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«Ich spiele besser, wenn ich Schmerzen habe»

Der 34 Jahre alte Defensivverteidiger Beat Gerber hält für den SC Bern seit der Saison 2003/2004 die Knochen hin. Er ist aus dem Team nicht wegzudenken.

Der doppelte Gerber: Verteidiger Beat Gerber wird nächste Saison zum dienstältesten SCB-Spieler. Ans Aufhören denkt er aber nicht. «Ich möchte noch ein paar Jahre in Bern spielen.»
Der doppelte Gerber: Verteidiger Beat Gerber wird nächste Saison zum dienstältesten SCB-Spieler. Ans Aufhören denkt er aber nicht. «Ich möchte noch ein paar Jahre in Bern spielen.»
Urs Baumann

Sie gelten als mutiger, furcht­loser Spieler. Wissen Sie, dass es auch Mut benötigt, mit Ihnen ein Interview zu führen?Beat Gerber: (lacht) In welcher Hinsicht?

Weil Sie nicht als Mann der grossen Worte gelten.Ja, dazu stehe ich. Beim Sprechen lasse ich gerne den anderen den Vortritt. Nach meinen zwei Toren im Halbfinal gegen Lugano musste ich häufiger Auskunft geben als üblich. Aber ich habe in meiner Karriere sicher noch nicht viele Interviews gegeben.

Hat dies auch mit fehlender Wertschätzung zu tun?Der normale Eishockeyzuschauer sieht als Erstes den Spieler mit dem gelben Helm. Dann fallen ihm jene auf, die Punkte erzielen, das Spiel leiten, kreieren. Als Defensivverteidiger fällst du weniger auf. Aber das bedeutet nicht, dass ich weniger wichtig bin.

Wo liegen Ihre Stärken?Im Defensivverhalten. Und: Ich kann das Spiel sehr gut lesen. Ich kenne die Stürmer, ihre Tricks. Zudem bin ich stark im Boxplay. Ich befasse mich sehr oft mit dem Über- und dem Unterzahlspiel der anderen Teams.

Eine Stärke haben Sie vergessen: Ihr Schuss ist besser, als es die Torquote erahnen lässt.Ich hatte bereits in früheren Jahren einen guten Schuss. Aber einerseits bin ich zu selten in der Offensivzone, um ihn richtig nutzen zu können. Anderseits denke ich viel zu oft an die Defensive.

Wie meinen Sie das?Stehe ich an der blauen Linie des Gegners, denke ich sofort: Was, wenn mein Schuss geblockt wird? Dann gibt es vielleicht einen Konter. Ein Offensivspieler hat andere Gedanken, der zieht einfach ab.

Zurück zu Ihrem Ruf als mutiger Spieler: Sie gehen keinem Zweikampf aus dem Weg. Haben Sie vor nichts Angst?Mäuse und Schlangen kann ich nicht haben. Aber im Eishockey fürchte ich nichts und niemanden. Klar, es braucht manchmal Überwindung, sich in einen Schuss zu legen, ihn zu blocken. Das könnte im Prinzip jeder tun, aber nicht jeder tut es, weil es schmerzt. Da fehlt einigen Spielern die Überwindung. Dabei ist es gerade für den Teamgeist ein wichtiges Zeichen, wenn auch mal ein Topskorer einen Schuss blockt. So, wie dies bei uns mit Mark Arcobello der Fall ist.

Zum Stichwort Teamgeist passt, dass Sie beim SCB extrem beliebt sind.Ich verstehe mich mit allen gut – auch mit den Ausländern, obwohl mein Englisch nicht das beste ist. Nicht jeder kann dein Freund sein. Aber in der Garderobe muss jeder mit jedem auskommen. Sonst funktioniert es nicht.

«Der Charakter eines Spielers zeigt sich in der Krise.»

Was muss geschehen, damit Sie in der Kabine aufstehen?Das braucht sehr viel.

Wann haben Sie letztmals auf den Tisch geklopft?In der vergangenen Saison. Läuft es dem Team nicht, dann muss jeder noch mehr geben – und sicher nicht weniger. Wenn ich das Gefühl habe, einer gibt nicht hundert Prozent, dann werde ich richtig hässig. Tristan Scherwey hat das auch so. Wenn er denkt, es komme Larifari auf, dann sagt er zu mir: «Bidu, nun müssen wir die Jungs pushen und anstacheln.»

Die Mitspieler bezeichnen Sie als «Warrior», als Krieger.Das passt zu meinem Stil. Ich finde über den Kampf ins Spiel, ­versuche die Teamkollegen mitzureissen – vor allem auch dann, wenn es nicht läuft. Ist Erfolg da, kann jeder am Karren ziehen. Aber der Charakter eines Spielers zeigt sich in der Krise. Dann musst du vorangehen, auch wenn es blaue Flecken gibt.

Ihre Spielweise mit vielen Zweikämpfen bringt Schmerzen mit sich. Wie geht es Ihnen unmittelbar vor dem Start in den Playoff-Final?Es ist nichts kaputt, aber ich spüre das eine oder andere. Doch das gehört zu mir. (schmunzelt)

Haben Sie Schmerzen?Schmerzen habe ich immer, es ist aber nichts Chronisches. Ich erwache häufig mit Schmerzen, wenn der Körper noch nicht in Schwung gekommen ist. Ich kenne nichts anders.

Haben Sie keine Angst vor ­bleibenden Schäden?Der operierte rechte Ellbogen ­bereitet mir Sorgen. Manchmal schmerzt er, manchmal nicht, niemand weiss, weshalb. Ab und an verspüre ich Kopfschmerzen. Aber ist es wegen des Eishockeys? Ich weiss es nicht. Ich denke nicht zu oft daran. Es gibt viele Leute, die wesentlich grössere gesundheitliche Probleme haben.

Sind Sie durch die Schmerzen auf dem Eis eingeschränkt?Tut mir etwas weh, muss ich auf die Zähne beissen. Und irgendwie bin ich dann in den Zweikämpfen noch bissiger, besser. Es ist einfach so: Ich spiele besser, wenn ich Schmerzen habe.

Insofern ist für Sie ein Playoff-Final nach einer langen, harten Saison ideal.Je nach Resultat. (schmunzelt)

Was erwarten Sie vom Duell gegen Zug?Die Zuger haben viele gute und schnelle Stürmer. Da müssen wir aufpassen. Zudem haben sie ihr Tor gegen Davos sehr gut verteidigt. Es wird eine enge Sache.

Sie könnten mit Bern den fünften Meistertitel holen. Das hat nur Ehrencaptain Roland Dells­perger geschafft. Was würde ­Ihnen dies bedeuten?In der Geschichte des SCB gibt es viele grosse Namen. Ich will mich da nicht vergleichen. Wer weiss, vielleicht werden später die Jungen sagen: «Schau, Gerber hat fünf Titel geholt, der war gut.» Das wäre schön. Fünf Titel würden zumindest zeigen: Man hat viel erreicht – nicht alles, aber viel.

Neben Ihnen könnte David Jobin diese Marke erreichen. Er wird den Klub nach dieser Saison ebenso verlassen wie Marc Reichert und Martin Plüss. Danach wird Beat Gerber der Älteste und der Dienstälteste sein.Mit diesen drei Spielern teile ich viele schöne Erlebnisse. Es ist speziell, wird diese Zeit enden. Natürlich kommt Wehmut auf – und ich sehe, dass das Karriereende näher kommt.

Sie werden im Mai 35 Jahre alt. Ihr Vertrag läuft nächste Saison aus. Und danach?Wenn wir uns finden, dann möchte ich gerne noch ein paar Jahre in Bern spielen. Mir sind viele Leute ans Herz gewachsen.

«Den Ferrari vor einem Restaurant parkieren, aussteigen und sich vor allen Leuten präsentieren, das wäre nichts für mich.»

Aber gibt es bereits Pläne für die Zeit nach dem Eishockey?Ich habe kürzlich mit meinem Bruder darüber gesprochen. Er hat die Schreinerei unseres Vaters übernommen. Mir gefällt der Beruf. Ich habe Schreiner gelernt und kann mir gut vorstellen, später beim Bruder zu arbeiten.

Ihre Leidenschaft gehört neben dem Eishockey aber vor allem den Autos.Das kann man so sagen. Ich weiss nicht, wie viele Autos ich seit der Prüfung gekauft habe. Ich kann sie kaum noch zählen. Mich faszinieren schöne Autos – eine Marke fasziniert mich besonders . . .

. . . Ferrari . . .. . . über diese Marke weiss ich sehr viel. Ich war mehrmals im Ferrari-Werk in Maranello. Ja, Ferrari fasziniert mich seit je.

Was sich bei den Namen Ihrer Kinder zeigt: Enzo, Aurora und Giovanni gelten bei Ihnen zu Hause in Heimenschwand nicht eben als geläufige Vornamen. Hat Ihre Frau Nadina nicht das Veto eingelegt?(lacht) Sie hat italienisches Blut. Das hat also ganz gut gepasst.

Sie fahren einen Ferrari, wollen sich damit aber nicht für die ­Zeitung fotografieren lassen.Dagegen wehre ich mich.

Weshalb?Eigentlich könnte es mir egal sein, was andere Leute denken. Aber ich möchte einfach nicht, dass jemand denkt, der Gerber sei «e grossgchotzete Gigu».

Weshalb fahren Sie Ferrari?Es ist meine Leidenschaft. Sitze ich im Ferrari, spüre ich ein Gefühl von Freiheit, ich kann abschalten. Meistens fahre ich eine Runde und gehe dann direkt nach Hause – ohne Zwischenhalt. Den Ferrari vor einem Restaurant parkieren, aussteigen und sich vor allen Leuten präsentieren, das wäre gar nichts für mich.

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