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Leere Blicke und klare Worte

Der SC Bern muss den Traum vom dritten Meistertitel in Folge begraben. Die Berner erweisen sich allesamt als faire Verlierer, wobei Coach Kari Jalonen mit gutem Beispiel vorangeht.

Bitterer Moment: Nach dem Spielende realisierten die SCB-Spieler ihr Ausscheiden.
Bitterer Moment: Nach dem Spielende realisierten die SCB-Spieler ihr Ausscheiden.
Keystone
Mit hängendem Kopf: SCB-Cheftrainer Kari Jalonen.
Mit hängendem Kopf: SCB-Cheftrainer Kari Jalonen.
Keystone
Kämpfte um den Puck: Mark Arcobello.
Kämpfte um den Puck: Mark Arcobello.
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Und dann trifft Pius Suter nach 62 Minuten und 43 Sekunden ins Netz und damit mitten ins Berner Eishockeyherz. Der Traum vom dritten Meistertitel in Serie ist für den SC Bern in diesem Moment ausgeträumt. Als Sieger ist es einfach, sich richtig zu verhalten, mit Anstand verlieren kann hingegen nicht jeder.

Kari Jalonen zeigt im Hallenstadion, dass er nicht nur ein Erfolgscoach, sondern auch ein grosser Verlierer ist. Kaum hat sich aus den ZSC-Spielern an der Bande unweit von Leonardo Genonis Gehäuse eine Traube gebildet, steht Jalonen schon auf der Bank der Gast­geber, um Lions-Trainer Hans Kossmann zu gratulieren.

Es bleibt nicht beim Pro-forma-Handschlag, der Finne und der Kanada-Schweizer wechseln mehr als ein paar Worte. Und auch den anderen verfügbaren Mitgliedern des ZSC-Staffs reicht Jalonen die Hand.

Derweil stehen die SCB-Spieler nahe ihrer Bank – mit leerem Blick. Sie müssen zusehen, wie sich die Lions über den Coup freuen, und hören, wie im Hallenstadion, das im ersten Drittel von der Stimmung her noch an einen Kinosaal gemahnt hat, laut und vor allem immer wieder «Finale, oho» gesungen wird.

Der Speaker spricht von einem «grandiosen Abend», als die betrüb­ten Mutzen das Eis verlassen. In den Katakomben binden emsige SCB-Mitarbeiter wortlos mit Isolierband Stöcke zusammen; diese werden vorläufig nicht mehr gebraucht.

Unweit des Eingangs zur Gästegarderobe stehen die Überzähligen, Strassenkleider tragend, in einem kleinen Seitenkorridor. Besonders un­tröstlich sieht Mika Pyörälä aus; obwohl es warm ist, hat er eine Wollmütze tief ins Gesicht gezogen. Weltmeister und finnischer Meister ist der Stürmer schon, der Titel in der Schweiz bleibt ihm verwehrt.

Simon Bodenmann streift zum letzten Mal das SCB-Trikot über. Der Stürmer, der nach der Saison zu den Lions wechseln wird, muss für ein Fernsehinterview noch einmal zurück aufs Feld marschieren. Er hat nach irgendeinem Shirt gegriffen, auf dem Rücken prangt jedenfalls nicht «seine» 23, sondern die Nummer 50.

Es ist der letzte Auftritt von Juhamatti Aaltonens Oberteil; der Vertrag des Finnen läuft aus. Lars Leuenberger, Meistertrainer 2016 und derzeit als Chefscout sowie Leiter der strategischen Sportentwicklung angestellt, hält sich im Hintergrund.

Nach den Gründen für das Scheitern gefragt, antwortet er: «Es war definitiv eine sehr enge Kiste. Jeder Match hätte auf beide Seiten kippen können. Wir haben einen oder zwei Fehler zu viel gemacht – das ist kein Geheimnis.»

Mittlerweile ist Simon Moser aus der Garderobe getreten. Rund ein Dutzend Mikrofone und Aufnahmegeräte werden dem SCB-Captain entgegengestreckt. Der Powerflügel sucht keine Ausflüchte, selbst als ihm diese mit entsprechenden Fragen auf dem Silbertablett präsentiert werden.

«Sie haben verdient gewonnen – über sechs Spiele ist es kein Münzenwerfen», hält Moser klipp und klar fest. Insgesamt hätten die Zürcher cleverer gespielt. «Sie begingen weniger Fehler und nützten unsere besser aus als wir ihre.» Die Leistung des ZSC quittiert er mit «Chapeau».

Einer will wissen, ob nach den zwei Titelgewinnen das Aus leichter zu ertragen sei. «Wenn du so denkst, bist du fehl am Platz. Du weisst nie, wann du ­wieder eine Chance bekommst, Meister zu werden», sagt der 29-Jährige. Das Ausscheiden empfindet er als «brutal. Wir haben von uns etwas anderes erwartet.»

«Ich bin gerade etwas sprachlos», meint Maxim Noreau, der gewöhnlich gern und viel spricht. Der Verteidiger, wie Bodenmann wird er künftig den Lions-Dress tragen, gibt trotzdem Auskunft. «Der Einsatz war da, aber wir hätten mehr leisten, besser spielen können. Das wissen wir alle.»

Mittlerweile hat Bodenmann das TV-Interview hinter sich. Er spricht von einer «Leere. Denn wir hatten Grosses vor.» Auch Genoni wird umringt, und der Keeper gibt zu: «Sie haben weniger Fehler gemacht als wir, deshalb glaube ich, dass der ZSC-Sieg verdient ist.»

Er wirkt etwas weniger niedergeschlagen als andere und sorgt sogar noch für einen Lacher: «Ich war fest davon überzeugt, dass wir am Dienstag in Bern noch einmal spielen würden. Jetzt muss ich am Dienstag etwas anderes machen.»

Noreau schmerzt das Aus in Zürich mehr als die Halbfinalniederlage an Olympia. «Es trifft mich viel härter, denn mit diesen Jungs habe ich in den letzten zwei Jahren so viel durchgemacht und auch neben dem Eis viel Zeit verbracht. Wir waren wie eine Familie, wir hielten immer zusammen.»

Doch auch der Kanadier sucht keine Ausreden. «Es ist besser, in den Spiegel zu schauen, als über Glück und andere Variablen zu reden.» Die SCB-Protagonisten gehören an diesem späten Samstagabend zu den Geschlagenen, aber sie erweisen sich allesamt als vorbildliche Verlierer.

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