«Im Derby wird es immer kribbeln»

Obwohl er in den innerkantonalen Duellen ­bisher meistens auf der Ver­liererseite gestanden ist, freut sich Simon Moser, Flügel des SC Bern, auf die beiden Derbys gegen die SCL Tigers.

Idylle in Muri: SCB-Stürmer Simon Moser ist gern an, in oder auf der Aare.

Idylle in Muri: SCB-Stürmer Simon Moser ist gern an, in oder auf der Aare.

(Bild: Urs Baumann)

Adrian Ruch

Der Treffpunkt für das Shooting ist von Simon Moser gewählt. Der Stürmer des SC Bern lässt sich unweit des Aarebads in Muri fotografieren. In diesem Gebiet, nur wenige Gehminuten von seiner Wohnung entfernt, hält er sich gern auf – allerdings nicht, um auf einem Badetuch auf der faulen Haut zu liegen. Manchmal joggt der Nationalspieler am Ufer des Berner Hausflusses, im Sommer springt er ab und zu für einen Schwumm ins Wasser oder lässt sich auf dem Gummiboot von Thun nach Bern treiben.

Momentan, während der Eishockeymeisterschaft, bewegt er sich hingegen ausschliesslich auf gefrorenem Wasser. Am Freitagabend (Spielbeginn 19.45 Uhr) trifft er mit dem SCB auf die SCL Tigers. Obwohl er seit früher Kindheit in die Duelle der Kantonsrivalen involviert ist, sind sie nicht Spiele wie alle anderen geworden. «Im Derby wird es immer kribbeln», sagt der 27-Jährige.

Von Worb nach Langnau

Aufgewachsen ist Moser in Schlosswil. In diesem Dorf halten sich die Sympathisanten der beiden Vereine in etwa die Waage. Anfänglich stand er dem SCB näher. «Mein Vater hatte ein Saisonabonnement, deshalb habe ich mir als kleiner Bub deutlich mehr SCB-Matchs angeschaut», erzählt er. Noch im Piccolo-Alter wechselte er vom EHC Worb zum SC Langnau. Spätestens als seine älteren Brüder Christian und Stephan im Fanionteam der Emmentaler spielten, war klar, wem im Hause Moser fortan die Daumen gedrückt werden würden.

«Als kleiner Bub habe ich mir deutlich mehr SCB-Matchs angeschaut.»Simon Moser

Simon Moser merkte schon früh, dass die Vergleiche mit den Städtern etwas Besonderes sind. «Das wurde uns eingetrichtert. Es wurde jeweils nicht vom ‹nächsten Spiel›, sondern vom ‹Derby› gesprochen.» Erinnerungen an diese Duelle hat der Eishockeyprofi kaum noch. «Mit den Novizen trafen wir einmal in den Playoffs auf Bern – und ­waren chancenlos.»

Als aufstrebender Junior befand sich Moser ab und zu auf der Tribüne, wenn sich die Tigers und die Mutzen auf dem Eis Saures gaben. Geblieben ist ihm vor allem das «Tatze-Derby» im Stade de Suisse. «Wir Jungen mussten helfen, Halstücher und andere Merchandisingartikel zu verkaufen. Den Match konnte ich mir aber anschauen.»

Via Nordamerika nach Bern

5:2 gewann der SCB damals. Das Resultat war quasi ein Vorgeschmack darauf, was Moser als Aktiver erleben würde. «Seit ich in der NLA spiele, stehe ich meistens auf der Verliererseite», gibt der Nationalspieler zu. Anfänglich bestand ein Klassenunterschied zwischen dem Grossklub aus der Hauptstadt und den Emmentalern. Und als die Langnauer 2011 erstmals in der Klubgeschichte die Playoffs erreichten, wurden sie vom Rivalen in vier Partien abgefertigt.

Nach dem Abstieg der Tigers und einer nicht wie gewünscht verlaufenen Saison in Nordamerika wechselte Simon Moser zum SC Bern. «Ein paar dumme Sprüche musste ich mir schon anhören, aber Missgunst spürte ich nicht.»

«Ein paar dumme Sprüche musste ich mir schon anhören, aber Missgunst spürte ich nicht.»Simon Moser

In der Meisterschaft 2015/2016 spielte er erstmals mit den ­Mutzen gegen die Tigers. Es war eine klare Sache – 7:1. Doch die Freude währte nicht allzu lange; in den drei anderen Duelle reüssierte der Aussenseiter. «Ich hoffe, ich bin nicht vom Derbyfluch belegt», sagt er halb im Ernst, halb im Scherz. Immerhin: Zu Saisonbeginn stand der Schlosswiler auf der Siegerseite; mit 6:2 zeigte der amtierende Champion den Langnauern den Meister.

Zwei Seitenwechsel

Wen unterstützen am Freitag in der Postfinance-Arena und am Samstag in der Ilfishalle die Eltern, die schon einmal die Seiten wechseln mussten? «Sie hegen sicher noch grosse Sympathien für Langnau, zumal sie im Umfeld des Klubs viele Leute kennen. Aber ich denke trotzdem, dass sie mir die Daumen drücken», antwortet der Stürmer.

Moser macht sich auf ein hartes Stück Arbeit gefasst. Die Tigers-Mannschaft habe mit jenem Team, das vom SCB zu Saisonbeginn dominiert worden sei, nur noch wenig gemein. «Unter Heinz Ehlers agieren die Langnauer viel strukturierter. Von früheren Partien gegen Lausanne kennen wir sein Defensivbollwerk.»

Wie muss der SCB spielen, um Erfolg zu haben? «Wir müssen konzentriert sein, druckvoll loslegen und den Langnauern gleich zeigen, dass nichts zu holen ist.» Beide Klubs haben zuletzt Aufwärtstendenz gezeigt. Simon Moser erachtet die beiden Derbys daher bis zu einem gewissen Grad als richtungsweisend. Bis im Frühling definitiv abgerechnet wird, fliesst allerdings noch viel Wasser die Aare hinunter.

Bernerzeitung.ch berichtet live von beiden Berner Derbys.

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