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Pouliots steiniger Weg zum Schweizer Pass

Marc-Antoine Pouliot spiel beim EHC Biel und möchte schon lange Schweizer werden. Aber weil vor Jahren etwas schieflief, muss er sich gedulden.

Marco Oppliger
Marc-Antoine Pouliot. Foto: psj
Marc-Antoine Pouliot. Foto: psj

Der weisse Dress sticht in diesem Haufen aus Rot und Gelb heraus. Er gehört Marc-Antoine Pouliot, und die Farbe symbolisiert: Er darf noch nicht Vollgas geben. Mitte Dezember zog sich der Kanadier eine Bänderverletzung am Knie zu. Das passte irgendwie zur damaligen Situation des EHC Biel, der in der Meisterschaft achtmal in Folge verlor und auf diverse verletzte Leistungsträger verzichten musste.

Nun kann Pouliot bald wieder spielen, was für Biel eine gute Nachricht ist. Weil in der heissen Schlussphase der Qualifikation ein Leader wie er ganz nützlich sein kann. «Es wird nicht ganz einfach, genau in einer so intensiven Phase zurückzukommen», sagt Pouliot, «ich werde schon noch ein paar Tage hart arbeiten müssen, um in Topform zu kommen.» Pouliot mag Kanadier sein, in Biel aber ist er heimisch geworden. Hier hat er seine Frau kennen gelernt, hier sind seine beiden Kinder zur Welt gekommen. «Ich werde nie 100 Prozent Bieler sein, aber ich bin nahe dran», sagt er lachend. «Biel ist für mich ein Zuhause geworden.»

Die Krux mit der Bewilligung

2012 wechselte Pouliot aus der AHL zum EHCB. Zwar verliess er danach das Seeland Richtung Freiburg, doch im Oktober 2016 kehrte er nach einem Disput bei Gottéron zurück: Pouliot wurde freigestellt, nachdem er seine Schlittschuhe vor einem Auswärtsspiel vergessen hatte. Mittlerweile absolviert er seine fünfte Saison für den EHCB.

Vor einem Jahr verkündeten diverse Medien, dass Pouliot bald Schweizer werden könnte. Schliesslich erfüllt er auf den ersten Blick alle Kriterien für ein erleichtertes Einbürgerungsverfahren: Er hat bereits fünf Jahre in der Schweiz gewohnt, ist seit über drei Jahren mit einer Schweizerin verheiratet, integriert und dürfte für die innere und äussere Sicherheit des Landes keine Gefährdung darstellen. Doch Pouliot ist noch immer nicht Schweizer. Warum eigentlich? «Diese Frage stelle ich mir immer wieder», sagt der 34-Jährige. Und er weiss keine exakte Antwort darauf.

Wer ein wenig nachforscht, stellt fest, dass Pouliot einen der oben erwähnten Punkte nicht erfüllt: Er lebt zwar schon seit über fünf Jahren in der Schweiz, doch seine Zeit in Freiburg wird ihm nicht ganz angerechnet. Dies, weil er damals im Besitz einer Kurzaufenthaltsbewilligung war, eines sogenannten Ausweises L. Dieser ist gemäss Staatssekretariat für Migration (SEM) für Ausländer gedacht, die sich in der Regel für weniger als ein Jahr in der Schweiz aufhalten.

Gottérons Geschäftsführer Raphaël Berger schreibt auf Anfrage dieser Zeitung: «Da fast alle Ausländer zwischen Mai und Juli nicht in der Schweiz sind, ergibt es keinen Sinn, für andere Bewilligungen als L anzufragen. Schliesslich sind diese Bewilligungen limitiert.» Bleibe ein Ausländer aber längerfristig in der Schweiz, sei es normalerweise am Arbeitnehmer, eine Änderung seiner Aufenthaltsbewilligung zu beantragen. Pouliot indes handelte im Glauben, dass es nicht an ihm liege, dies zu tun. Er versuchte, mit einem Anwalt eine Lösung zu finden, doch das SEM erteilt ihm eine Abfuhr. Weil nur die erleichterte Einbürgerung beantragen kann, wer während fünf Jahren mit einem Ausweis B in der Schweiz gelebt hat.

Zu spät für den grossen Lohn

Deshalb kann Pouliot erst im Januar 2021 einen neuen Anlauf für die Einbürgerung nehmen. Damit dürfte der Center wahrscheinlich erst auf die Saison 2021/2022 hin den Schweizer Pass bekommen – mit 36 Jahren. Womit seine Chancen sinken, als Ausländer, der das Ausländerkontingent nicht mehr belastet, noch den grossen Reibach zu machen. «Mir geht es nicht ums Geld», hält er fest. «Aber es ist doch so: Ich lebe schon lange hier, meine Frau ist Schweizerin, meine beiden Kinder sind es ebenfalls.»

Ob Schweizer oder nicht Schweizer – der EHC Biel würde Pouliot gerne behalten und hat ihm deshalb einen 1-Jahres-Vertrag offeriert. Es seien auch andere Clubs interessiert, sagt der Kanadier. «Aber ich möchte hier bleiben, und ich denke, wir werden die Angelegenheit bald geregelt haben.»

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