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«Kein Angebot aus Europa hat mich interessiert»

Ralph Krueger (52) gelingt ein weiterer grosser Karrierenschritt. Der ehemalige Schweizer Nationaltrainer wurde als Headcoach der Edmonton Oilers vorgestellt.

Eine grosse Chance: Ralph Krueger stellt sich in Edmonton als neuer Headcoach der Oilers vor.
Eine grosse Chance: Ralph Krueger stellt sich in Edmonton als neuer Headcoach der Oilers vor.
Keystone

Ralph Krueger verdiente sich die Promotion vor allem durch gute Arbeit in den letzten beiden Jahren. Am 30. Juli 2010 war er als Associate Coach zum NHL-Team gestossen und hatte unter Tom Renney viel Verantwortung gehabt, deutlich mehr als ein Assistenztrainer. Der 52-jährige Deutsch-Kanadier zeichnete verantwortlich für die «special teams», bei denen die Oilers in der abgelaufenen Spielzeit grosse Fortschritte erzielten. In Überzahl erwiesen sich nur Nashville und San Jose als effizienter als Edmonton, und auch in Unterzahl etablierten sich die Oilers innerhalb der NHL in der oberen Hälfte (Platz 14). An der Pressekonferenz gab sich Krueger zuversichtlich: «Es waren natürliche, gesunde 23 Jahre des Wachstums als Trainer. Ich bin bereit für diese Situation.»

Nach dem Ende der letzten Saison hatte Krueger angekündigt, nach Europa zurückzukehren und wieder als Cheftrainer arbeiten zu wollen. Als dann am 17. Mai bekannt wurde, dass Edmontons Vertrag mit Tom Renney nicht verlängert wird, gab es eine Neuevaluation – von beiden Seiten, wie General Manager Steve Tambellini (ex ZSC) betonte: «Ralph (Krueger) hat einige Zeit weg von uns verbracht, und wir hatten die Gelegenheit, ihn uns nicht mehr als Associate Coach, sondern als Headcoach vorzustellen. Die Denkart bei diesen Jobs ist unterschiedlich. Seine Sichtweise der Dinge hat uns überzeugt.»

Der Sieg an Olympia 2006

Überzeugt hatte Krueger den einstigen NHL-Star Tambellini auch schon während seiner Zeit als Schweizer Nationalcoach, der weitaus längsten eines Nationaltrainers in der Moderne. Besonders beeindruckt wurde Tambellini von Krueger beim 2:0 der kleinen Schweiz gegen das grosse Kanada an den Olympischen Spielen 2006 in Turin. «Er hatte da eine clevere Taktik, um unsere Spieler zu kontrollieren. Gleichzeitig konnten sich die Schweizer offensiv trotzdem kreativ entfalten.» Auch Tambellinis Recherchen bei anderen NHL-Trainern führten zum gleichen Resultat. «Sie bringen ihm Respekt entgegen für die Spielweise seiner Teams, sowohl in der Offensive wie in der Defensive.»

Die Ausgangslage, die Krueger in der bekennenden Eishockey-Stadt Edmonton vorfindet, scheint vielversprechend. Das Team hat in den letzten sechs Jahren die Playoffs stets verpasst, in den letzten Jahren aber mit spektakulärem Offensiv-Hockey viel Goodwill zurückerobert. Die Mannschaft scheint sich auf dem Weg nach oben zu befinden. Am NHL-Draft vom vergangenen Wochenende durften die Oilers zum dritten Mal hintereinander als erstes Team einen Spieler «ziehen». Taylor Hall (2010) und Ryan Nugent-Hopkins (2011) schafften den Sprung zum Leistungsträger in der NHL bereits; Nail Jakupow dürfte ebenfalls rassig eine tragende Rolle einnehmen können. «Unser Klub bewegt sich hinsichtlich der Entwicklung und der Erwartungen in eine neue Phase. Ralph ist der richtige Mann, um uns dahin zu führen», sagte Tambellini. Und Krueger weiss, wie er den Aufwärtstrend weiterzuführen gedenkt: «Wir werden auf und neben dem Eis enorm hart arbeiten und sehr diszipliniert auftreten. Die Siege sind ein Nebenprodukt und werden sich dann einstellen, aber sie sind nicht der Fokus.»

Angebote aus Europa nicht interessant genug

Krueger ist erst der elfte Cheftrainer in der erfolgsbeladenen Geschichte der Franchise aus der kanadischen Provinz Alberta. Die ruhmreichen Jahre liegen aber schon weit zurück. In den achtziger Jahren gewannen die Edmonton Oilers um die Superstars Wayne Gretzky, Mark Messier und Jari Kurri fünfmal den Stanley Cup. Nach dem Abgang Gretzkys, dem vielleicht besten Eishockeyaner aller Zeiten, wurden die Oilers aber immer schwächer – so wie auch die übrigen kanadischen NHL-Teams, die unter dem Währungszerfall des kanadischen Dollar leiden.

Der Deutsch-Kanadier hat die Schweizer Nati nach den Olympischen Spielen in Vancouver und insgesamt fast 13 Jahren verlassen. Er führte die Schweiz an zwölf WM- und drei Olympia-Turniere und erreichte unter anderem 2006 in Turin bei Olympia nach Siegen über Tschechien und Kanada Platz 6 sowie bei seiner WM-Premiere 1998 am Heimturnier in Zürich und Basel Platz 4. Zudem verbesserte sich die SEHV-Auswahl während seiner Zeit in der Weltrangliste von Platz 15 auf Position 7.

Krueger sagte auch, er habe zahlreiche Offerten aus Europa gehabt. «Aber keines dieser Angebote hat mich interessiert.»

si/fal

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