Kontinuität und Konkurrenzkampf beim Meister

Das Kader des SCB hat kaum Änderungen erfahren. Kari Jalonen steht vor seinem letzten Vertragsjahr.

Dreh- und Angelpunkt des Berner Offensivspiels: Der Amerikaner Mark Arcobello. Foto: Raphael Moser

Dreh- und Angelpunkt des Berner Offensivspiels: Der Amerikaner Mark Arcobello. Foto: Raphael Moser

Reto Kirchhofer@rek_81

Kari Jalonen ist im Januar zur Welt gekommen. Was selbstverständlich nichts mit Zufall zu tun hat. Der Monat ist dem römischen Gott Janus gewidmet, der in der Mythologie zwei Gesichter hat.

Die Wesensart des Vielgesichtigen ist dem Trainer des SC Bern nah. Es gibt den Kari Jalonen, der in der Garderobe vor den Spielern tanzt, sich gar in der Meisternacht der Young Boys unter die feucht-fröhliche Menge mischt, mit Journalisten abklatscht, offenherzig über Taktik, Familiäres und Saunagänge spricht. Und es gibt den Kari Jalonen, der kühl und starrsinnig und in sich gekehrt ist, dessen Augen hinter der Nickelbrille das Gegenüber kaum eines Blickes würdigen. Und der am liebsten gar nichts sagt.

«Solange wir charakterlich das beste Team haben, mache ich mir keine Sorgen.»Marc Lüthi, Geschäftsführer SC Bern

Nahbar ist Jalonen vorab in Zeiten von Feiern und Glückseligkeit. 2017 und 2019 holte er mit Bern die Meisterschaft. Mittlerweile geht der Finne eher wieder auf Distanz. Und symbolisiert damit: zurück an die Arbeit.

Arbeit gibt es für den Titelverteidiger zuhauf. Zug und Lausanne haben ihre Kader verteuert und verbessert. Die ZSC Lions dürsten nach ihrem Taucher nach Höhenluft. SCB-Sportchef Alex Chatelain sagt: «Was die finanziellen Möglichkeiten betrifft, haben uns einige Clubs ein- oder gar überholt.» Der Berner Geschäftsführer Marc Lüthi ergänzt: «Aber solange wir charakterlich das beste Team haben, mache ich mir keine Sorgen.»

Zwei Goalies für ein Erbe

Die Charakterfrage hat die SCB-Equipe zuletzt mit drei Titeln in vier Saisons positiv beantwortet. Die offizielle Zielsetzung aber wurde demütig formuliert: in mindestens einem von drei Wettbewerben um den Titel spielen. Doch Lüthi sagt: «Natürlich wollen wir bei der Vergabe des Meistertitels mitreden.»

Die Saison der Titelverteidigung nimmt Bern mit einem marginal angepassten Team in Angriff. Neun Spieler der aktuellen SCB-Ausgabe zählten bereits 2016, 2017 und 2019 zu den Meisterteams. «Wir verfügen über viel Erfahrung und genügend Spieler, die Verantwortung übernehmen», sagt Chatelain.

Die einschneidende Änderung betrifft die Besetzung im Tor, wo sich Niklas Schlegel und Pascal Caminada das Erbe Leonardo Genonis quasi aufteilen. Jedenfalls ist angedacht, dass sich die Goalies bis auf weiteres abwechseln. Beinahe unverändert ist die Abwehr: Der finnische Weltmeister Miika Koivisto kam für den Schweden Adam Almquist. Noch wichtiger wird für den SCB sein, dass der spielstarke Verteidiger Ramon Untersander nach seinen Gleichgewichtsstörungen keinen Rückfall erleidet. Im Angriff ging mit Gaëtan Haas der wohl stärkste Schweizer Center. Die Aussenpositionen wurden mit Vincent Praplan und Inti Pestoni ergänzt – womit beim Meister auf dem Flügel ein Überangebot vorhanden ist. «Der Konkurrenzkampf wird uns guttun», sagt Chatelain.

Jalonens Plan

Von ebendiesem Konkurrenzkampf erhofft sich der Sportchef Aufschlüsse betreffend Zukunft. Allein im Sturm haben acht Spieler einen auslaufenden Vertrag. Priorität hat die Verlängerung mit Mark Arcobello: Der US-Amerikaner war in den letzten drei Jahren Dreh- und Angelpunkt des Berner Offensivspiels.

Das wichtigste Traktandum aber betrifft den Headcoach. Jalonens Vertrag läuft ebenfalls aus – und selbstredend die Kontrakte der beiden finnischen Assistenten und des finnischen Goalietrainers. Ehe Chatelain also das Kader der Zukunft formen wird, muss er den Trainer der Zukunft kennen. Jalonen selbst liess vor geraumer Zeit im kleineren Kreis verlauten, er werde bald 60 Jahre alt, und womöglich sei die Zeit dann reif für etwas Neues. Geschäftsführer Lüthi sagt: «Lassen wir mal die Saison beginnen.» Und Jalonen? Der setzt in dieser Angelegenheit das Pokerface auf. Es gehört ebenfalls zu seinem Repertoire.

Am 6. Januar 2020 wird er 60.

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