«Nein, das ist doch eine Herausforderung!»

Obwohl die Enttäuschung über das Aus im Playoff-Halbfinal noch frisch ist, richtet Biel-Sportchef Martin Steinegger den Blick nach vorne.

«Ich freue mich auf die neue Ausgangslage, im Wissen, dass es fast unmöglich sein wird, diese Leistung zu übertreffen», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger.

«Ich freue mich auf die neue Ausgangslage, im Wissen, dass es fast unmöglich sein wird, diese Leistung zu übertreffen», sagt Biel-Sportchef Martin Steinegger.

(Bild: Marcel Bieri)

Welches Gefühl überwiegt mit etwas Distanz: Stolz oder Enttäuschung?Martin Steinegger:Die Enttäuschung ist immer noch da, und sie ist gross. Wenn man so nahe am Final dran war, hat man eine Chance verpasst, und das tut weh.

Weil Lugano keinen unschlagbaren Eindruck hinterliess? Im Nachhinein nützt es nichts, grosse Worte zu schwingen. Ein paar Details haben die Serie entschieden. Lugano war besser, aber wir haben uns teilweise auch selbst geschlagen.

Zum Beispiel in Spiel 3, als der EHC Biel eine 3:0-Führung vergab und Lugano damit aufbaute. Das war definitiv ein entscheidender Punkt. Allerdings hat uns Lugano viermal nacheinander bezwungen, das wäre auch nach einem dritten Sieg von uns möglich gewesen.

Letzten November haben Sie das Team nach der Freistellung von Mike McNamara für einige Spiele übernommen. Hand aufs Herz: Hätten Sie es damals für möglich gehalten, dass es bis in den Halbfinal vorstossen kann? Klar war es ein Traum von mir. Aber wir konnten nicht erwarten, dass unser Weg so weit gehen würde. Und wir haben auch nicht erwartet, dass wir enttäuscht sein würden, sollten wir in einem Playoff-Halbfinal ausscheiden. Nur ist im Sport halt nicht alles vorhersehbar, und das ist gut so.

Es ist erstaunlich: Dieselbe Mannschaft, die im Oktober 8 von 9 Spielen verlor, punktete nach dem Jahreswechsel in 19 von 20 Partien. Wie war diese Verwandlung möglich? Das ist schwierig zu sagen, weil dabei verschiedene Faktoren eine Rolle spielten, auch Glück. Zudem hatten wir wenige Verletzungen, unsere besten Spieler haben sehr viele Partien auf ihrem besten Niveau absolviert und jüngere Athleten teilweise eine grosse Entwicklung gemacht.

Und mit Antti Törmänen haben Sie einen Trainer verpflichtet, der mit den unterschiedlichen Charakteren umgehen konnte. Wir haben einen Menschen gesucht, der das kann. Und mit ihm sind wir richtig gelegen.

Biel ist eine Stimmungsmannschaft: Sie kann sich ebenso rasch in einen Rausch wie in eine Krise spielen. Einverstanden? Wir haben nicht viel unternommen, dass ich dagegen argumentieren könnte. Allerdings mussten wir auch ein paar härtere ­Momente überstehen, etwa gegen Davos im Viertelfinal einen Rückstand aufholen. Wir müssen sicher darauf hinarbeiten, dass wir die Ausreisser nach unten minimieren können. Aber wir haben viele junge Spieler im Team, und da gibt es Schwankungen.

Mit den Leistungen in den letzten Monaten hat das Team ­Erwartungen geweckt, die sehr schwer zu erfüllen sein werden. Haben Sie Respekt davor? Nein, das ist doch eine Herausforderung! Wir dürfen uns nun weder im Schneckenloch verkriechen noch uns zurücklehnen. Am Montag haben wir Einzelgespräche geführt. Ich wollte von den Spielern dabei nicht wissen, was wir gut gemacht haben, sondern was wir verbessern können. Das ist der einzige Weg. Ich freue mich auf die neue Ausgangslage, im Wissen, dass es fast unmöglich sein wird, diese Leistung zu übertreffen.

Das Kader für die kommende Saison steht mehr oder weniger, Sie können nur noch punktuelle Veränderungen anbringen, namentlich bei den Ausländern. Dem Vernehmen nach bekunden Sie Interesse an Roman Cervenka, der Gottéron verlässt. Das ist utopisch, da werden wir keine Chance haben.

Die Einnahmen aus den zusätz­lichen Playoff-Heimspielen ­werden in die Kasse der ersten Mannschaft fliessen. Nun sollten Sie doch mehr Geld zur Verfügung haben? Wir haben die Rechnung noch nicht gemacht. Und es ist nicht unsere Philosophie, einfach Geld rauszuwerfen. Wir wollen es sinnvoll einsetzen, ich möchte eine nachhaltige Wirkung erzielen.

Berner Zeitung

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