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Schlechte Zeiten, gute Zeiten

Nach fast neunmonatiger Pause steht Verteidiger Deny Bärtschi den SCL Tigers wieder zur Verfügung. Heute Donnerstag empfängt der Leader im Derby Langenthal.

Der Verteidiger greift wieder an: Deny Bärtschi hat noch viel vor mit den SCL Tigers.
Der Verteidiger greift wieder an: Deny Bärtschi hat noch viel vor mit den SCL Tigers.
Andreas Blatter

Eishockeyspieler schotten sich an Matchtagen gerne ab. Einige pflegen bestimmte Rituale, andere gehen nicht ans Telefon. Bei vielen Klubs ist es verboten, vor einer Partie mit Journalisten zu sprechen. Deny Bärtschi jedoch mag sich am Dienstag nicht verschanzen, vor der Reise nach La Chaux-de-Fonds gibt er gerne Auskunft.

Für ihn ist es kein gewöhnlicher Tag, wird er doch am Abend erstmals nach fast neun Monaten wieder im Aufgebot der SCL Tigers stehen, sogar ein Tor schiessen. Anfang Februar zog er sich einen Sehnenriss in den Adduktoren zu; er verkantete und rutschte in den Spagat, ein Gegenspieler drückte ihn zu Boden. Wegen der Schmerzen habe er kurz Sterne gesehen, sagt die Langnauer Nummer 65.

Notwendige Umschulung

Mit einer derart langen Absenz hatte Deny Bärtschi nicht gerechnet. Während der Rehabilitationsphase wurde er mehrmals zurückgeworfen, «es war eine zermürbende Zeit». Der 32-Jährige liess sich nicht operieren, behandelt wurde er mit der ACP-Therapie, auch Plasmamethode genannt. Es handelt sich hierbei um die Injektion körpereigener Wachstumsfaktoren. Die Adduktoren dürften vorderhand die Achillesferse bleiben, «nun bin ich aber beschwerdefrei».

Aus Erfahrung ist dem Profi bewusst, dass er vorerst nicht überbelasten darf – schliesslich ist seine Krankenakte ziemlich dick. Vier Hirnerschütterungen hat er erlitten, die Hand wurde operiert; er laborierte an einer Schulterverletzung, musste Muskelfaserrisse und Bänderverletzungen auskurieren lassen. «In den letzten Jahren habe ich viel Pech gehabt», hält der Routinier fest. Auf die schlechten Zeiten sollten nun endlich gute folgen.

Die Blessuren mögen mit ein Grund dafür sein, dass Bärtschi nicht bei einem NLA-Verein engagiert ist. 443 Partien hat er für Kloten, Rapperswil und Biel auf höchster Stufe absolviert, 40 Treffer erzielt. «Ich bin eher auf Sicherheit bedacht», sagt Bärtschi, der vor dem Wechsel nach Langnau im Sommer 2013 forderte, als Verteidiger spielen zu dürfen. Die Umschulung sei nötig gewesen. «Ich war in meiner Rolle festgefahren, verlor die Freude. Mit der neuen Aufgabe blühe ich auf.»

Prominente Familienmitglieder

Auch nach 14 Saisons in der Nationalliga hat Bärtschi noch viel vor. So wie Bruder Patrik, der mit den ZSC Lions zweimal Meister geworden ist und 72 Länderspiele absolviert hat. Vater Urs wiederum sorgte in den Achtzigerjahren mit Biel für Furore; er gewann ebenfalls zwei Titel, spielte 91-mal fürs Nationalteam. Deny Bärtschi seinerseits ist weder über Einsätze mit Schweizer Juniorenauswahlen hinausgekommen noch zu Meisterehren gelangt. Empfindet er Neid gegenüber den Familienmitgliedern? «Nein! Jeder hat hart gearbeitet, jeder macht, was er kann.»

Papa und Bruder hätten das Skoren im Blut, «ich bin ein anderer Spielertyp». Sein Vater habe ihn nie zum Hockeyspielen gedrängt, «er hätte nichts dagegen gehabt, wenn ich Balletttänzer geworden wäre». Während der vergangenen Meisterschaft wirkte Urs Bärtschi zwei Wochen lang als Tigers-Assistenzcoach, musste nach der Entlassung Tomas Tamfals ebenfalls gehen.

In Langnau scheint die Unruhe aus der Vorsaison fast vergessen. Der Leader steigt heute Donnerstag (19.45 Uhr, Ilfishalle) als klarer Favorit ins Derby gegen Langenthal; Emmentaler und Oberaargauer trennen 17 Punkte. Bärtschi, der während seiner Absenz an einem Tigers-Spiel die Statistiken erhob, erwähnt die «cleveren Transfers», welche der Verein getätigt habe. «Es läuft sehr gut, die Lage ist aber etwas trügerisch. Abgerechnet wird erst im Frühling.» Dannzumal will er in Topform sein. Pause hatte er ja lange genug.

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