Sie suchen ein besseres Leben

Patrik Hano und Daniel Bednarik spielen für die zweite Mannschaft des SC Lyss in der 2. Liga. Die beiden Slowaken sahen in ihrem Land zu wenig gute Perspektiven für sich und ihre Partnerinnen.

Aufs Eis dürfen sie an diesem Abend erst später: Patrik Hano (links) und Daniel Bednarik dürfen nur für die zweite Lysser Mannschaft spielen.

Aufs Eis dürfen sie an diesem Abend erst später: Patrik Hano (links) und Daniel Bednarik dürfen nur für die zweite Lysser Mannschaft spielen. Bild: Raphael Moser

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Patrik Hano und Daniel Bednarik kennen sich von klein auf. «Wir sind wie Brüder», sagen die beiden 26-jährigen Slowaken. Sie stammen aus der Stadt Topol­cany, wo auch Miroslav Satan, einer der berühmtesten slowakischen Eishockeyspieler, aufgewachsen ist.

«Er ist dort ein Vorbild für alle», sagen Hano und Bednarik. Profis wollten sie werden, mit ihrem Sport Geld verdienen. Gereicht hat es jedoch nur für die zweithöchste Liga, eine semiprofessionelle Spielklasse mit geringen Salären. Patrik Hano fand daneben in der Slowakei keine Arbeit. Und fasste den Entschluss, zusammen mit seiner Frau das Land zu verlassen und im reicheren Westeuropa sein Glück zu versuchen.

Mails geschrieben

Die Personenfreizügigkeit innerhalb Europas erleichtert es Personen aus dem ostmitteleuropäischen Land, in der Schweiz zu arbeiten. Hano fand schliesslich 2015 in einer Verpackerei in Büren eine Stelle, er wohnt auch dort. Und hatte auch Lust, wieder Eishockey zu spielen.

Der Verteidiger schrieb Mails an verschiedene Klubs in der Umgebung. Positiv beantwortet wurde die Anfrage schliesslich von Gerhard Steiner, dem damaligen Trainer der zweiten Mannschaft des SC Lyss. Steiner hatte diese Equipe in die 2. Liga geführt und war auf der Suche nach Spielern.

Und Hano fragte auch seinen Freund Bednarik, ob er in die Schweiz kommen wolle. Der ­Angreifer besass zwar in der Slowakei durchaus berufliche Möglichkeiten. Bednarik hat ein Betriebswirtschaftsstudium an einem Ableger einer amerikanischen Universität abgeschlossen. Auch für ihn war jedoch klar, dass er seine Heimat verlassen wollte; er sah zu wenig aussichtsreiche Perspektiven für sich und seine Verlobte, die noch in der Slowakei lebt.

Also folgte er Hano ins Seeland und fand in Lengnau, wo er auch wohnt, eine Stelle im Bereich Verfahrenstechnik. An einem Mittwochabend sitzen die beiden an einem Tisch in der Lysser Seelandhalle und erzählen über ihr Leben. Währenddessen steht die erste Mannschaft im Einsatz und trägt ein Cupqualifikationsspiel gegen Thun aus. Dieses geht 0:3 verloren.

Lieber würden sie jetzt unten auf dem Eis mittun; insbesondere Bednarik würde zugetraut, im Erstligateam mithalten zu können. «Ich war auch schon mit dieser Mannschaft im Trainingslager», sagt Bednarik. «Und habe auch hier Trainings mitgemacht.»

In dieser Saison allerdings nicht mehr; Headcoach Patrick Glanzmann will stattdessen Nachwuchskräften Vorrang geben, die auch eine Perspektive auf Einsätze in der 1. Liga haben. Hano und Bednarik haben diese wegen des für diese Spielklasse und die Swiss Regio League gültigen Gentleman’s ­Agreement nicht (siehe Kasten).

Länger hierbleiben

So tragen sie ihre Meisterschaftsspiele vor weniger als 100 Zuschauern aus. Seit dieser Saison haben sie mit Dominik Kucer (23) einen weiteren Landsmann an ihrer Seite. Der Angreifer kam bereits mit 18 Jahren in die Schweiz; er arbeitet in einem Lager. Nach Stationen im Nachwuchs von Zuchwil und Olten sowie dem Ligakonkurrenten Bucheggberg wechselte Kucer im Sommer nach Lyss.

«Eishockey ist nur noch Hobby.» Patrik Hano

«Eishockey ist nur noch Hobby», sagt Hano. Besonders Bednarik vermisst es jedoch, häufiger auf dem Eis zu stehen. «Oft bin ich daher im Kraftraum anzutreffen.» Die Slowaken sprechen davon, länger in der Schweiz bleiben zu wollen. Mehr als ein Zeitvertreib wird die Sportart, die sie professionell betreiben wollten, jedoch nie mehr sein.

Es ist kein einfaches Leben, dass die beiden führen. Am Tag des Gesprächs in der Lysser Seelandhalle absolviert die zweite Mannschaft ihr Training nach dem erwähnten Cupspiel von 22.15 bis 23.30 Uhr. Hano musste am nächsten Tag um 4 Uhr aufstehen, um zur Arbeit zu fahren. Für die Perspektive eines besseren Lebens in der Schweiz nimmt er auch das in Kauf. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.11.2017, 13:52 Uhr

Ausländerregelungen im Amateurbereich

Im Amateurbereich existieren unterschiedliche Regelungen bezüglich des Einsatzes von ausländischen Akteuren. Nicht mittun dürfen sie in der Swiss Regio League und der 1. Liga. In diesen Spielklassen besteht ein Gentleman’s Agreement unter den Vereinen, auf einheimisches Schaffen setzen zu wollen.

Ausnahmebewilligungen werden auch dann nicht erteilt, wenn diese Sinn ergeben würden. Der im Frühling gegründete Erstligist Red Lions Reinach wollte drei junge Ausländer einsetzen, um das knappe Kader zu ergänzen. Die Aargauer blitzten jedoch beim Verband ab, der an seiner strikten Linie festhält.

Anders verhält es sich in der 2., 3. und 4. Liga. In diesen Spielklassen sollen ausländische Akteure ihrem Hobby nachgehen können. Daher ist ihr Einsatz in diesen Spielklassen zulässig. Neben Lyss II setzt in der 2. Liga auch der SC Bönigen mit dem Tschechen Dominik Vanek einen Ausländer ein. rpb

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