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«Ich weiss nicht, weshalb ich nervös sein sollte»

Leonardo Genoni – dem Goalie des SC Bern sind im Januar vier Shutouts gelungen.

Adrian Ruch
Leonardo Genoni: Schon zehn Shutouts.
Leonardo Genoni: Schon zehn Shutouts.
Franziska Scheidegger

Gegentordurchschnitt? Sagenhafte 1,57. Abwehrquote? Fantastische 94,27 Prozent. Weil es die Statistiken suggerieren, drängt sich die Frage auf: Ist Leonardo Genoni in dieser Saison so gut wie noch nie? Der Goalie des SC Bern beantwortet sie indirekt mit einem Ja. «Ich versuche stets, mich zu verbessern», sagt er, schiebt aber sofort nach: «Es läuft uns ausgezeichnet, wir stehen defensiv sehr gut.»

Denn Genoni ist zwar Torhüter, aber auch Teamplayer. Welchen Wert, welche Zahl gewichtet er bei der Beurteilung seiner Leistung am stärksten? «Das Wichtigste ist, was nach 60 oder 65 Minuten auf dem Videowürfel steht. Das Resultat der Mannschaft überstrahlt alles.»

Im Januar gingen seine persönlichen Erfolge und jene seines Arbeitgebers Hand in Hand: Der SCB gewann zehn von elf Partien und übernahm die Tabellenspitze, Genoni blieb viermal ohne Gegentor. Mit seinem zehnten Shutout in der laufenden Saison brach er den Qualifikationsrekord, den zuvor Marco Bührer gehalten hatte. Euphorie brach beim Zürcher deswegen nicht aus.

Er habe nicht einmal gewusst, dass die Shutouts gezählt würden, sagt er. «Aber klar, Shutouts sind immer schön, denn sie zeigen: Wir haben gewonnen und sind auf gutem Weg.» Es sind keine Floskeln, wenn der Keeper weniger über sich als über die Equipe spricht. Das sieht auch Bührer so, sein Zürcher Vorgänger in Bern. Dieser sagt: «Damit du solche Rekorde aufstellen kannst, brauchst du eine gute Mannschaft und einen Coach, der viel Wert auf die Defensive legt.»

Mentale Stärke als Schlüssel

Immer noch besser werden, das treibt Genoni an. So hat er sich gemeinsam mit Goalietrainer Aki Näykki spezifische Ziele gesetzt: Die beiden zählen zum Beispiel, wie oft Genoni hinter dem Tor den Puck stoppt, und analysieren, was nach der Aktion herauskommt. Verlässt die Scheibe die Defensivzone? Ergibt sich eine Chance des Gegners? Oder können die Berner gar einen Angriff einleiten?

Genoni erwartet von sich und seinem Team Topleistungen und Siege, da kann er anders als nach Niederlagen zur Tagesordnung übergehen. «Ich bin einer, der die Zusammenfassung des Spiels eher schaut, wenn wir verloren haben. Ich bin dann nicht schlecht gelaunt, aber ich will wissen, was passiert ist, und möglichst schnell aus den Fehlern lernen.»

Was macht den 31-Jährigen hierzulande zum Besten seines Fachs? Bührer erwähnt Genonis Athletik, seine Schnelligkeit, seinen Arbeitseifer. Es sei unglaublich, wie gut er das Spiel lesen könne. Aber Bührer, der mit 95 Shutouts die nationale Karrierebestleistung hält, nennt als wichtigste Qualität die mentale Stärke. «Sie ist der Schlüssel.»

Diese stellt Genoni immer wieder unter Beweis. So wurde er am 15. Januar in Genf beim Zwischenstand von 1:4 erstmals in diesem Winter ausgewechselt. Bern gewann mit Reservist Pascal Caminada, den Genoni als Mensch und Torhüter schätzt, noch 5:4 nach Verlängerung. Obwohl ihm kein grober Fehler unterlaufen war, bewertete er seinen Auftritt mit «ungenügend» und stellte fest, er sei nicht der Chef im Torraum gewesen. Fünf Tage später spielte der WM-Silbergewinner gegen Lugano zu null, als sei es das Einfachste der Welt. Die psychische Stabilität sei «vielleicht etwas angeboren», vermutet Genoni. Jedenfalls hat er nie die Hilfe eines Sportpsychologen in Anspruch genommen.

Eishockey ist keine Arbeit

Die Ruhe kommt auch daher, dass er den Sport nicht überhöht, auch wenn ihm und seinen Kollegen nach einem Sieg mit dem SCB mehr als 16000 Zuschauer zujubeln. «Man muss es so sehen: Wir alle dürfen immer noch spielen, müssen nicht arbeiten gehen. Ich weiss nicht, weshalb ich nervös sein sollte. Jeder macht Fehler, und das ist nichts Schlimmes», sagt Leo­nardo ­Genoni. Wenn er einen begehe, könne er ihn relativ gut abhaken.

«Ich weiss schnell, wenn ich einen ‹Seich› gemacht habe», meint er mit einem Schuss Selbstironie, «nämlich, wenn die rote Lampe leuchtet.» Das geschieht freilich selten, jedenfalls seltener als bei seinen Konkurrenten.

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