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Mark Streit und die Ruhe von New York

Mark Streit geniesst bei den New York Islanders die Wertschätzung des Coaches und die familiäre Umgebung. Den Trubel in Montreal vermisst er nicht.

Herr Streit, seit zwei Monaten spielen Sie nun für die New York Islanders. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt? Absolut. Ich erhalte sehr viel Eiszeit, spiele Powerplay und Boxplay und regelmässig gegen die Topspieler des Gegners. Ich bin sehr zufrieden, wie sich hier meine Karriere entwickelt. Ich suchte ja mehr Verantwortung. In Montreal spürte ich das Vertrauen des Coaches nicht immer. Wenn wir etwa gegen Ottawa spielten, erhielt ich die Anweisung, das Eis sofort zu verlassen, sobald beim Gegner Jason Spezza oder Dany Heatley aufs Eis kommen. Das war frustrierend. Schliesslich hatte ich schon mit dem Nationalteam gegen Spieler wie sie gespielt.

Den Preis, den Sie bezahlen, ist, nicht mehr bei einem Spitzenteam zu sein. Als ich zu den Canadiens stiess, waren die auch kein Topteam. Wir waren, sagen wir mal, Durchschnitt und haben uns langsam gesteigert. Auch hier bei den Islanders können wir wachsen - auch wenn wir sicher noch nicht so weit sind wie die Canadiens. Wir können aber das Playoff erreichen, und das wäre ein schöner Erfolg.

Daran glaubt aber kaum jemand. Die «Hockey News» schrieb in ihrer Saisonvorschau zu den New York Islanders: «Stärken: keine». Haben sie das wirklich geschrieben? Natürlich haben wir kein so breites und talentiertes Kader wie die Montreal Canadiens oder die New York Rangers. Andererseits sind der Zusammenhalt und das Verhalten jedes Einzelnen hier wirklich einzigartig.

In Montreal spielten Sie in der vielleicht hockeyverrücktesten Stadt. Nun sind Sie in einem Klub am Rande der Wahrnehmung. Fehlt Ihnen nicht etwas? Eishockey hat in den USA generell einen geringeren Stellenwert als in Kanada. Die Konkurrenz durch American Football, Baseball oder Basketball ist riesig. Es ist aber nicht so, dass sich die Leute auf Long Island nicht für Eishockey interessieren. Es ist alles einfach ein bisschen familiärer. In Montreal konnte man kaum einen Schritt unbemerkt machen. Auf der Strasse wurde man ständig angesprochen. Solange man gewinnt, ist das nicht schlimm. Wenn es aber einmal nicht läuft, kann das zur Belastung werden.

Auch das Bewusstsein innerhalb des Klubs muss ein anderes sein. Ich muss sagen: Mir behagt die Atmosphäre hier. Es wird auch viel mehr miteinander gesprochen. Ich finde, das sind gute Voraussetzungen, um Leistung zu bringen.

Sie wohnen nun in einem Flecken namens Garden City. Das tönt nicht nach grossem Abenteuer. (lacht) Die Stadt ist wirklich relativ klein. Die wichtigsten Geschäfte und Cafés liegen alle an ein und derselben Strasse. Das kann aber auch erholsam sein.

Sie bezeichneten sich selber einmal als Stadtmenschen. Das klingt nicht nach Verwirklichung. Für die Erholung ist das gar nicht schlecht. Wir haben drei bis vier Matches pro Woche, ich stehe gegen 30 Minuten auf dem Eis. Ruhe tut da gut. Ich wohne zusammen mit fünf, sechs anderen Spielern in einem Appartementhaus. Der Bahnhof liegt direkt vor meiner Wohnungstür. In 30 Minuten bin ich mitten in Manhattan, wo das Leben tobt. Aber ganz ehrlich: Ich war in den knapp drei Monaten, in denen ich hier bin, noch kaum je aus. Ich habe einfach keine Zeit. Oder wenn ich Zeit hätte, bin ich zu müde. Vielleicht werde ich mir in absehbarer Zeit eine eigene Wohnung oder ein Haus kaufen. Schauen wir mal.

Ein Haus kaufen können Sie ruhig. Sie haben einen Fünfjahresvertrag erhalten. Das ist im Sport fast lebenslänglich. So weit voraus denke ich nicht. Ich war überglücklich, einen so langen Vertrag erhalten zu haben. Er gibt mir eine gewisse Sicherheit. In Montreal lebte ich mehr oder weniger von Saison zu Saison. Gleichzeitig bedeuten solche Verträge in der NHL wenig. Von einem Tag auf den anderen kann man vom Klub transferiert und ans andere Ende des Kontinents geschickt werden.

Sie haben keinen Vertragspassus, der Ihnen garantiert, nicht transferiert zu werden? Nein. Den wollte ich aber auch nicht. Ich habe keine Familie und bin so gesehen ungebunden.

Sie erhalten dafür ja auch ein Schmerzensgeld von 20,5 Millionen Dollar. Was macht man mit so viel Geld? (lacht) Steuern zahlen. Nein, ganz ehrlich: Ich habe mir bis jetzt noch nichts Verrücktes angeschafft. Ich lebe einfach weiter wie bisher. Für mich ist es schon ein Luxus, auswärts essen zu gehen, wenn mir danach ist, am Ende der Saison dorthin in den Urlaub zu fliegen, wo ich Lust darauf habe, oder einfach mal meine Eltern einzuladen und ihre Flüge zu bezahlen.

Warm essen konnten Sie schon als Spieler der ZSC Lions. Ja klar. Das Geld war auch nicht der entscheidende Grund für meine Wahl. Sonst wäre ich anderswo. Die Islanders gaben mir das Gefühl, dass sie mich wirklich wollen und auf mich setzen. Geld allein macht nicht glücklich.

Wie haben die Leute in der Schweiz auf Ihren neuen Reichtum reagiert? Gab es Bettelbriefe oder Heiratsanträge? (lacht) Eine Moderatorin von Radio Energy Zürich hat sich am Sender anerboten, mir beim Ausgeben zu helfen, falls es nötig sein sollte. Aber bisher komme ich zurecht.

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