Schweizer Sieg zum Auftakt des Deutschland-Cups

Beim 5:2-Sieg gegen die Slowakei spielen die Schweizer ihre Stärken mit Verzögerung aus.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Ins Stellenprofil des Schweizer Nationaltrainers gehörte während Jahren: muss mit Absagen umgehen können. Nicht selten bewegte sich die Zahl jener Spieler, die einem Aufgebot nicht Folge leisten wollten oder konnten, im zweistelligen Bereich.

Seit Patrick Fischer das Amt übernommen hat, sind Körbe passé. Sagt doch einmal einer ohne plausiblen Grund ab, hat das Konsequenzen: Simon Bodenmann, Fabrice Herzog, Dean Kukan, Denis Malgin und Dominik Schlumpf wissen Bescheid. Mittlerweile kommen die Spieler selbst dann, wenn sie nur zu 99 Prozent gesund sind. Was für die Strahlkraft des Nationalteams in der Saison der Heim-WM spricht, die Aufgabe für den Trainer vor dem Deutschland-Cup aber erschwerte.

Damien Riat – er verletzte sich allerdings vor dem Zusammenzug – wurde durch Luca Hischier ersetzt. Jérôme Bachofner rückte ein, reiste wegen Problemen an der Hand wieder ab. Marco Miranda kam für Bachofner, musste einen Tag später wegen Krankheit Forfait geben. Und so hiess es gestern: Ken Jäger für Miranda. Jäger, 21, spielt in der zweithöchsten schwedischen Liga bei Västerviks IK. Die Auftaktpartie gegen die Slowakei verpasste er – und damit den Sieg der Schweiz. Sie gewann 5:2. Und Fischer sagte: «Mir gefällt das Resultat. Vor allem aber gefiel mir die Art und Weise unseres Auftritts. Die Slowaken sind für uns immer ein guter Gradmesser.»

Geheimnisse gibt es ja längstens keine mehr, wenn die beiden Nationen aufeinandertreffen. Seit der Jahrtausendwende haben sich Schweizer und Slowaken 59-mal gemessen. In Krefeld gelang der 32. Sieg in dieser Zeitspanne. Die Stärken und Schwächen sind beidseits bekannt: hier die physisch stärkeren Mitteleuropäer, da die schnelleren Schweizer. Fischer sagte dazu: «Die Slowaken sind gross. Aber wir haben ein grosses Herz.»

Albelin macht Fischer happy

Zu Beginn nutzte aber vornehmlich das Team von Craig Ramsay seine Vorzüge. Es gewann die Zweikämpfe, beschäftigte den Gegner in dessen Zone. Die Schweizer wirkten gehemmt. Sie zauderten im Aufbau, kamen kaum mit Tempo aus ihrem Drittel und erst nach sieben Minuten zum ersten Torschuss. «Wir hatten in dieser Phase einen guten Goalie und etwas Glück», sagte Fischer. Melvin Nyffeler gelang bei seinem Debüt eine tadellose Leistung. Er parierte im ersten Abschnitt 14 Schüsse, 3 weitere landeten an der Torumrandung.

Der Trainer schaute sich die eine oder andere Szene auf dem Videowürfel an. Vielleicht fiel ihm der dortige Spruch auf: «Trau dich!» Es handelt sich um das Motto des Nahrungsmittelherstellers Yayla, der die Namensrechte an der Eishalle erworben hat. Die Aufforderung hätte Fischer in der Pause an seine Spieler richten können. Was er sinngemäss auch tat. «Mutiger werden, die Beine bewegen», lautete die Vorgabe.

Fortan gelang es den Schweizern, dem Gegner ihr Spiel aufzuzwingen. Jason Fuchs und Tyler Moy trafen zum ersten Mal für Rot-Weiss – Alessio Bertaggia reüssierte im Mitteldrittel ebenfalls. Nach einem Doppelschlag der Slowaken geriet der Sieg kurzzeitig in Gefahr. Genau genommen waren es 34 Sekunden, danach traf Prassl zum 4:2. Auch für ihn war es das erste Länderspieltor.

Das freute den Trainer. Was ihn gar «extrem happy» macht, ist die Vertragsverlängerung von Assistent Tommy Albelin bis 2024. Der Schwede begründet: «Dieses Team kann gewinnen. Wir sind nicht am Ziel.» Das Ziel? Bleibt Albelins Geheimnis. Selbst wenn es ein offenes ist.


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