Mit einer Abwehrschlacht zum perfekten Wochenende

Die SCL Tigers erstaunen weiter und belegen Rang 4 in der Tabelle. Auf das 4:0 gegen Biel folgte am Samstag ein 3:1 bei Gottéron.

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Kristian Kapp@K_Krisztian_

Es dürfte genau so eine Szene gewesen sein, die Langnaus Trainer Heinz Ehlers’ Herz höherschlagen liess: Gut zwei Minuten waren noch zu spielen, die Freiburger rannten an, wie schon seit Spielmitte ununterbrochen, und als ihr Topskorer Julien Sprunger aus bester Position zum 2:2 einnetzen wollte, warf sich Anton Gustafsson in den Schuss.

Er tat dies, es ist ja nicht seine Spezialdisziplin, unorthodox: frontal, wie ein Stand-up-Goalie aus den Achtzigern – Puristen unter den Freunden des geblockten Schusses dürften die Haare zu Berge gestanden haben. Was wichtiger war: Gustafsson tat es, er, der beim Eishockeyspiel sonst eher an Künstler denn Handwerker gemahnt, er blockte den Schuss Sprungers ohne Rücksicht auf Verluste, verhinderte den Ausgleich. Wen interessierte da schon die Stilnote?

Und so lächelte Ehlers ein paar Minuten später zufrieden, als er «die kämpferische Leistung» betonen durfte. Was ihn am meisten gefreut habe, hatte die Frage gelautet. O ja, ein Kampf war das gewesen, dieses 3:1 in Freiburg, das ein paar Sekunden nach Gustafssons Block mit einem Treffer Pascal Bergers ins leere Tor vollendet wurde.

Ein Kampf, oft auch ein Krampf, ein nicht immer ansehnliches Schauspiel mit vielen Unterbrüchen, Offsides, Icings und Ungenauigkeiten – Letzteres vor allem bei Gottéron, das sich immer wieder in diesem gelb-roten Langnauer Gemenge aus Beinen, Stöcken, Schlittschuhen und Oberkörpern verrannte.

Grosse Opferbereitschaft

«Abwehrschlacht» nannte es Larri Leeger, einer dieser Langnauer Verteidiger, die den Freiburgern immer wieder im Weg standen. Drei Schussblockaden Leegers zählten die Statistiker, keiner kam an diesem Abend auf mehr. Er schoss auch noch den Gamewinner, das 2:0, es war seine Torpremiere als Langnauer, Leeger wechselte letzten Sommer aus Zug zu den Tigers. Natürlich freue ihn auch das, sagte Leeger. Doch seinen «Hauptjob» habe er auch ohne persönliches Tor erledigt, weil er bei keinem Gegentreffer auf dem Eis stand. Ein typisches Langnauer Zitat.

Ehlers hat es hinbekommen, dass mehr oder weniger eine ganze Mannschaft so tickt. «Jeder opfert sich für den anderen auf, weil er weiss, dass dieser es auch für ihn tun würde», beschreibt es Leeger. Das sehe man an kleinen Dingen, Dingen, die den meisten wohl gar nicht gross auffallen würden. Hier sei nicht nur jener ein Held, der drei Tore schiesse, sondern auch jener, der drei Schüsse blocke, Tore verhindere. «Das bewirkt genauso viel, es entlastet den Goalie, gibt allen Energie.»

Der Goalie, natürlich muss auch er erwähnt werden. Damiano Ciaccio, seit Ivars Punnenovs Ausfall nicht mehr Torhüter 1a oder 1b, sondern unbestritten die Nummer 1: 71 von 72 Schüssen hielt er an diesem Wochenende. So stellt sich die Frage gar nicht, ob der neu verpflichtete zweite Goalie, Viktor Östlund, bald sein Debüt geben wird. «So lange Ciaccio so gut spielt, kommt es nicht infrage, zu wechseln», sagt es Ehlers klipp und klar.

Eine Klatsche als Motivation

Bei allem Kampf und Einsatz, Disziplin und Opferbereitschaft brauchte es auch Tore. Das 1:0 durch Stefan Rüegsegger und Leegers 2:0 fielen, als Langnaus vierte Sturmlinie auf dem Eis stand. Dies freute Ehlers besonders: «Denn eine Weile skorten bei uns fast nur die Ausländer.»

Und so gewannen die Tigers mit 3:1 in Freiburg, in jener Halle, in der sie beim ersten Besuch Mitte November mit 3:10 eine seltene Klatsche kassiert hatten. Ja, er habe nochmals über dieses Spiel gesprochen, sagte Ehlers, unmittelbar vor dem Spiel: «Ich sagte, dass dieses 3:10 Motivation sein müsse.» 18:36 lautete am Ende zwar das Schussverhältnis, 3:18 im Mitteldrittel, das dennoch mit 1:0 an Langnau ging. Auch hier galt am Ende: Wen interessiert da schon die Stilnote?

Berner Zeitung

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