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Kari Jalonen: «Ich bin ein Saunamann»

Kari Jalonen, seit Freitag 57 Jahre alt, spricht im Interview über Weihnachten in Finnland, seine Kinder und zu kurze Stöcke. Und der SCB-Coach sagt über sein Team: «Den Spielern liegt der SCB am Herzen. Sie geben alles für den Klub.»

«Ich mag den Lebensrhythmus in der Schweiz. Die Menschen arbeiten während der ­Woche hart und geniessen das Wochenende», sagt SCB-Coach Kari Jalonen. <i>Video: Martin Bürki</i>

Können wir das Interview in Deutsch führen?Kari Jalonen:Vielleicht nach der Saison. (lacht)

Ist es ein Ziel von Ihnen, Deutsch sprechen zu können?Jetzt habe ich keine Zeit. Und weil hier alle Mundart sprechen, ist es sehr schwierig, Deutsch zu lernen. Aber ich habe Alex Chatelain (SCB-Sportchef/die Redaktion) angekündigt, dass ich nach den Playoffs einen Privatlehrer engagieren werde, damit dieser mir die Grundkenntnisse beibringt.

Ihre Frau lebt immer noch in Finnland . . .Ja, sie ist Ärztin und arbeitet jede zweite Woche. Daher kann sie mich zweimal pro Monat besuchen. Derzeit ist sie in Bern. Sie reiste vor Silvester an.

Und wie haben Sie Silvester ­verbracht?Im Kreise der Finnland-Connection. Neben uns waren Ville Peltonen (Assistenzcoach), seine Frau, eine Tochter, Samuel Tilkanen (Videocoach), seine Verlobte und mein Agent mit Frau dabei. Wir gingen ins Restaurant The Beef, genossen das gute Essen, hatten eine gute Zeit.

Haben Sie Vorsätze gefasst?(überlegt) Ich brauche keine Vorsätze. Im Moment läuft alles ziemlich gut. Als Eishockeyteam wollen wir jeden Tag besser werden, aber das ist kein neuer Vorsatz.

Die Weihnachtstage verbrachten Sie in Ihrer Heimat. Wie wird in Finnland gefeiert?Jeder weiss doch, dass der Sankt Nikolaus aus Finnland stammt. (lacht) Zuerst isst man im Kreis der Familie, dann kommt der Sankt Nikolaus vorbei, und am Abend entspannen wir uns, gewöhnlich mit einem Saunagang.

Was machen Ihre beiden Kinder?Meine Tochter lebt wegen der Pferde in Dubai; sie ist Reiterin. Mein Sohn arbeitet in Turku; er wird im Februar nach Bern kommen, sich einen Match ansehen.

Sind sie eishockeyinteressiert?Nicht besonders. (lacht laut) Natürlich sind sie zufrieden, wenn ich Erfolg habe. Wenn wir telefonieren, erkundigen sie sich höflich, wie es läuft. Aber es ist nicht so, dass sie das Eishockey intensiv verfolgen würden.

Am 6. Dezember, dem finnischen Nationalfeiertag, wurden Sie im Rahmen einer Gala geehrt. Was bedeutet Ihnen dies?Es war eine Einmal-im-Leben-Erfahrung. Im Präsidentenpalast wurden 99 Jahre Unabhängigkeit gefeiert. Es waren ein paar Männer dabei, die noch gegen die Sowjetunion gekämpft hatten. Sie waren die grossen Stars des Abends. Ich genoss die Zeit, traf viele interessante Leute aus Sport und Kultur. Ich habe gute Erinnerungen an diesen Anlass – und tolle Bilder davon!

Wir haben eines davon gesehen. Schicker Anzug!Wow! Oder nicht? (lacht laut)

Über Ihr Privatleben ist wenig bekannt. Wie verbringen Sie die Freizeit?Dieser Job hier ist mein Leben, Eishockey ist meine Leidenschaft. Ich schätze mich glücklich, in Bern arbeiten zu können. Privat bin ich ein ganz normaler Mensch; ich mache nichts Besonderes. Die meiste Zeit verbringe ich im Stadion. Aber ich schätze es, hat mir der SCB eine schöne Wohnung organisiert, wo es mir wohl ist. Und manchmal gehe ich in die Stadt und probiere ein neues Restaurant aus.

Haben Sie einen Lieblingsort?Ich mag das Alte Tramdepot. Mir gefällt die Atmosphäre – und: Es gibt gutes Bier!

Werden Sie erkannt, wenn Sie ein Bier trinken?Ich merke zuweilen, dass ich erkannt werde. Aber angesprochen werde ich fast nie.

Es scheint Ihnen hier zu gefallen. Gibt es etwas, das Sie an der Schweiz nicht mögen?Mir ist nichts Negatives aufgefallen. Ich mag den Lebensrhythmus in der Schweiz. Die Menschen arbeiten während der ­Woche hart und geniessen das Wochenende. Ich find es gut, sind in der Schweiz am Sonntag die meisten Geschäfte geschlossen. In Finnland, überhaupt in der ganzen EU, sind viele Läden 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche geöffnet. Das passt mir nicht. Ich vermisse hier nichts, einzig . . .

. . . einzig?Eine Sauna! Ich bin ein Saunamann – in Finnland benutze ich sie fast täglich. Ich habe mit Alex Chatelain gesprochen. Der Nassbereich der Garderobe sollte erneuert werden. Es besteht die Idee, dort eine Sauna, einen Whirlpool und ein Eisbad einzurichten. Das wäre für die Spieler gut. Wir suchen nun nach Lösungen für den Umbau. Das betrifft natürlich auch die Finanzierung.

Kari Jalonen sieht seine Zukunft beim SC Bern. Er verlängert seinen Vertrag bis 2020.
Kari Jalonen sieht seine Zukunft beim SC Bern. Er verlängert seinen Vertrag bis 2020.
Raphael Moser
SCB-Trainer Kari Jalonen verbringt die meiste Zeit im Stadion. «Dieser Job ist mein Leben», sagt er.
SCB-Trainer Kari Jalonen verbringt die meiste Zeit im Stadion. «Dieser Job ist mein Leben», sagt er.
Stefan Anderegg
Jalonen wurde schon im Winter 2015/16 als Nachfolger von Lars Leuenberger gehandelt, weil der SCB um die Playoffs bangen musste. Der Wechsel wurde im April offiziell bekannt gegeben, obschon Leuenberger überraschend den Titel holte.
Jalonen wurde schon im Winter 2015/16 als Nachfolger von Lars Leuenberger gehandelt, weil der SCB um die Playoffs bangen musste. Der Wechsel wurde im April offiziell bekannt gegeben, obschon Leuenberger überraschend den Titel holte.
Urs Baumann
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Sie haben vielerorts gearbeitet. Fällt es Ihnen leicht, sich an neue Lebensumstände anzupassen?Bis man die Liga, die Gegner, die Spieler und alles Drumherum kennt, ist es hart, sehr intensiv, anstrengend. Du verbringst extrem viel Zeit mit Videostudium. Ich behaupte nicht, das Leben sei danach einfacher. Aber wenn man sich auskennt, wird es angenehmer. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl, nach Bern zu kommen. Wenn ich das mit der KHL vergleiche!

Es gibt viele Schauermärchen aus der KHL. Wie haben Sie Ihre Zeit in Russland erlebt?Das Schlimmste ist, dass du nie weisst, was passieren wird. Das gilt für die Coachs und für die Spieler. Denn die Teambesitzer und Manager sprechen nie mit dir; du triffst sie kaum einmal an. In anderen Ländern kannst du mit deinen Vorgesetzten reden, über die Situation diskutieren. In Russland ist das anders: Wenn du verlierst, bist du allein, ganz auf dich gestellt. Die Klubverantwortlichen sagen dir dann nicht einmal «guten Morgen». Das ist die russische Mentalität. Im ersten Jahr bei Nowgorod dachte ich: «Stimmt etwas nicht?» Dann habe ich gemerkt, dass dies normal ist. Vielleicht setzen sie dich bewusst unter Druck; du musst dann beweisen, dass du damit umgehen kannst.

Sie kennen die europäischen ­Ligen bestens. Wo würden Sie die NLA einordnen?Die KHL ist eine andere Welt. Sie ist hinter der NHL die zweitbeste Liga. Es folgen mit etwas Abstand Finnland, Schweden, Tschechien und die Schweiz. Ich würde dort keine Abstufungen machen. In der Champions Hockey League haben Freiburg, Zürich und wir den Beweis erbracht, dass Schweizer Klubs auf diesem Level erfolgreich sein können.

Die Schweizer erzielen zu wenig Tore, lautet die gängige Meinung. Sind Sie einverstanden?Dies gilt nicht für die Besten. Aber generell ist die Schussqualität nicht sehr hoch. Die Spieler haben zu kurze Stöcke.

Zu kurze Stöcke?Mir fällt das vor allem bei den Jüngeren auf. Kommt ein Junior zu uns ins Training, schaue ich als Erstes seinen Stock an. Ich frage dann: «Kennst du Patrik Laine?» Er sagt: «Ja, klar.» Und ich sage: «Laine schiesst viele Tore – und er hat einen langen Stock.» Mit längeren Stöcken können die Spieler den Flex besser nutzen.

Einige Leute äussern Bedenken, der SCB habe für den Playoffkampf zu viele kleine Spieler.Die Grösse spielt keine Rolle. Okay, wir haben einige kleine Spieler wie Arcobello und Lasch. Aber ich mag, wie sie spielen. In den Playoffs geht es hart auf hart, aber vor allem mental. Dass wir physisch bereit sind, haben wir in dieser Saison mehrfach gezeigt. Ich mache mir da keine Sorgen.

Der SCB zählt seit längerem zur Spitzengruppe. Tabellarischer Druck existiert kaum. Demnach könnten Sie neue Formationen ausprobieren oder jenen Spielern Eiszeit geben, die selten zum Einsatz kommen. Sie halten aber strikt an Ihren vier Formationen fest. Weshalb?Wenn eine Linie offensiv wie defensiv funktioniert, dann möchte ich sie nicht auseinandernehmen. Weshalb wechseln, was gut ist? Auf diesem Weg zeige ich den Spielern mein Vertrauen. Das ist meine Philosophie.

Diese Philosophie macht es für Überzählige schwierig, sich einen Platz zu erkämpfen. Was muss beispielsweise Dario Meyer tun, um eine Chance zu erhalten?Zu Saisonbeginn fehlten Bodenmann, Ebbett, Rüfenacht. Das war Darios Zeit, zu zeigen, wo sein Level ist: physisch, läuferisch, defensiv, offensiv. Er hat in den letzten Wochen hart gearbeitet und in Visp viel Eiszeit erhalten. Nun wird er eine längere Phase bei uns bleiben und im Januar auch Einsätze erhalten. Aber dieser Prozess gehört dazu, wenn du neu in eine Liga kommst.

Sie gelten als starker Befürworter der Null-Toleranz-Regelauslegung. Weshalb?Weil das Eishockey dadurch besser wird. Aber wir brauchen alle, wollen wir das Spiel besser machen: Schiedsrichter, Spieler, Trainer, Nationaltrainer, Sportchefs. Mein Gedanke ist: Wer den Puck hat, soll im Vorteil sein. Diesen Vorteil darf dir kein Gegner mit Haken, Stockschlag oder Beinstellen wegnehmen.

Sind Sie zufrieden mit der Art und Weise, wie die Schiedsrichter die Regeln interpretieren?In Genf gab es 27 kleine Strafen, das war nicht mehr Eishockey. Aber im ersten Spiel im neuen Jahr gegen Zürich haben sie einen guten Job gemacht. Ich bin überzeugt, dass wir bald ein besseres Spiel haben werden: mehr Spielfluss, mehr Torchancen, mehr Spass für die Fans.

Sie werden als sehr ruhig bezeichnet. Wie beschreiben Sie Ihre Beziehung zu den Spielern?Fragen Sie die Spieler! (schmunzelt) Ein zentraler Punkt ist: Bei mir kommen die Spieler immer an erster Stelle. Ich hoffe, sie spüren das. Und es ist mir wichtig, die Spieler in Entscheidungen und Prozesse zu integrieren. Wir besprechen vieles mit der Captaincrew. Das gehört zum modernen Coaching. Es ist nicht mehr: Jemand fordert, der andere führt aus. Ich will, dass die Spieler mitentscheiden, Selbstverantwortung übernehmen. Dies fördert nicht zuletzt den Teamgeist.

Sie haben manche Equipe trainiert. Gibt es einen Punkt, den Sie bei dieser SCB-Mannschaft hervorheben möchten?Den Charakter. Den Spielern liegt der SCB am Herzen, sie geben alles für den Klub. Das ist nicht überall der Fall. Für mich gibt es drei Punkte: Ich mag qualitativ gute Spieler, ich mag gute Personen, und ich mag gute Athleten. Wie lebt ein Spieler ausserhalb des Eisrinks? Wie professionell verhält er sich? Auch in diesem Bereich haben wir eine gute Gruppe.

Es wird gemunkelt, Sie könnten auch sehr laut werden. Mussten Sie seit Ihrer Ankunft in Bern ­bereits laut werden?Vielleicht einmal. (schmunzelt)

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