Lindemann erreicht als erster Tiger den 1000er-Club

1997 debütierte Sven Lindemann in der NLA, am Sonntag wird der Langnauer aller Voraussicht nach zum 1000. Mal zum Einsatz gelangen. Der Stürmer blickt zurück.

Jubilar: Läuft alles plangemäss, bestreitet Tigers-Stürmer Sven Lindemann am Sonntag sein 1000. NLA-Spiel.

Jubilar: Läuft alles plangemäss, bestreitet Tigers-Stürmer Sven Lindemann am Sonntag sein 1000. NLA-Spiel.

(Bild: Andreas Blatter)

Am Wochenende spielen die SCL Tigers innert 20 Stunden zweimal gegen Kloten. Für Sven Lindemann handelt es sich um besondere Partien, nicht nur, weil er einst 13 Jahre lang für die Zürcher stürmte. Sofern er zweimal eingesetzt wird, und davon ist auszugehen, wird Lindemann ­seine NLA-Spiele 999 und 1000 bestreiten, damit als erst neunter Profi und erster Langnauer die 1000er-Marke knacken (siehe Kasten).

Der gebürtige Bündner, welcher Mitte der Neunzigerjahre in Arosa mit Vater Guido Lindemann (NLA-Topskorer 1981 und 1982) seine Karriere lancierte («Für Papas Tipps war ich als 15-Jähriger nicht immer empfänglich»), spielte auch in Diensten des EV Zug. 2014 wechselte er nach Langnau, hatte wesentlichen Anteil am Aufstieg.

184 Tore und 254 Assists hat Lindemann auf höchster Stufe ­gebucht, ein Titel fehlt in seinem Palmarès. Mangels Angebot muss der kampfstarke Stürmer die SCL Tigers verlassen, er wird nächste Saison für den B-Klub Rapperswil-Jona spielen. Der Familienvater – seine beiden Söhne sind im Zuger Nachwuchs engagiert – gewährt einen persönlichen Rückblick:

Bestes Spiel: «Uff, da gab es so viele, da kann ich mich nicht entscheiden. (lacht) Im Ernst: Ich vergesse solche Dinge schnell, weiss im Detail nicht mal mehr, was letzte Saison geschah. Besonders gut war aber sicher das erste Spiel mit Langnau in der Ligaqualifikation vor zwei Jahren gegen Rapperswil. Wir gewannen 4:2, ich erzielte zwei Tore und hatte sehr viel Eiszeit. Wir stellten dort die Weichen Richtung Aufstieg.»

Schlechtestes Spiel: «Ich hatte einige schlechte Spiele. Aber es waren keine katastrophalen Leistungen darunter, wo du dich mit dem Stock fühlst, als hättest du fünf Daumen an der Hand. Im letzten Dezember verpasste ich in Ambri kurz vor Schluss aus kurzer Distanz das leere Tor – das war ein wenig peinlich.»

Bester Trainer: «Wladimir Jursinow beeindruckte mich in Kloten extrem. Er war ein exzellenter Ausbildner, analysierte das Spiel perfekt. Gleichzeitig war er auch mein härtester Coach. Er ist zwar ein herzensguter Mensch, auf dem Eis aber gab er den Tarif klar durch. Jursinow unterschritt ei­nige Male die Gürtellinie, nicht alles war in Ordnung. Aber ich lernte, damit umzugehen.»

Schlechtester Trainer: «Ich war kein Fan von Benoît Laporte. Was die Fachkompetenz betrifft, will ich ihn nicht kritisieren, menschlich aber waren wir nicht auf der gleichen Wellenlänge.»

Bester Mitspieler: «Das war wohl Kimmo Rintanen in Kloten. Er holte Olympia- und WM-Medaillen mit Finnland, war komplett, konnte eigentlich alles. Ich spielte eine Zeit lang mit ihm in einer Linie und wusste: Stelle ich mich nicht dumm an, kommt es gut.»

Witzigster Mitspieler: «Das ist definitiv Lukas Haas in Langnau. Er macht viel Seich, ist immer gut drauf. Die Teamkollegen zu veräppeln, ist sein Hobby. Vor dem Training versteckt er die Stöcke, oder er bindet sie mit mehreren Knoten zusammen, sodass wir sie mühsam lösen müssen und zu spät auf dem Eis erscheinen. Einem Spieler hat er sogar einmal das Auto versteckt. Bei ihm muss man immer mit allem rechnen – und auf der Hut sein.»

Härtester Gegenspieler: «Da hat es viele mühsame Typen gegeben, vor allem gross gewachsene Verteidiger. Timo Helbling zum Beispiel und Alessandro Chiesa. Es sind zwar beides gute Freunde von mir, auf dem Eis sind sie aber alles andere als angenehm.»

Härteste Prügelei: «Die lieferte ich mir mit Travis Roche (Ex-SCB-Verteidiger; die Red.). Wobei ich ehrlich sein muss: Er prügelte sich primär mit mir. Ich musste mächtig einstecken. In der Vorbereitung spielten wir zudem einmal gegen ein russisches Team. Zwei Möbel, also ich meine quasi Kleiderschränke von Spielern, stürmten auf mich los. Als sie vor mir standen, wurde es dunkel.»

Grösster Schmerz: «Schon als 15-Jähriger musste ich mich am Rücken operieren lassen. Während dreier Monate trug ich ein Korsett, ich hatte starke Beschwerden. Damals hätte ich es nicht für möglich gehalten, später solch eine Karriere hinzulegen.»

Emotionalster Moment: «2009 verlor ich mit Kloten das siebte Playoff-Finalspiel gegen Davos 1:2. Vor eigenem Publikum dem Gegner beim Feiern zuschauen zu müssen, war brutal. Am meisten Tränen vergoss ich aber bei meinem Ende in Kloten – nach 13 Jahren war der Abschied vor den Fans ergreifend.»

Prägendste Szene: «2009 spielte ich mit Kloten gegen Servette. Frédéric Rothen warf sich in einen Schuss von Goran Bezina, der Puck traf ihn mit voller Wucht im Gesicht. Frédi stand auf, sackte wieder zusammen. Sein Kiefer war futsch; er musste sich wochenlang künstlich ernähren, seine Zähne wurden mit einem Gitter zusammengehalten. Den Mund konnte er lange nicht richtig öffnen. Frédi ist mein bester Freund, war mein Trauzeuge. Als er damals auf dem Eis lag, war ich geschockt.»

Speziellste Anekdote: «Mit der Klotener Mannschaft gingen wir nach einer Saison in Arosa Ski fahren. Wobei es eher ums Après-Ski ging. Wir sassen bis spätabends in der Bergbeiz; den Schweden Fredrik Nilsson, der wie ein Anfänger fuhr, wollten wir mit dem Pistenfahrzeug runterschicken. Doch er wehrte sich – ein Hügelchen wurde ihm dann zum Verhängnis. Bei seinem Sturz flogen Skis und Stöcke durch die Luft, sie lagen etwa auf 50 Metern verteilt im Schnee.»

Berner Zeitung

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