Redseligkeit hier, Redeverbot da

Nach dem souveränen 6:1-Auswärtssieg gegen das ambitionierte Olten haben die SCL Tigers ihren Vorsprung in der NLB-Qualifikation auf elf Punkte ausgebaut.

Ein Mann für viele Fälle: Sven Lindemann (rechts) glänzt als Antreiber und Torschütze.Archivbild

Ein Mann für viele Fälle: Sven Lindemann (rechts) glänzt als Antreiber und Torschütze.Archivbild

(Bild: Marcel Bieri)

Es geschah am 11.Oktober. Die SCL Tigers verloren gegen Olten 2:5, sie traten fehlerhaft und leidenschaftslos auf. Das Team wurde ausgepfiffen, Coach Bengt-Ake Gustafsson intern kritisiert. Nun, fünf Wochen später, präsentiert sich seine Equipe wie ausgewechselt. Am Samstag nahm sie in Olten Revanche, setzte sich 6:1 durch. Die Langnauer waren in allen Belangen besser; sie liessen wenig zu, waren läuferisch überlegen. Der Vergleich war Sinnbild für die Geschehnisse in der jüngsten Vergangenheit: Neun der letzten zehn Pflichtspiele vermochten die Emmentaler für sich zu entscheiden; sie verfügen über das beste Power- und Boxplay in der NLB, sämtliche Linien schiessen regelmässig Tore. «Jetzt stimmt die Einstellung», sagt Gustafsson. «Jetzt wird so gearbeitet, wie ich mir das vorstelle.»

«Noch nichts erreicht»

Der Spitzenkampf begann mit fünfminütiger Verspätung, Fans hatten Teile ihrer Choreografie aufs Eis geworfen. Nach fünf Spielminuten wiederum war die Partie bereits vorentschieden, durch Treffer von Captain Martin Stettler und Remo Schlapbach führten die Gäste 2:0. Auch Topskorer Chris DiDomenico erzielte sein obligates Tor, zweimal traf überdies Sven Lindemann – dem sehenswerten 3:1 (28.) waren vier direkte Zuspiele vorausgegangen. Routinier Lindemann (896 NLA-Spiele) hält bei fünf Saisontreffern, spasseshalber sprach er von einem «katastrophal tiefen Wert». Der 36-Jährige lässt sich als Königstransfer bezeichnen. Er ist der Antreiber, welcher seine Kollegen mitzuziehen vermag. Dass Langnau da und dort bereits als ernsthafter Aufstiegsanwärter bezeichnet werde, habe er registriert. «Darüber zu sprechen, bringt aber wenig. Es ist November, wir haben noch nichts erreicht.» Der Cupviertelfinal gegen Bern – das Derby vom 15.Dezember ist nahezu ausverkauft – werde Aufschluss über die Qualität der Equipe geben.

Die NLB-Tabelle jedenfalls führen die SCL Tigers mit elf Zählern Reserve auf Verfolger La Chaux-de-Fonds an. Droht nun Langeweile oder gar Schlendrian? «Wir haben genug Biss», sagt Sven Lindemann, sein Trainer indes spricht von einer mentalen Herausforderung. «Jeder muss sich fortan selbst anstacheln, damit er bei der Sache bleibt.»

Keine Vertragsgespräche

Nach manch schwierigem Jahr mit vielen Niederlagen, reichlich Kritik und Häme ist die Langnauer Erfolgsserie Balsam auf die teils noch nicht verheilten Wunden. Dies spürt, wer sich dieser Tage mit den Tigers-Exponenten unterhält. Kurz angebunden ist keiner, gut gelaunt sind fast alle. Konträr präsentiert sich die Lage in Olten.

Die Solothurner schielen wie die Tigers Richtung Oberhaus, ihre Ambitionen untermauerten sie mit der Verpflichtung Sami El Assaouis. Der Verteidiger wurde von Kloten übernommen; er hatte sich auch auf dem Emmentaler Radar befunden, war jedoch als zu teuer betrachtet worden. Nach drei Niederlagen innert fünf Tagen steht Oltens Coach Scott Beattie heftig unter Druck. Sein Personal gab vor über 5000 Zuschauern im Kleinholzstadion früh auf, es erhielt nach der miserablen Darbietung gar Redeverbot. Sportchef Köbi Kölliker wiederum meinte, es werde Gespräche mit dem Trainer geben müssen. Um sogleich anzufügen, dieser stehe nicht zur Diskussion. Bengt-Ake Gustafsson seinerseits hat Eigenwerbung betrieben, um den Schweden ist es ruhig geworden. Wobei – sein Vertrag läuft Ende Saison aus, die Klubführung hat das Gespräch bis anhin nicht gesucht. «Irgendwann wird es zu Diskussionen kommen», meinte Gustafsson, mit einem Lächeln im Gesicht ergänzend: «Vielleicht braucht es nochmals fünf gute Wochen.»

Berner Zeitung

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