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Kommentar: Die erzwungene Kehrtwende des Marc Lüthi

Der zweite Trainerwechsel beim SC Bern ist aus der Not geboren. Ganz wohl scheint CEO Marc Lüthi bei der Sache nicht zu sein.

Im zweiten Anlauf hat der SC Bern Guy Boucher verpflichtet. Der Kanadier war schon im vergangenen November – nach der Entlassung von Antti Törmänen – ein Kandidat gewesen. Mehr noch: Der Vertrag war quasi fertig ausgehandelt. Letztlich scheiterte das Engagement des 42-Jährigen mit NHL-Erfahrung an Marc Lüthi. Vielleicht, weil er hoffte, Ralph Krueger holen zu können. Jedenfalls bezeichnete der Chef des SC Bern Boucher im «Blick» als «realitätsfremd», weil dieser einen Vertrag über zweieinhalb Jahre verlangt hatte. Nun erhielt Boucher einen Kontrakt bis Ende der Saison 2015/2016, was der geforderten Dauer entspricht. Lüthi sagte damals auch, es nütze nichts, einen Coach aus Nordamerika zu holen, der ein halbes Jahr benötige, bis er begriffen habe, wie die Schweizer Liga funktioniere. Jetzt hat Boucher nach seiner Ankunft rund 80 Stunden Zeit, aus einer Gruppe verunsicherter Spieler ein Team zu bilden, das am Freitag Ambri-Piotta schlägt und am Samstag möglichst auch bei Gottéron reüssiert. Denn der SCB wird die Playoffs nur erreichen, wenn er in den letzten sechs Runden regelmässig punktet. Der zweite Trainerwechsel ist aus der Not geboren. Ganz wohl scheint Lüthi bei der Sache nicht zu sein. «Sven Leuenberger ist hundertprozentig überzeugt, dass Boucher der richtige Trainer ist», meint der CEO. Er sagt nicht «ich bin» oder «wir sind». Ein klares Bekenntnis tönt anders. Immerhin ist es dem SCB gelungen, wenn auch durch kommunikative Verrenkungen, Lars Leuenberger nicht zu verheizen und das Gesicht wahren zu lassen. Er trägt an der Misere nicht die Schuld. Ob alle Spieler am Morgen guten Gewissens in den Spiegel schauen können, ist eine andere Frage. Denn mangelnde Klasse kann nicht der Grund für die Probleme sein. Sonst hätte dieses Team im vergangenen Dezember nicht acht Partien in Serie gewinnen und im April 2013 in ähnlicher Zusammensetzung Meister werden können.

Marc Lüthi hat grosse Verdienste um den SC Bern; ohne ihn gäbe es den Klub in dieser Form kaum noch. Doch derzeit macht der CEO keine gute Figur. Ohne den Namen zu nennen, gibt er zu verstehen, dass er als Ursache für die Krise Antti Törmänens Führungsstil ausgemacht hat. Zur Erinnerung: Mit dem Finnen, den Lüthi notabene über den Kopf von Sportchef Sven Leuenberger zum Cheftrainer befördert hatte, wurde der SCB einmal fast und einmal ganz Meister. Mail: adrian.ruch@bernerzeitung.ch

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