir in jedem Spiel drei Tore schiessen».

Als die Lausanner am Samstag im letzten Drittel das 4:1 kassierten, entlud sich ihr Frust gehörig, wobei ihre Provokationen an den coolen Emmentalern abprallten. Es wäre eher überraschend, sollte das stark besetzte Waadtländer Ensemble heute nochmals ähnlich auftreten. «Lausanne wird uns hart fordern», sagt Gustafsson. Das freilich bedeutet nicht, dass die SCL Tigers für ihr erstes Playoff-Heimspiel seit acht Jahren von ihrer Strategie abrücken. Der Center sagt: «Wir werden bereit sein.»

Berner Zeitung

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