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Keine Zeit für die Vergangenheit

Beim letzten Meistertitel der Luganesi war SCB-Assistenzcoach Ville Peltonen als treffsicherer Stürmer dabei.

Der SCB-Assistenztrainer und Ex-Lugano-Spieler Ville Peltonen zum Playoff-Halbfinal gegen die Tessiner

Die Szene wiederholt sich bei jedem Eistraining des SC Bern. Cheftrainer Kari Jalonen verschwindet nach dem obligatorischen Teil im Garderobentrakt, anschliessend verlassen die Stammspieler einzeln das Feld. Zurück bleiben die Nachwuchskräfte, die Überzähligen und Ville Peltonen.

Jalonens Assistent versucht, jeden Einzelnen besser zu machen. Er beobachtet ruhig das Geschehen, ab und zu versorgt er einen der Spieler mit einem Tipp. Er erklärt zum Beispiel Details bezüglich Schusstechnik oder wie es den Puck abzudecken gilt. Aufmerksamkeit ist ihm gewiss, denn über die Fähigkeiten des Lehrmeisters gibt es keine Zweifel.

«Letztlich ist es ihre Sache, wir können nicht das Wasser zum Wal tragen.»

Ville Peltonen, SCB-Assistenztrainer

Peltonen hat in seiner ruhmreichen Karriere an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften zwölf Medaillen gewonnen, 1995 im Final mit drei Toren eigenhändig für den einzigen WM-Titel Finnlands gesorgt. Mit seinen «Schülern» ist er zufrieden. Sie hätten Fortschritte erzielt, hält er fest. «Mir gefällt, wie willig sie sind, Neues zu lernen. Letztlich ist es ihre Sache, wir können nicht das Wasser zum Wal tragen.»

Normalerweise macht Peltonen seinen Job im Hintergrund, doch am Tag vor Beginn der Playoff-Halbfinals ist es anders. Nach der obligaten Sonderschicht stehen für den Nordländer diverse Interviews auf dem Programm. Der 43-Jährige ist nicht wegen seiner Qualitäten als Ausbildner ein gefragter Mann, sondern wegen seiner Zeit beim HC Lugano, mit dem er 2006 Meister wurde.

Seither warten die Tessiner auf einen Titel, und ab heute Dienstag kommt es zum Duell SCB - HCL. «Diese Serie ist für mich etwas Spezielles, ja. Aber derzeit geht es nur ­darum, uns auf das erste Spiel vorzubereiten. Jetzt ist nicht der Moment, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen», meint der Topskorer von 2004.

Zuerst die Arbeit

Er erzählt dann doch noch ein wenig von seinen Erfahrungen als Spieler in der Schweiz: «Ich mochte die Emotionen auf dem Eis, die Atmosphäre in den Stadien. Die enthusiastischen Fans sind ein Plus der NLA, das ist immer noch so. Wir hatten damals ein starkes Team. Weniger gut sind meine Erinnerungen an das erste Aufeinandertreffen mit Bern in den Playoffs. Doch in meiner letzten Saison gelang es uns, den Titel zu holen, das war ein perfekter Abschluss.»

«Du gehst ins Stadion, um zu arbeiten, danach kannst du die Umgebung immer noch geniessen.»

Ville Peltonen, SCB-Assistenztrainer

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Dass der HCL zuletzt die hohen Erwartungen oft nicht erfüllt habe, liege daran, dass sich die Spieler im mediterranen Klima allzu oft dem Dolce Vita, dem süssen Leben, hingäben. Peltonen schmunzelt, als er auf die Palmen und Strände angesprochen wird.

«Sie haben recht. In Lugano musst du noch etwas professioneller sein als anderswo. Ich hatte die gleichen Erfahrung zuvor schon in Kalifornien gemacht.» Für ihn sei aber immer klar gewesen: «Du gehst ins Stadion, um zu arbeiten, danach kannst du die Umgebung immer noch geniessen.»

Nun wieder im Hintergrund

Sein Wissen aus der Aktivzeit helfe dem SCB im Halbfinal «überhaupt nichts», sagt der Assistenzcoach. Doch eines ist klar: Das Duo Jalonen/Peltonen hat sich akribisch auf den Gegner vorbereitet. Die gesammelten Informationen sind portioniert und selektiv weitergegeben worden. «Damit der einzelne Spieler nicht zu viel bewältigen muss», wie der ehemalige NHL-Profi erklärt.

«Wir brauchen Geduld», sagt SCB-Stürmer Simon Bodenmann zur Playoff-Serie gegen Lugano. Video: Florine Schönmann

Zur Taktik will sich Peltonen nicht äussern. Stürmer Simon Bodenmann sagt, was der SCB anders machen muss als der gescheiterte ZSC: «Zürich spielte fast nur aussen herum, wir hingegen wollen Leute vors Tor stellen und vor dem Goalie Verkehr erzeugen.»

Wenn dies gelingt, stehen die Chancen gut, dass der Meister seiner Favoritenrolle ­gerecht wird. Ville Peltonen tritt nach seinem Interviewtag übrigens wieder in den Hintergrund. Während des Halbfinals äussert sich vom Trainerteam nur der Chef: Kari Jalonen.

Die Statistik spricht klar für den Meister

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