SCB: Wenig Gefahr und ein Transfer mit Risiko

Der SC Bern gewinnt auch seine fünfte Saisonpartie gegen Rapperswil. Nach dem 2:1-Erfolg nehmen die Berner das Heimspiel am Samstag gegen Zürich als Leader in Angriff. Zudem vermeldet der Club die Verpflichtung von Inti Pestoni (Davos).

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Reto Kirchhofer@rek_81

Zu Jahresbeginn heisst es offenbar Abschied nehmen. Jedenfalls verkündet der SCB-Vertreter an der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Lakers, man gastiere in dieser Saison leider zum letzten Mal in Rapperswil. Der Medienchef des Heimteams erwidert, das sei verkraftbar, solange es sich nur auf diese Spielzeit beziehe.

Nun sind die beiden Herren eher Realisten denn Theoretiker. Rein rechnerisch ist eine Playoff-Teilnahme der Lakers ebenso möglich wie der Fall des SC Bern unter den Strich. Doch die couragiert-kühn-forsche Prognose sei gewagt: Beides wird nicht eintreffen, Bern im Frühling um den Titel und Rapperswil gegen den Abstieg kämpfen.

Dem Aufsteiger fehlt es in der höchsten Liga an Qualität, an Breite. Dies zeigt sich auch in den Vergleichen mit dem SCB. In fünf zuweilen engen Begegnungen haben die Lakers jeweils nur ein Tor erzielt. Da nützt es ihnen herzlich wenig, haben sie defensiv mehrheitlich diszipliniert agiert. Am Freitag setzten sich die Minimalisten aus der Hauptstadt zum dritten Mal de suite 2:1 durch.

Nonchalance ohne Folgen

Bei den Bernern durfte wieder einmal Daniele Grassi mittun. Er war zuvor in der National League fast einen Monat lang ohne Eiszeit gewesen. Der Zuzug aus Kloten kommt in Bern ebenso wenig auf Touren wie Gregory Sciaroni. Dieser fand sich gegen Rapperswil in der vierten Linie wieder – und sucht noch immer sein erstes Meisterschaftstor für den SCB. In Rapperswil war nach 29 Minuten alles angerichtet für die Premiere. Tristan Scherwey und Sciaroni liefen auf Torhüter Melvin Nyffeler zu.

Doch eine kühle Hallentemperatur garantiert noch lange keine Kaltblütigkeit. Nyffeler unterband die fahrig ausgeführte Passstafette. Die Gäste konnten sich vorne wie hinten ein gewisses Mass an Nonchalance leisten. Ihr Sieg war trotz knappem Resultat kaum in Gefahr. Und weil Zug in Langnau verlor, wird der SCB das Heimspiel heute gegen die ZSC Lions als Leader in Angriff nehmen.

Schnell und unberechenbar

Beim SCB läufts also, selbst wenn längst nicht alle Spieler in Bestform sind. Die Flügel etwa produzieren zu wenig. Eine Ausnahme ist Scherwey. Am Freitag erzielte er das 1:0. Scherwey ist einer von nur drei Flügeln (neben Moser und Mursak), die mehr als vier Saisontore erzielt haben. Abhilfe schaffen soll ab Sommer Inti Pestoni. Am Freitag kommunizierte der SCB die Verpflichtung des Angreifers für zwei Jahre.

Mit dem Engagement des Tessiners gehen die Berner ein Risiko ein. Der 27 Jahre alte Leventiner ist schnell, unberechenbar, ein Skorer. Er gilt aber auch als Freigeist, der im Training den sechsten Gang und im Spiel den Rückwärtsgang nicht immer findet. SCB-Sportchef Alex Chatelain sagt: «Wir verlassen uns darauf, dass Pestoni bei uns seine Qualitäten ausspielen wird.»

Bern wird Pestonis vierter Club innert fünf Jahren sein. In Ambri war er Torschütze, Liebling, Dorfkönig. In Zürich kam er nicht zurecht, wurde zuweilen ins Einzeltraining verbannt und verfolgte im April den Titelgewinn in Lugano nicht auf dem Eis oder auf der Tribüne, sondern in einem TV-Übertragungswagen.

Arno Del Curto gelang es in Davos, den Angreifer wieder zum Laufen und zum Skoren zu bringen. Seit Del Curtos Abgang läuft es Pestoni zwar nicht mehr, trotzdem ist er bei den Bündnern noch immer Topskorer. Chatelain sagt: «Die Erfahrungen, die er in Zürich gemacht hat, werden ihm helfen. Und ich bin froh, zeigt Pestoni in Davos, dass er auch ausserhalb von Ambri funktionieren kann.»

Wie es funktionieren kann, zeigt Calle Andersson. Der Schwede kam mit viel Talent, überschaubarem Eifer und bescheidener Physis nach Bern. Mittlerweile gehört er zu den besten Verteidigern. Am Freitag erzielte er das entscheidende Tor.

Berner Zeitung

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