SCL Tigers: Nervenflattern statt Beruhigungsmittel

In einer verrückten Partie holen die Langnauer bei den ZSC Lions einen Punkt – nur einen Punkt.

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Philipp Rindlisbacher

Die einen wollten, aber sie konnten nicht. Die anderen könnten es eigentlich, aber sie wollten nicht. Damit wäre an und für sich alles gesagt über die Startphase zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions.

Im Mitteldrittel schienen die einen noch immer nicht sonderlich angetan zu sein von der Dienstagabendschicht, die anderen hingegen gingen mit noch mehr Eifer ans Werk. Es waren die Gäste aus Langnau, und ihnen gelang etwas, was in den acht Partien zuvor nicht geglückt war: ein Tor in Überzahl.

Ben Maxwell traf nach Vorarbeit von Chris DiDomenico und Harri Pesonen (24.). Und weil die Tigers nun wussten, wie es geht, machten sie es gleich nochmals. In der 36. Minute reüssierte Andrea Glauser im Powerplay. 2:0 führte Langnau, das Verdikt war erst noch eher zu knapp.

Umso bitterer, kassierte die Equipe von Heinz Ehlers bei 3 gegen 5 Feldspieler noch vor der zweiten Sirene den Anschlusstreffer. Doch das alles war nichts gegen das, was sich im Schlussabschnitt abspielen sollte.

Jetzt wollten beide Teams, nun tr gen jedenfalls auch die Zürcher zum Spektakel bei. Kurzfassung gefällig? Die Lions glichen aus. Langnau ging wieder in Führung. Vergab aber mehrmals das vorentscheidende 4:2. Und kassierte in der 55. und 57. Minute zwei Gegentore. Die Gäste vergaben einen Penalty, scheiterten zudem zweimal alleine vor ZSC-Goalie Flüeler.

Aber der Wahnsinn ging tatsächlich weiter, weil Julian Schmutz 75 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit zum 4:4 traf. Die Tigers unterlagen letztlich 4:5 nach Verlängerung. Und wussten nicht, wie sie sich fühlen sollten. Für einen Punkt beim bis anhin heimstärksten Team der Liga hätten sie vor der Partie gewiss unterschrieben, nach dem Gebotenen jedoch war es doch eher ein ziemlich bescheidener Lohn.

11:0 Schüsse nach 11 Minuten

Die Langnauer hätten die Partie nicht verlieren dürfen, so viel ist sicher. Sie hatten nicht nur die Startphase dominiert; nach 11 Minuten gab es 11 zu 0 Schüsse und 4 zu 0 Grosschancen zu notieren.

Es schien aber, als hätte jemand die Copy & Paste-Taste gedrückt; Langnau agierte trotz vier Treffern zu wenig kaltblütig, wieder einmal. Und das Nervenflattern in der Schlussphase verdeutlichte, dass es der Equipe noch etwas an Stabilität fehlt. Drei Punkte hätten wie ein hoch dosiertes Beruhigungsmittel gewirkt vor den heiklen Aufgaben gegen Ambri, Olten (Cup) und Gottéron.

Auch Ehlers sprach nicht von einem gewonnen Zähler, sondern von zwei verlorenen Punkten. «Wir haben gut gespielt, phasenweise sehr gut sogar. Aber solch ein Spiel darf man nicht mehr aus den Händen geben.» Mit 15 Punkten aus 13 Partien stehen die Tigers klar schlechter da als zum selbem Zeitpunkt im Vorjahr (24), und doch gab sich Ehlers zuversichtlicher als auch schon.

Besser zu verteilen gilt es die Eiszeit: Vorab Maxwell, DiDomenico und Pesonen, der die Partie gestern im Alleingang hätte entscheiden müssen, werden über Gebühr forciert. Transfers jedoch sind vorderhand keine geplant, zumal etwa der angeschlagene Center Nolan Diem bald wieder einsatzfähig sein dürfte.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

ZSC Lions - SCL Tigers 5:4 (0:0, 1:2, 3:2, 1:0) n.V.

8055 Zuschauer. - SR Urban/Vikman, Dreyfus/Kaderli.

- Tore: 24. Maxwell (DiDomenico, Pesonen/Ausschluss Dominik Diem) 0:1. 35. Glauser (DiDomenico/Ausschluss Hollenstein) 0:2. 38. Pettersson (Roe/Ausschlüsse Pesonen, Maxwell) 1:2. 43. Bodenmann (Krüger, Hollenstein/Ausschluss Berger) 2:2. 46. Leeger (Pesonen/Ausschlüsse Chris Baltisberger; Schmutz) 2:3. 55. Suter 3:3. 57. Bodenmann (Hollenstein, Krüger) 4:3. 59. Schmutz (Pesonen, Earl) 4:4. 63. (62:03) Krüger (Hollenstein, Geering) 5:4. - Strafen: je 6mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Roe; Pesonen.

ZSC Lions: Flüeler; Marti, Noreau; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Blindenbacher, Suter, Roe, Wick; Hollenstein, Krüger, Bodenmann; Pettersson, Prassl, Diem; Chris Baltisberger, Schäppi, Pedretti; Simic.

SCL Tigers: Punnenovs; Erni, Lardi; Glauser, Leeger; Cadonau, Schilt; Huguenin; Kuonen, Maxwell, Dostoinow; DiDomenico, Berger, Pesonen; Schmutz, Earl, Neukom; Andersons, Melnalksnis, Rüegsegger.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Ortio (überzähliger Ausländer), SCL Tigers ohne Blaser, Nolan Diem, Gagnon und In-Albon (alle verletzt). - Pfostenschuss Pettersson (29.). - Pesonen scheitert mit Penalty an Flüeler (58.).

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