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Erst abgeschoben, jetzt jagt er den Schweizer Rekord

Kevin Fiala führt Minnesota zurück in die Playoff-Ränge. In diesem Jahr skort er im Tempo der grossen Stars.

Darf im Moment viel jubeln: Kevin Fiala von den Minnesota Wild.
Darf im Moment viel jubeln: Kevin Fiala von den Minnesota Wild.
Bruce Kluckhohn/NHLI via Getty Images

Er hat es wieder getan. Mit einem kurzen Antritt bringt Kevin Fiala seinen Gegner aus dem Gleichgewicht, legt den Puck zurück – und jubelt zwei Sekunden später über den Game-Winner. Es ist Donnerstag in San Jose und das sechste Spiel in Folge, in dem der 23-jährige Ostschweizer skort. Gerade hat ihn die NHL zum Spieler der Woche gekürt. Doch es ist noch viel mehr: Es ist der Match, in dem die Minnesota Wild auf einen Playoff-Rang klettert. Und womöglich eine Wachablösung im Schweizer Eishockey.

Denn im Kader der San Jose Sharks steht ein gewisser Timo Meier. Ebenfalls Ostschweizer, gleicher Jahrgang wie Fiala und seit letzter Saison nationaler Rekordhalter. Mit 66 Punkten verbesserte der Herisauer damals die Bestleistung von Mark Streit. Nur ein Jahr später sieht es so aus, als würde er von einem anderen Stürmer übertrumpft – von Fiala.

Vor einem Jahr noch abgeschoben

Der hat seit dem 1. Dezember in 40 Spielen 40 Punkte geskort – ein Schnitt, mit dem er nach Minnesotas verbleibenden 15 Partien genau auf 66 käme. Doch die Kadenz des Uzwilers ist ja seit Wochen ungleich höher: Seit Februar skort er im selben Tempo wie NHL-Superstar Connor McDavid (1,53 Punkte pro Spiel). Kaum zu glauben, dass es erst ein Jahr her ist, dass Fiala von den Nashville Predators zu den Wild getauscht wurde. Man könnte auch sagen: abgeschoben.

Dabei ging es bei ihm nie ums Talent – das war stets unbestritten. Seine Skorerwerte sprechen für sich, sein Ehrgeiz ist riesig, sein Trainingseifer ebenso. Nur logisch, dass er 2014 in der ersten Runde gedraftet wurde. Doch es gab eben auch die Kehrseite: Fiala wusste um seine Qualitäten und versteckte das kaum. Als Neuling sorgte er für Kopfschütteln bei den Mitspielern, wenn er bei Auswärtspartien an der Hotelrezeption als Erster den Zimmerschlüssel verlangte – ein unerhörter Tabubruch der strengen Teamhierarchie.

Der Wechsel des jungen Stürmers anlässlich der Trade-Deadline 2019 darf darum auch als Misstrauensvotum gelten. «Ich wette, er wird in dieser Liga 30 Tore schiessen», komplimentierte Nashvilles General Manager zwar. Doch für den gewünschten Playoff-Erfolg in der Gegenwart zog David Poile dann doch einen Spieler vor, der zwar auch noch nie 30 Tore erzielt hatte, aber vier Jahre älter und bereits Captain eines finnischen WM-Teams war: Mikael Granlund, der im Tausch aus Minnesota kam.

Heute ist klar: Die Predators verloren den Deal. Erst schieden sie in der ersten Playoff-Runde sang- und klanglos aus. Und am vergangenen Dienstag gab es ein Wiedersehen mit Fiala, das der Stürmer mit einer Aktion krönte, die gute Chancen aufs Tor des Jahres hat. «Wir können den Fiala-Treffer noch immer nicht fassen», titelte danach der grösste Wild-Fanblog. Und twitterte die schlichte Meldung: «Wild gewinnt den Deal.» Jeder wusste, was gemeint war. Dabei galt Granlund in Minnesota jahrelang als Publikumsliebling.

Auf Rekordjagd

Diese Rolle hat nun ein anderer. Und Timo Meier tat am Donnerstag zwar alles, um seinen Verfolger im Rennen um den Schweizer Rekord zu übertrumpfen, schoss acht Mal aufs gegnerische Tor. Doch Meier blieb an diesem Abend ebenso erfolglos wie San Jose schon die gesamte Saison: In der Western Conference hat bloss Los Angeles weniger Punkte geholt als die Sharks, das Rennen ums Playoff ist längst verloren.

Fiala hingegen bleibt im Hoch. Sein Team ist auf Playoff-Kurs. Wie nebenbei stellte er mit seinen Skorerpunkten in sechs aufeinanderfolgenden Spielen einen neuen Clubrekord auf. Und die Chancen, dass er Meiers Bestleistung noch schlägt, stehen gut. Da dürfte ihn kaum stören, dass es mit dem Schweizer Rekord am Ende wohl trotzdem nichts wird. Denn es gibt da noch einen gewissen Roman Josi. Den Nashville-Verteidiger und -Captain trennen nur noch drei Punkte von Meiers Bestleistung. Doch das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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