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Rotieren nach Langnauer Art

Drei Spiele – sieben Punkte: Die Langnauer schliessen in Biel eine intensive Woche mit einem 5:2-Sieg ab. Es ist ein Erfolg mit historischer Komponente, der auf spezielle Art und Weise zustande kam.

Die entscheidende Szene: Chris DiDomenico (fliegend) bringt den Puck vor das Bieler Tor, Sekunden später wird Pascal Berger zum 4:2 einschiessen.
Die entscheidende Szene: Chris DiDomenico (fliegend) bringt den Puck vor das Bieler Tor, Sekunden später wird Pascal Berger zum 4:2 einschiessen.
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Und dann ist plötzlich Feuer im Dach. Längst haben die meisten Zuschauer die Tissot-Arena verlassen, als sich Langnaus «Agent Provocateur» Chris DiDomenico für ein Interview zurück zur Spielerbank begibt. Er, der dieses Derby zwischen Biel und den SCL Tigers massgeblich geprägt hat.

Zuerst holte der Kanadier die Strafe heraus, die zum entscheidenden 4:2 führte – «DiDo» hatte nach einem leichten Stockschlag Jan Neuenschwanders allzu leicht die Bodenhaftung verloren. Dann bereitete er ebendiesen Treffer vor und erzielte schliesslich per Empty-Netter noch den 5:2-Endstand.

Seit der emotionalen Playout-Serie 2016 verbindet DiDomenico mit dem Bieler Publikum eine Hassliebe. Ein EHCB-Fan sieht also, wie der Kanadier ein Interview geben will, worauf er die Tribüne hinuntereilt und ihn auf primitive Art und Weise beleidigt. Worauf dieser ebenso lautstark auf die Provokationen eingeht, den Fan zu einem «1 vs. 1» herausfordert. Schliesslich packt Yannick Blaser, von Trainer Heinz Ehlers dazu aufgefordert, DiDomenico und führt ihn in die Kabine.

«Bei uns ist nichts heilig»

Als sich die Gemüter beruhigt haben, hält Ehlers fest: «Es war schön, zu gewinnen, aber am Freitag gegen Bern hätten wir den Sieg mehr verdient gehabt.» Nun, die SCL Tigers waren im zweiten Derby innert 24 Stunden nicht so dominant, hatten längst nicht so viele Chancen. Aber sie erwiesen sich für einmal als erstaunlich kaltblütig. Als Musterbeispiel dafür dient Julian Schmutz. Zweimal brachte der Stürmer sein Team in Front. Beim 2:1 (28.) erwischte er Jonas Hiller backhand, beim 3:1 (52.) luchste er erst Rajan Sataric die Scheibe ab und liess dann den Bieler Goalie wieder nicht gut aussehen.

Es war der Wendepunkt in diesem Spiel, denn zuvor hatte der EHCB im Powerplay dem Führungstreffer mehrmals nahe gestanden. Aber Ivars Punnenovs parierte grossartig und ebnete seinem Team mit 33 Paraden den Weg zum Sieg. Ausgerechnet Punnenovs! Am Freitag noch hatte er dem SCB in der Verlängerung den Zusatzpunkt ermöglicht, weil er den Schuss Simon Mosers zwischen den Beinen passieren liess. Worauf er von Ehlers kritisiert wurde. «Bei uns ist nichts und niemand heilig», sagt der Däne, auf die deutlichen Worte angesprochen. «Und nun hat er ja unglaublich gut gespielt.»

Wie ernst Ehlers erstere Aussage meint, verdeutlicht seine Massnahme, auf Harri Pesonen zu verzichten. Noch nie seit seiner Ankunft im Sommer 2018 musste der mit Abstand beste Akteur im Langnauer Ensemble in einem Qualifikationsspiel zuschauen. Gegen Bern sei Pesonen in einen Check gelaufen, es habe der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung bestanden, sagt Ehlers. Dieser erwies sich später zwar als unbegründet, trotzdem entschied er, Pesonen zu schonen. «Schliesslich haben wir ja fünf Ausländer», meint Ehlers lakonisch.

Eine Runde für die Tigers

Der Erfolg in Biel hat für die SCL Tigers eine beinahe historische Komponente. Am 11. November 2016 gewannen sie letztmals in der Tissot-Arena. Es folgten seither neun Niederlagen in Meisterschaft und Cup in Folge. Besonders süss ist dieser Sieg für Schmutz, der in Biel zuletzt nicht mehr glücklich war und deshalb nach Langnau dislozierte. «Dass mir hier ein solches Spiel gelingt, ist doppelt schön», meint er lächelnd. «Wir haben unsere Chancen genutzt, waren kaltblütiger. Diese drei Punkte brauchten wir unbedingt.»

Damit blicken die SCL Tigers auf eine Woche mit bemerkenswerter Ausbeute zurück. Gegen Rapperswil-Jona, Bern und Biel holten sie sieben von neun Zählern. «Die nehme ich gerne», sagt Ehlers, wobei er immer noch den verlorenen Punkten gegen den SCB nachtrauere. Zudem profitierten die Langnauer davon, dass mit Bern, Gottéron und Lugano drei Konkurrenten im unglaublich spannenden Strichkampf verloren. Hochlagern aber können sie die Füsse noch nicht. Ehe es in die Pause geht, wird heute Abend Servette in der Ilfishalle gastieren, der Co-Leader der National League. Der Weihnachtsbraten will schliesslich ordentlich verdient sein.

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