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Hockey-Schwergewichte ohne Leichtigkeit

Den ZSC Lions fehlt das Selbstvertrauen, dem SC Bern das spielerische Extra. Den Bernern reicht eine kämpferisch gute Leistung zum fünften Erfolg de suite über die Zürcher (3:1).

Haben gut lachen: Captain Simon Moser und Mark Arcobello. Die Berner gewinnen auch das fünfte Saisonspiel gegen den ZSC.
Haben gut lachen: Captain Simon Moser und Mark Arcobello. Die Berner gewinnen auch das fünfte Saisonspiel gegen den ZSC.
Patrick B. Krämer, Keystone
Fulminanter Start: Der SCB traf in den ersten sieben Minuten gleich zwei Mal.
Fulminanter Start: Der SCB traf in den ersten sieben Minuten gleich zwei Mal.
Patrick B. Krämer, Keystone
Simon Moser macht eine Minute vor Schluss alles klar und versenkt den Puck zum 3:1.
Simon Moser macht eine Minute vor Schluss alles klar und versenkt den Puck zum 3:1.
Patrick B. Krämer, Keystone
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Die Euphorie treibt manchmal seltsame Blüten. Vor exakt einem Monat stand in Langnau die «Arno Cam» – eine Kamera, die während 60 Minuten auf Arno Del Curto gerichtet war. Der Bündner hatte im Emmental seinen Einstand als ZSC-Trainer. Er war zuvor in Zürich empfangen worden wie ein Messias; bunte Pressekonferenz, viel besuchte Trainings, Del-Curto-Fanshirts, alles inklusive. Der 62 Jahre alte Engadiner steht für spektakuläres, schnelles, offensives Eishockey. In Davos hatte er nicht mehr die Spieler dazu – und schon gar nicht deren Vertrauen.

Nun steht Del Curto in Zürich im Prinzip das passende Rollmaterial zur Verfügung. Doch der ZSC rollt nicht, noch immer nicht, auch nach vier Wochen Del Curto nicht. Die Bilanz: 11 Spiele, 7 Niederlagen. Gegen den SC Bern verlieren die Zürcher 1:3. Del Curto fasst Ratlosigkeit und Zweckoptimismus in Worte. Er sagt: «Gegen Genf lagen wir früh 0:2 zurück und konnten nicht reagieren. Gegen Bern fanden wir nach dem 0:2 ins Spiel. Also haben wir immerhin ein bisschen etwas gelernt.» Vor der Kabine der Gäste steht SCB-Angreifer Andrew Ebbett und sagt: «Wunderbar, dieses Wetter. Es riecht nach Frühling, es riecht nach Playoff.»

Wer übers Wetter spricht, hat meistens keine grossen Sorgen. In Bezug auf Bern formuliert: 43 Spiele, 92 Punkte, Platz 1.

Moser und die Kopie

Der Vergleich am Sonntag der beiden Schwergewichte im Schweizer Eishockey belegte, wie es drei Wochen vor Playoffstart um die Titelfavoriten steht. Die ZSC Lions agierten zuerst verunsichert, später ineffizient, zeigten aber während gut eines Drittels auf, zu welch wuchtigem Spiel sie fähig sind. Der SCB agierte zuerst abgeklärt, später solidarisch, zeigte aber während gut eines Drittels auf, dass bei ihm der Grat zwischen Kontrolle und Passivität schmal ist. Wie am Freitag gegen Rapperswil entschied Captain Simon Moser die Partie mit dem 3:1 ins leere Tor. Wobei es dieses Mal kein «empty net goal» war, weil ZSC-Goalie Niklas Schlegel zwar aus dem Tor gefahren, aber noch nicht durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzt worden war.

Der künftige SCB-Keeper Schlegel rückte nach dem Startdrittel anstelle von Lukas Flüeler in die Verantwortung. Zu diesem Zeitpunkt führten die Berner dank Toren von Jan Mursak und Mark Arcobello 2:0. Und als ZSC-Verteidiger Kevin Klein, immerhin mit der Routine von 700 NHL-Partien gesegnet, nach 14 Minuten den Puck ein paar Meter spazieren führte, um ihn dann ideenlos ins Berner Drittel zu spedieren, war vom Publikum bereits ein sanfter akustischer Liebesentzug zu vernehmen.

Es folgte das zweite Drittel, welches aus Zürcher Optik ein «hervorragendes» (Del Curto) war, von den Bernern ein «schludrig geführtes» (Ebbett). Sie wollten verwalten und wurden vor Probleme gestellt. Allein Denis Hollenstein vergab viermal aus bester Position. In Anbetracht der Spielanteile entsprach das einzige Tor durch Fabrice Herzog einem Bettlerlohn. Die hohe Kadenz konnten die Zürcher nicht halten. Im Schlussdrittel liess der SCB nur noch wenig zu. In extremis blockte Thomas Rüfenacht kurz vor Mosers Siegtor einen Schuss. Wie begeistert Jalonen ob Rüfenachts Einsatz war, liess sich aus der Distanz selbst ohne «Kari Cam» feststellen.

Ebbett und der Peak

Der SCB hat 8 der letzten 10 Partien für sich entschieden. Und doch bleibt spielerisch Raum zur Steigerung. Als Sinnbild dient Ebbett. Dem Center fehlte zuletzt die Leichtigkeit. Er schlug sich mit kleinen Verletzungen herum, verlor das Selbstvertrauen. «Ich versuchte komplizierte Dinge. Dabei basiert mein Spiel auf Einfachheit.» Ebbetts Plan ist klar definiert: «Mit dem Team bis Playoffstart den Peak erreichen.»

Für den Rivalen ZSC gilt derweil: erst einmal überhaupt fürs Playoff qualifizieren. Del Curto spricht über die verpassten Chancen und sinniert: «Fehlt das Selbstvertrauen, fehlt die Leichtigkeit. Das ist menschlich. Und solange der Mensch so ist, wie er ist, bleibt das so.»

Einen Monat danach. Keine Kamera. Kein Messias. Ein Realist.

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