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«Ich gehöre hierher, nach Zürich»

Severin Blindenbacher ist nach zwei Auslandsjahren zum ZSC zurückgekehrt. Der 28-Jährige spricht über seine Erfahrungen in Nordamerika und seine Liebe zur Heimat.

Auf dem Balkon des Volkshauses vor dem Helvetiaplatz statt in der texanischen Provinz: Severin Blindenbacher.
Auf dem Balkon des Volkshauses vor dem Helvetiaplatz statt in der texanischen Provinz: Severin Blindenbacher.
Reto Oeschger

Severin Blindenbacher, Sie brachen Ihr Nordamerika-Abenteuer Mitte Februar ab. Haben Sie mit sich gerungen, bevor Sie abreisten? Natürlich habe ich es mir länger überlegt. Es ist unbefriedigend, so aufzuhören. Aber am Schluss blieb mir nichts anderes übrig. Nach der zweiten Gehirnerschütterung hatte ich Schwindelanfälle, Kopfweh, Konzentrationsstörungen. Wenn man angeschlagen Eishockey spielt, kann das gefährlich werden. Deshalb kehrte ich zurück, um mich hier untersuchen zu lassen. Die Gesundheit ging vor.War die medizinische Versorgung in der AHL ungenügend? Nein, die war absolut okay. Aber ich wollte zu meinem Vertrauensarzt, zu Gery Büsser (dem ZSC-Teamarzt). Er kennt mich seit zehn Jahren und weiss, was ich für ein Mensch bin. Und wir beschlossen, dass es besser sei, nicht mehr nach Amerika zurückzukehren, sondern alles auszukurieren. Dahinter kann ich 100-prozentig stehen.Wie geht es Ihnen nun? Besser. Ich spüre nur noch selten Schwindel und halte mich neben dem Eis fit.Wie waren Ihre Erfahrungen in der American Hockey League? Ich wurde nie schlau aus dem Hockey, das dort gespielt wird. Es ist ein ständiges Hickhack, man hat keinen Platz, um etwas zu kreieren. Am Besten schiesst man und schaut, was passiert. Zudem fehlt der Respekt. Man muss immer bereit sein, auch wenn der Puck lange weg ist, kann noch einer mit 120 Stundenkilometern auf dich zukommen und dir den Ellbogen an den Kopf schlagen. Aber so ist es nun mal. An der AHL führt kein Weg vorbei, wenn man in die NHL will. Zumindest, wenn man keinen Einwegvertrag hat.Sie hatten keinen Einwegvertrag. War das Ihr Handicap? Ein bisschen schon. Aber das hatte ich gewusst, diesen Deal war ich eingegangen. Wenn sich bei Dallas einer in Spiel 5 das Handgelenk gebrochen oder das Kreuzband gerissen hätte, wäre ich wohl zum Zug gekommen.Haben Sie das Gefühl, Sie würden in die NHL passen? Hockeymässig sicher. Zu 100 Prozent.In der Vorbereitung, als ich bei Dallas spielte, hatte ich viel weniger Mühe, mein Spiel aufzuziehen, als in der AHL. Das Problem ist, dass es einiges braucht, bis man in die NHL darf. Man muss im Farmteam um jeden Preis auffallen. Entweder prügelt man, man teilt Checks aus wie verrückt oder schiesst 50, 60 Tore. Ich hatte dummerweise bald einen Autounfall, nach der zweiten Gehirnerschütterung wurde es immer schwieriger.Sie wurden im November für eine Woche zu den Dallas Stars geholt. Da waren Sie nahe dran. Es geht. Als ich dazukam, hatte das Team eine Siegesserie. Ich wusste, dass ich nicht spiele, wenn sie weiter gewinnen. Sie gewannen weiter. Dieser Klub muss unbedingt ins Playoff, damit die alten Besitzer einen Käufer für ihn finden.Ist das Kapitel NHL für Sie vorbei? Ich schreibe nie etwas ab. Ich könnte dort spielen, davon bin ich überzeugt. Aber weil ich meine Saison frühzeitig abgebrochen habe, wird es für mich extrem schwierig, drüben nochmals einen Vertrag zu bekommen.Wie kann man sich Ihr Leben in Texas neben dem Eis vorstellen Nicht überwältigend. Cedar Park, wo ich wohnte und spielte, ist extrem langweilig, einseitig. Eine Retortenstadt, in der nicht viel los ist. Man geht arbeiten, kommt nach Hause und zieht sich in sein Häuschen zurück. Es gibt kein Zusammenkommen, wie man das hier kennt. Höchstens im Starbucks. Ich passte einfach nicht dorthin. Ich gehöre hierher, nach Zürich. Aber ich war ja dort, um Eishockey zu spielen. Und das war eigentlich gut. Es herrschte eine gewisse Euphorie um unseren Klub, es galt als cool, unsere Spiele zu besuchen. Am Wochenende war es meist ausverkauft, die Stimmung an den Spielen war gut. Und wir spielten auch nicht so schlecht.Haben Sie sich in Ihren zwei Auslandsjahren, in Schweden und Nordamerika, verändert? Ich habe viel Negatives gesagt, aber wichtig ist mir auch: Ich habe viel gelernt, es war sicher kein verlorenes Jahr. Und ich rate jedem, der ins Ausland gehen will, es zu tun. Ich habe mich sicher besser kennen gelernt. Amerika war zeitweise schon hart, als ich mich alleine durch die Gehirnerschütterungen durcharbeiten musste. Da kam ich schon an Grenzen.Sie haben beim ZSC bis 2013 unterschrieben. War Ihnen wichtig, die Zukunft schnell zu planen? Ich wollte mich schon bald entscheiden. Und ich hatte das Gefühl, dass es für mich nach einer solch verknorzten Saison das Beste ist, dass ich dorthin gehe, wo ich mein bestes Eishockey gespielt habe. Zudem hat der ZSC sehr viel Potenzial.Haben Sie denn schon Kenntnis von zusätzlichen Transfers? Nein. Aber der Kern ist ja mehr oder weniger der gleiche wie damals, als wir die Champions League gewannen. Alle können Eishockey spielen.Im Internet wurde über Ihren Lohn spekuliert, er soll über 600 000 Franken betragen. Nervt Sie das? Darüber mache mir keine Gedanken. Und eigentlich ist das für die Öffentlichkeit ja völlig irrelevant. Es haben nebst mir noch viele andere gute Spieler einen Vertrag unterschrieben. Ich freue mich jedenfalls darauf, eine wichtige Rolle in der Mannschaft zu übernehmen. Ich empfinde es nicht als Neuanfang, sondern als Heimkehr. Mit den ZSC Lionsist nächste Saison wieder zu rechnen. Davon bin ich überzeugt.

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