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«Ich bevorzuge es, wenn die Spieler selbst denken»

Heute tritt der 47 Jahre alte Trainer Antti Törmänen mit Biel in Langnau an. Der Finne spricht über seine Zeit beim SC Bern, die Trennung von der Familie – und er erklärt, weshalb er das Schweizer Eishockey gegenüber dem finnischen bevorzugt.

Der frühere SCB-Meistertrainer Antti Törmänen ist nun in Biel tätig. Seiner Philosophie ist er treu geblieben: Er will auch den Bieler Spielern viel Verantwortung übertragen.
Der frühere SCB-Meistertrainer Antti Törmänen ist nun in Biel tätig. Seiner Philosophie ist er treu geblieben: Er will auch den Bieler Spielern viel Verantwortung übertragen.
Beat Mathys

Letzte Woche assen Sie mit dem Team Fondue. Haben Sie die Schweizer Kultur vermisst?Antti Törmänen:Ich mag Fondue, das gibt es aber auch in Finnland. Vermisst habe ich vor allem das Wetter, die Berge und die Atmosphäre an den Spielen. Letztlich ist Finnland meine Heimat, die Schweiz somit eine andere Welt. Das bedingt, dass du dich anpasst und lernst. Vor allem die deutsche Sprache möchte ich noch besser lernen.

Vor einigen Monaten hatten Sie erklärt, Sie würden eine Pause einlegen, mehr Zeit mit der Familie verbringen. Weshalb haben Sie die Meinung geändert?Das habe ich nicht. Aber Eishockey ist ein Momentum-Business. Nicht immer sind Jobs verfügbar, und wenn, dann musst du bereit sein. Mein Plan war es, ab nächster Saison in der Schweiz tätig zu sein. Aber es kann schnell gehen – und nun bin ich hier.

Es hatte bereits vor der Entlassung von Mike McNamara ­Gespräche zwischen Biel-Sportchef Martin Steinegger und ­Ihnen gegeben . . .. . . aber das bedeutet nicht, dass ich auf diesen Job spekuliert hätte. Natürlich nicht. Es ging darum, zu erfahren, wie die Pläne in Biel aussehen, es war ein Kennenlernen. Damals lief es in Biel nicht perfekt, aber gut genug, als dass ein Trainerwechsel ein Thema gewesen wäre.

Sie waren die letzten vier Jahre in Finnland tätig. Wie stark haben Sie die Schweizer Liga verfolgt?Das Gute ist: Du hast Statistiken, Aufstellungen, Highlights. Diese Dinge habe ich eng verfolgt. Das Schlechte ist: Du kriegst im Ausland wegen der Länderrestriktionen keine Livestreams.

Ihre letzte Station in der Schweiz war der SC Bern. Wenn Sie sich an diese Zeit erinnern, denken Sie da eher an den Titelgewinn oder an die Entlassung?Es sind viele schöne Erinne­rungen an gute Menschen, mit denen ich gearbeitet habe. Dazu die tolle Stadt, das habe ich im Kopf. 95 Prozent der Erinnerungen an Bern sind positiv.

Und die restlichen 5 Prozent?Sind eben nur 5 Prozent.

«Vor einem Jahr hätte es geheissen: Das Team gewinnt, McNamara ist ein grosser Trainer, er hat Biel auf Vordermann gebracht. Nun soll er schlecht sein, weil die Resultate ausblieben? Das ist zu einfach.»

Nach der Entlassung in Bern sagten Sie: «Vielleicht ist es mein Fehler, dass ich immer alle unterrichten will und jeden auffordere, sich seine eigene Meinung zu bilden.» Haben Sie diesen Charakterzug beibehalten?Ja, natürlich. Ich bevorzuge es, wenn die Spieler selbst denken. Sie stehen auf dem Eis, sie treffen die Entscheidungen – je schneller, desto besser. Treffen sie immer die richtige Entscheidung? Selbstverständlich nicht. Aber Eishockey spielen bedeutet lernen, sich verbessern. Selbstverantwortung ist wichtig.

Haben Sie sich als Trainer seit der Zeit in Bern verändert?Ich ändere mich jeden Tag. Ich bin jetzt ein alter Mann, nicht mehr der junge Bub – selbst wenn ich noch jung aussehe. Es ist ein konstanter Wandel, auch das Spiel, die Spielertypen und die Gegner entwickeln sich.

Nach der Zeit beim SCB haben Sie den IFK Helsinki trainiert. ­Inwiefern unterscheidet sich das Eishockey in Ihrer Heimat von der Schweizer Liga?Es ist taktisch, sehr taktisch. Null zu null ist ein gutes Resultat. Das sagt viel aus. Zudem finde ich, dass die Bedeutung des einzelnen Spiels in der Schweiz wichtiger ist. Es hat mehr Zuschauer, selbst die Gästefans machen Stimmung. Das gibt es in Finnland selten.

Was bevorzugen Sie?Schweizer Eishockey.

SCB-Coach Kari Jalonen sagt, Finnen seien wie Mathematiker, sie folgten starr dem System.Das ist so. Aber nun kommt die nächste Generation mit Patrik Laine, Sebastian Aho und Konsorten: Sie ist flexibler, sie lernt bereits auf der Playstation, dass Eishockey ein Spiel der verschiedenen Möglichkeiten ist. Die Finnen waren immer sehr strikt: Es gibt nur den einen, richtigen Weg. Ein langer Pass? Schrecklich! Spiele nie einen langen Pass. Aber das heutige Eishockey ist anders, da gibt es nicht nur lange und kurze Pässe, sondern mittellange, mittelkurze.

Bern und Helsinki haben Titelambitionen. Nun trainieren Sie eine Mannschaft, die jedes Jahr um die Playoff-Teilnahme kämpfen muss: Werden Sie die Herangehensweise verändern?In Bern und Helsinki ist jeder Sieg ein Must und jede Niederlage ein Desaster. Kleiner Scherz. Ich erachte die Ausgangslage als positiv: Ich kann in Biel beobachten, wie das Team und die Organisation arbeiten, ich kann Vergleiche ziehen und allenfalls Inputs geben: Es geht darum, die Messlatte höher anzulegen.

McNamara scheiterte auch deshalb, weil er zu lieb war. Sie gelten ebenfalls als lieber Trainer.Was soll ich sagen? Vor einem Jahr hätte es geheissen: Das Team gewinnt, McNamara ist ein grosser Trainer, er hat Biel auf Vordermann gebracht. Nun soll er schlecht sein, weil die Resultate ausblieben? Das ist zu einfach.

«95 Prozent der Erinnerungen an Bern sind positiv.»

Im Sport geht es um Resultate.Auch das ist zu einfach. Wie lautet das gemeinsame Ziel? Wohin will ein Klub? Alle sitzen im selben Boot. Darum geht es.

Man hört, es gebe in Biel einige schwierige Charaktere . . .. . . das weiss ich nicht. Aber Gerede gehört zum Business. Stellen Sie sich vor, Kari Jalonen würde Mark Arcobello nur noch zehn Minuten Eiszeit geben. Was würde er über seinen Coach denken? Natürlich wäre er nicht zufrieden, und das würde er seinen Freunden auch sagen.

Sie hatten mit Biel einen guten Start, gewannen zwei von drei Partien. Sind Sie zufrieden?Ich wäre zufriedener mit neun Punkten. Klar ist: Wir wollen in die Playoffs, und das wird ein extremer Kampf. In diesen sind fast alle Teams involviert.

Stehen Sie bereits unter Druck?So funktioniert dieses Geschäft, aber ich denke nicht zu viel darüber nach. Der Januar wird sicher wichtig für uns, weil es danach nicht mehr viele Spiele geben wird. Wir müssen punkten.

Vorerst steht Weihnachten an: Werden Sie in Finnland feiern?Ja, ich fliege für drei Tage zurück.

Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?Ich freue mich, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Mein jüngerer Sohn hat immer noch Respekt vor dem Weihnachtsmann, vielleicht kann ich dieses Jahr den Weihnachtsmann spielen.

Ihre Söhne Aaro und Henrik sind 16 respektive 8 Jahre alt. Sie werden erst im Sommer mit Ihrer Frau nach Biel kommen. Fällt die Trennung schwer?Für mich ist das eine ausser­gewöhnliche Situation, weil wir zum ersten Mal für eine längere Zeit getrennt sind.

Wie erhalten Sie das Familien­leben aufrecht?Meine Söhne und meine Frau werden so oft wie möglich in die Schweiz kommen. Natürlich kannst du so nicht am Alltag teilnehmen, es wird vielleicht ein paar nicht ganz einfache Situationen geben. Aber das gehört zum Leben. Und ich bin nicht der einzige Mann auf der Welt, der wegen der Arbeit für eine Zeit lang von seiner Familie getrennt wird.

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