SCL Tigers: Wer hätte das gedacht?

1:3 lagen die Langnauer im Viertelfinal hinten – dank eines 4:2-Sieges in Spiel 6 kommt es nun in Lausanne zur «Belle».

Die frühe Langnauer Weichenstellung: Chris DiDomenico lenkt den Puck schon in der ersten Minute zum 1:0 ins Tor.

Die frühe Langnauer Weichenstellung: Chris DiDomenico lenkt den Puck schon in der ersten Minute zum 1:0 ins Tor.

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Am Ende ist es für die SCL Tigers ein Zittern, ein Hoffen und ein Bangen. Lausanne rennt im letzten Drittel Mal um Mal auf den Kasten von Damiano Ciaccio an. Und tatsächlich gelingt den Gästen vier Minuten vor Schluss der 2:3-Anschlusstreffer. Mehr aber lassen die Langnauer und ihr einmal mehr überragender Goalie nicht zu.

Und als Harri Pesonen 61 Sekunden vor Schluss die Scheibe ins längst verlassene Lausanner Tor schiesst und so den ersten Playoff-Heimsieg in der Clubgeschichte sicherstellt, wird aus der ausverkauften Ilfishalle eine veritable Festhütte. «Wir haben in den letzten Spielen einen riesengrossen Aufwand betrieben, dieser Sieg ist verdient», sagt Larri Leeger. Derweil Heinz Ehlers einmal mehr die Arbeitseinstellung seines Teams lobt: «Wir haben gekämpft, sehr gut gearbeitet, und wir waren diszipliniert.»

Wer hätte das vor ein paar Tagen gedacht? 1:3 lagen die SCL Tigers am Samstag in der Viertelfinal-Serie hinten. Die Lausanner hielten alle Trümpfe in ihren Händen, derweil die Langnauer mit dem Schicksal haderten. Sie waren in den Spielen drei und vier zwar nicht schlechter als der Gegner gewesen, aber dieser schoss eben die Tore.

Doch – und mag es noch so abgedroschen klingen – das Playoff hat seine eigenen Gesetze. Oder, um noch eine Floskel zu bedienen: Fertig ist eine Serie erst, wenn der vierte Sieg unter Dach und Fach ist. Nun steht es in diesem umkämpften Viertelfinal 3:3 – am Samstag gipfelt die Serie in Lausanne in der «Belle».

Umstrittenes Tor

Nun, die SCL Tigers machten am Donnerstag von Beginn weg klar, dass sie nicht einmal ansatzweise Gedanken an einen baldigen Ferienstart verschwenden. Nach 17 Sekunden hatte Aaron Gagnon die erste Chance, 25 Sekunden später stand die Ilfishalle ein erstes Mal kopf. Chris DiDomenico hatte die Scheibe ins Tor befördert, die Frage war nur: Zählt der Treffer auch? Schliesslich hatte der Tigers-Leitwolf den Puck via Schlittschuh über die Linie gelenkt.

Die Schiedsrichter Daniel Stricker und Stefan Eichmann jedenfalls schauten sich die Videobilder lange an, ehe sie auf Tor entschieden. Es ist ein heikler, aber vertretbarer Entscheid. Zwar ist eine Bewegung von DiDomenicos Schlittschuh erkennbar, doch kann man argumentieren, dass er einen engen Radius um das Tor fuhr, die Bewegung natürlicher Art war.

Es versteht sich von selbst, waren die Lausanner anderer Meinung. Und seine Sicht der Dinge tat der sichtlich aufgebrachte Jan Alston in der Pause auch einem Ligavertreter kund. Doch umstrittenes Tor hin oder her – auch der LHC-Sportchef musste nach 20 Minuten eingestehen, dass die SCL Tigers schlicht besser waren. Und das 2:0 von Alexei Dostoinov verdient sogar das Prädikat Extraklasse.

Der Stürmer, der jeweils nach dem ordentlichen Training noch lange Tricks übt, überlief zuerst Tyler Moy und schoss den Puck dann unhaltbar unter die Latte. «Ich wollte diesen Trick schon in den fünf Spielen zuvor versuchen, nun ist er mir endlich gelungen», meint er lächelnd. «Wir erwischten einen guten Start, machten viel Druck, das war der Schlüssel zum Sieg.»

Entscheidendes Tor

Gewiss, Lausanne wurde besser, im zweiten Drittel setzte es die Gastgeber gar gehörig unter Druck und verkürzte durch Cory Emmerton verdientermassen auf 1:2. Aber wenn es einen richtigen Zeitpunkt gibt, ein Tor zu erzielen, dann erwischten ihn die SCL Tigers. Nach 37 Minuten lenkte Nolan Diem einen Schuss Larri Leegers zum 3:1 ab. Der ehemalige LHC-Junior, der schon am Dienstag zweimal getroffen hatte, sorgte damit für die Vorentscheidung, weil er den Gästen damit einen gehörigen Dämpfer verpasste.

Nun also spielen die SCL Tigers am Samstag um den Einzug in den Halbfinal. In dem es im Erfolgsfall zu einem Berner Derby kommt. «Für beide Teams ist es ein Müssen, für beide aber auch ein Dürfen. Und klar: Beide wollen diese Chance packen», sagt Dostoinov und verspricht: «Wir werden alles auf das Eis bringen, was wir haben.»

Für Tigers-Coach Ehlers ist es derweil ein Déja-vu. Zweimal stand er schon in einem 7. Spiel im Playoff-Viertelfinal, zweimal verlor er dieses als Coach von Lausanne. Er wollte diesem Fakt nicht zu viel Gewicht beimessen. «Beide Teams haben Druck», sagt er, «aber wir wären sehr enttäuscht, würden wir verlieren.»

Berner Zeitung

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