Lehrling mit viel Erfahrung

Meistertitel, unsichere Zukunft, Testphase – Gian-Andrea Randegger hat in den letzten Monaten viel durchgemacht. Doch nun gehört er wieder zum Team des SC Bern und hat vor, sich als Stürmer durchzusetzen.

Die 17 statt die 33: Gian-Andrea Randegger (rechts) hat für seine zweite Saison beim SC Bern seine Nummer gewechselt.

Die 17 statt die 33: Gian-Andrea Randegger (rechts) hat für seine zweite Saison beim SC Bern seine Nummer gewechselt.

(Bild: Keystone)

Adrian Ruch

Gian-Andrea Randegger trug in der letzten Saison die Nummer 33. Jetzt verteilt der Bündner in Diensten des SC Bern die Checks mit der Nummer 17 auf dem Rücken. Der Wechsel symbolisiert den Neunanfang. «Die 33 war meine Verteidigernummer, jetzt bin ich Stürmer», sagt der 30-Jährige.

Im Hinblick auf die Meisterschaft 2015/2016 wurde Randegger als Abwehrspieler verpflichtet, im Verlauf des Winters aber zum Angreifer umfunktioniert. Völliges Neuland musste er damals nicht betreten, hatte er doch bis zum 18. Lebensjahr als Stürmer gespielt und war später bei Servette und Kloten ab und zu als Center eingesetzt worden.

Vorbildlicher Teamplayer

Beim SCB bekleidete er unter Guy Boucher oft eine Nebenrolle, war zuweilen sogar überzählig. In den Playoffs dann bildete der 1,83 Meter grosse und 94 kg schwere Eishockeyprofi gemeinsam mit den Brüdern Alain und Pascal Berger die vierte Linie, die auf dem Weg zum Titel anerkanntermassen ein wichtiger Faktor war. Die Euphorie war gross, doch die Meisterehren änderten nichts daran, dass Gian-Andrea Randegger vor einer unsicheren Zukunft stand. Denn im Kader des SCB schien es für ihn keinen Platz mehr zu haben. Er habe die Ferien trotzdem genossen, sagt er, gibt aber zu: «Es war eine unangenehme Situation – doch letztlich ist alles gut herausgekommen.»

Der Verbleib beim SCB habe Priorität gehabt, erzählt er, doch er habe sich «zwangsläufig nach anderen Möglichkeiten umsehen müssen». Randegger war schwer enttäuscht, dass er kein Angebot erhielt. Gegenüber einem Journalisten würde er das freilich nie so sagen, geschweige denn, sich über die Behandlung beschweren. «So läuft es im Hockeybusiness», meint er schulterzuckend. Nicht zuletzt seiner Loyalität und seinen menschlichen Qualitäten hat er es zu verdanken, dass er auch in der laufenden Meisterschaft wieder das Trikot der Mutzen trägt. «Er ist ein toller Teamspieler; für ihn kommt die Mannschaft zuerst», sagt SCB-Cheftrainer Kari Jalonen. Der Finne attestiert Randegger eine starke Physis und viel Speed, bezeichnet ihn als «harten Arbeiter und guten Typen in der Garderobe».

Lange Phase der Unsicherheit

Zurück zum Frühsommer: Eine attraktive Offerte eines anderen Vereins kam nicht. Doch der Bündner, der schon für Davos, Lenzerheide-Valbella, Chur, Basel, Langenthal, Ambri-Piotta, Servette, Lausanne und Kloten gespielt hat, wollte sowieso in Bern bleiben. Am 15. Juni kommunizierte der SCB, Randegger habe einen bis zum 7. September gültigen Tryout-Vertrag unterzeichnet. «Ich hätte es schön gefunden, wenn es nicht nötig gewesen wäre», meint er rückblickend zur Testphase. «Aber ich war überzeugt, dass ich die Chance packen würde.» Am 5. September, zwei Tage vor Beginn der NLA-Meisterschaft also, stand fest: Der Kontrakt wird bis zum Saisonende verlängert. Einerseits profitierte der Routinier davon, dass sich der hoch begabte Walliser Nico Hischier entschied, den Sprung in die NHL via eine kanadische Juniorenliga anzustreben, anderseits waren der Trainingsfleiss und das vorbild­liche Verhalten des Bündners massgebend. «Ich mag ihn und seine Einstellung», sagt Jalonen, dessen Daumen letztlich nach oben zeigte.

Ville Peltonen als Lehrmeister

SCB-Assistenzcoach Ville Peltonen, als Spieler Gewinner von zwölf Olympia- und WM-Medaillen, steht nach dem Mannschaftstraining jeweils noch für individuelle Zusatzeinheiten zur Verfügung. Gian-Andrea Randegger, dessen Bruder Flurin für die SCL Tigers antritt, gehört zu jenen, die das Angebot regelmässig nutzen. «Ich kann von Ville sehr viel lernen», berichtet der Linksschütze. Trotz seiner 30 Jahre ist er aufgrund seines Karriereverlaufs als Stürmer noch nicht ausgereift. Das Zweikampfverhalten eines Flügels sei ganz anders als jenes eines Verteidigers erklärt er. Die Laufwege gelte es zu au­tomatisieren, auch die Art des Schiessens sei eine andere. Abwehrspieler dreschen oft aus der Ferne auf die Scheibe, Stürmer kommen meistens aus kürzerer Distanz zum Abschluss; häufig versuchen sie, den gegnerischen Goalie mit einem Handgelenkschuss zu bezwingen.

Noch kein NLA-Tor für Bern

Mit dem Toreschiessen hapert es noch bei Gian-Andrea Randegger. Kürzlich in einem Testspiel und 2015 in einem Match der Champions Hockey League traf er ins Netz, in 59 NLA-Partien für den SCB hat er aber noch keinen Treffer erzielt. Er ist nicht zum Skoren angestellt; als Mitglied der vierten Linie soll er vor allem Energie aufs Eis bringen und die Gegner zermürben. Trotzdem will er im Abschluss unbedingt Fortschritte machen. «Ich bin sicher, dass ich in dieser Saison noch ein paar Pucks reinhaue», sagt Randegger. Schliesslich symbolisiert die Nummer 17 den Neuanfang.

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