Vom «Gangster» zum Glücksfall

Eishockey

Mike Völlmin (23) begeistert das Langenthaler Publikum. Der Schweiz-Amerikaner mit guter Technik und Übersicht beweist offen­sive Qualitäten, die auf eine NLA-Karriere hindeuten. Deutsch spricht er im Moment noch kaum.

Der Schweiz-Amerikaner ist ein Publikumsliebling.

Der Schweiz-Amerikaner ist ein Publikumsliebling.

(Bild: Marcel Bieri)

Mike Völlmin ist für den SC Langenthal ein Glücksfall. Bereits mit 23 Jahren gehört der Schweiz- Amerikaner zu den besseren Verteidigern. Er offenbart in seinen offensiven Aktionen immer wieder grosses Potenzial.

Dribblings scheinen ihm leichtzufallen, er kann mühelos gefährliche Situationen für die eigenen Mitspieler kreieren. Entsprechend erhält er Einsätze in Überzahl, auch bei 5 gegen 5 gehört er zu jenen Spielern, die mehr Eiszeit erhalten als andere.

«Ich bin froh, dass die Trainer Vertrauen in mich haben», sagt Völlmin und verspricht, sich weiter zu verbessern. Gerade in der Defensive habe er noch Raum nach oben, auch weil er, wie er sagt, nicht der Grösste ist. Eines ist aber sicher: Gelingen Völlmin, dessen Grossvater einst aus der Schweiz nach Amerika auswanderte, weiterhin gute Auftritte, wird er sich bald für die NLA empfehlen.

Das eine Stadion

Dass Mike Völlmin Eishockey spielt, ist nur bedingt überraschend. In North Carolina ist er aufgewachsen, und nach eigener Aussage befand sich im Umkreis von zwei Autostunden nur gerade ein Eishockeystadion. Direkt daneben ist er aufgewachsen. «Mit 15 Jahren sagte mir meine Mutter: Entweder du gehst in den Norden oder hörst auf, Eishockey zu spielen.» Die Entscheidung war rasch gefällt. Völlmin zog es nach Boston, wo er die Grundlage seiner Karriere legte.

Dort war das Leben des heute 23-Jährigen aber nicht immer einfach. «Als ich nach Boston kam, waren die Leute ganz anders. Ich fand mich lustig, die aber nicht so», erinnert er sich. Er habe früher Rapmusik gehört und New-York-Yankees-Hüte getragen. «Ich war so etwas wie ein Gangster», sagt er und schmunzelt. Das habe aber nicht zu einem Profispieler gepasst.

Und das sei schliesslich sein grosses Ziel gewesen. «Ich passte mich also an. Im zweiten Jahr ging mir alles viel einfacher.» Er gehörte zuletzt zweimal in Folge zum All American Allstar Team, war Teamcaptain und empfahl sich während eines Try-out im letzten Dezember beim SC Langenthal für einen Profivertrag in der Schweizer Nationalliga B.

Ein Versuchsjahr

im Oberaargau fühlt er sich mittlerweile wohl. «Ich fühle mich als Schweizer. Was aber noch fehlt, ist das Schweizerdeutsch», erklärt Völlmin, der noch kaum Deutsch spricht. «Das ist mein Versuchsjahr», sagt der Verteidiger offen und ehrlich und hängt an, im nächsten Jahr auf einen besser dotierten Vertrag zu hoffen. Der muss nicht bei einem NLA-Klub sein. «Ich fühle mich wohl in Langenthal und habe keinen Stress», sagt er, ohne Zweifel zu wecken. Ein typischer Glücksfall eben.

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