Tigers-Sportchef: «Ich würde es wieder tun»

Mit dem 4:3-Sieg nach Verlängerung gegen Biel haben sich die SCL Tigers am Donnerstag vorzeitig den Ligaerhalt gesichert. Sportchef Jörg Reber (41) spricht über die schwierige erste Saison nach dem Aufstieg.

Sportchef Jörg Reber:?«Scott Beattie ist ein Kandidat.»

Sportchef Jörg Reber:?«Scott Beattie ist ein Kandidat.»

(Bild: Keystone)

Die Partie zwischen Langnau und Biel am Donnerstag war an Dramatik kaum zu überbieten. Haben Sie vor dem Siegtreffer in der Verlängerung Höllenqualen durchlitten?Jörg Reber:Es war eine Belastung, der Puls ging nie mehr richtig runter. Irgendwie spürte ich, dass der Ausgleich fallen würde, obwohl wir kurz vor Schluss in Überzahl spielten. Ich regte mich aber nicht lange auf, schliesslich habe ich schon viele solche Situationen erlebt. Doch zurück zu Ihrer Frage: Ja, es ging ans Lebendige.

Der Abstiegskampf ist ungesund? (überlegt) Es geht nun mal um extrem viel – vielleicht waren die Emotionen deshalb am Donnerstag fast intensiver als nach dem Aufstieg letzte Saison. Die meisten wissen gar nicht, was ein Abstieg für Konsequenzen hat. Da stehen Arbeitsplätze, gar Existenzen auf dem Spiel. Ich kann mit dem Druck ziemlich gut umgehen. Aber jede Woche möchte ich solch eine Playout-Serie nicht erleben. Das ginge nicht.

Die SCL Tigers begeisterten phasenweise in der Qualifikation, sicherten sich den Ligaerhalt nun vorzeitig. Welche Note geben Sie der Mannschaft? Für eine 6 wäre die Playoff-Teilnahme erforderlich gewesen. Eine 5 verdient sie als Aufsteiger sicher. Es ist wichtig, schafften wir den Ligaerhalt aus eigener Kraft, sonst wären wir doch sowieso nur als Profiteure bezeichnet worden. Die Serie gegen Biel gewannen wir verdient.

Diverse Langnauer betonen, wie schwierig diese erste Saison nach dem Aufstieg gewesen sei. Inwiefern war sie das? Die NLA ist eine andere Welt. Zu Beginn zahlten wir für die Fehler denn auch Lehrgeld. Im Vergleich mit der NLB geht alles schneller, vieles ist grösser. Man ist viel stärker in den Medien präsent, für einige Spieler war das neu. Und die Erwartungen in Langnau sind mittlerweile gewaltig – einige verlieren die Realität etwas aus den Augen. Wir holten 57 Punkte, kämpften bis drei Runden vor Schluss um die Playoffs. Das hatte doch keiner erwarten dürfen.

Auch Sie hatten viel Medienpräsenz... ...zu viel.

Nach der Entlassung von Trainer Benoît Laporte Mitte März hagelte es Kritik. Hat Sie diese getroffen? Ich habe gelernt, dass man Kritik nicht zu persönlich nehmen darf. Aber mit gewissen Dingen bin ich nicht einverstanden, auch mit Vorwürfen aus Ihrer Zeitung. Damit muss ich umgehen, solche ­Sachen ad acta legen können.

Was hat sich nach der Anstellung Scott Beatties verändert? Die Mannschaft ist näher zu­sammengerückt. Im zwischenmenschlichen Bereich lag vorher einiges im Argen, in der wichtigsten Phase der Saison bereitete mir dies Sorgen.

Sprachen Sie deshalb nach der 4:9-Niederlage in Ambri über eine Stunde lang zum Team, während Trainer Laporte draussen wartete? Das war so nicht geplant, ein Bauchentscheid. Und ich habe sicher nicht 60 Minuten lang gesprochen, da wären mir die Worte ausgegangen. Es war ein eminent wichtiger Dialog mit dem Team.

Würden Sie das wieder tun? Ich konnte den Ort nicht aussuchen. Weil in Ambri alles eng ist, kriegten es die Medien halt mit. Die Aktion hatte auch nichts mit mangelndem Respekt gegenüber Benoît Laporte zu tun. Ich spürte: Jetzt muss ich etwas machen. Ich würde es also wieder tun.

Die Begeisterung war nicht sonderlich gross, als Sie den weitgehend unbekannten Beattie als Nachfolger vorstellten. Letztlich wählten Sie richtig – spüren Sie Genugtuung? Klar. Und ja, es war der richtige Entscheid. Ich musste einen guten Kommunikator finden, der das Zwischenmenschliche in Ordnung bringt. Der nicht sagt: «Hier bin ich, dort ist die Mannschaft.» Scott hat Kommunikation studiert, in diesem Bereich ist er «sackstark».

Dann sollte er doch eine Chance erhalten, sich länger als nur ein paar Wochen zu beweisen? Er ist ganz bestimmt ein Kandidat. Das versicherte ich ihm.

Zum Kandidatenkreis gehört auch SCB-Trainer Lars Leuenberger. Ja, aber es gibt derzeit keinen Kontakt. Lars steht nun mit dem Playoff-Final vor einer riesigen Herausforderung.

Da und dort wird spekuliert, Sie würde der Trainerposten reizen. Das ist kein Thema. Mir gefällt das Coaching, klar, ich habe auch die Ausbildung absolviert. Aber ich bin bei den Tigers als Sportchef angestellt. Mein Ziel ist es, Kontinuität auf der Trainerebene zu schaffen.

In den letzten vier Jahren standen in Langnau sieben Trainer an der Bande. Stehen Sie vor einer Herkulesaufgabe? Man kennt die Eigenheiten in diesem Business. Wahrscheinlich wird in Langnau vorerst kein Coach einen Dreijahresvertrag erhalten. Zwei Wochen vor der Entlassung von Benoît Laporte hätte ich die Hand dafür ins Feuer gelegt, dass wir mit ihm die Saison beenden werden. Dann spürte ich die negative Entwicklung, musste handeln. Aber es ist mein Ziel, ein Fundament zu legen.

Hat es ein Trainer in Langnau schwerer als anderswo, weil das Wort der Mannschaft hier mehr zählt als anderswo? Das Team hat nicht zu viel Macht! Es ist die Aufgabe eines Sportchefs, den Groove zu spüren. Aber in Langnau ist es anders als bei einem Spitzenklub. Hier gibt es Abstiegsängste, die Spieler haben das Messer oft am Hals. Da muss man etwas sensibler handeln. Natürlich haben alle Klubs Druck – aber der Druck, den man in den Playoffs spürt, ist mit jenem in den Playouts nicht vergleichbar.

Werden die SCL Tigers in der nächsten Saison einen Schritt nach vorne tätigen? Was die Qualität des Kaders betrifft, bin ich davon überzeugt. Ein Spieler wie Pascal Berger, der in Bern sensationelle Arbeit leistet, wird uns sehr gut tun. Er wird ein echter Leader sein.

Berner Zeitung

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