Wer vom Playoff träumt, ist kein Träumer

Die SCL Tigers haben hervorragende Karten, um sich für das Playoff zu qualifizieren.

Marco Oppliger@BernerZeitung

Es hätte ein denkwürdiger Abend werden können, vielleicht mit einem spontanen Fest, und womöglich wäre sogar die eine oder andere Freudenträne geflossen. Doch der Konjunktiv verrät es – nichts wurde daraus. 1:3 unterlagen die SCL Tigers am 28. Februar 2018 Servette. Anstatt die Genfer in der Tabelle zu überholen, sich damit auf einen Playoffplatz zu hieven, verfügten die Emmentaler zwei Runden vor Qualifikationsende über fünf Zähler Rückstand auf Rang 8 – es war das Ende der Playoffträume.

Elf Monate später lässt sich festhalten: Wer im Emmental vom Playoff träumt, ist kein Träumer. Weil die Ausgangslage für das Team von Heinz Ehlers deutlich besser ist: Nach 36 Runden steht es mit 60 Punkten auf Rang 3 und verfügt über sieben Punkte Vorsprung auf das neuntplatzierte Gottéron. Nicht einmal in der einzigen Saison, in der sich die SCL Tigers für das Playoff qualifizierten (2010/11), hatten sie zu diesem Zeitpunkt der Meisterschaft so viele Punkte gesammelt (siehe Grafik).

Vertrauen ist fast alles

Es gibt natürlich mehrere Gründe für diese aus Emmentaler Optik vorzügliche Situation. Doch zwei Veränderungen sind im Vergleich mit der Vorsaison besonders augenfällig: Die defensive Stabilität und die Konstanz. Nach 36 Runden haben die SCL Tigers 20 Gegentore weniger als 2018 kassiert, das ist ein ausgezeichneter Wert. Nur die Spitzenteams aus Zug und Bern lassen noch weniger Treffer zu. «Wir versuchen aggressiv zu sein, dem Gegner wenig Raum zu geben, ihn nicht kombinieren zu lassen», sagt Federico Lardi. «Doch damit das gelingt, braucht es alle fünf Spieler sowie den Goalie, und es braucht Vertrauen.» Der Verteidiger spricht in diesem Zusammenhang von einer Dynamik, «und die entsteht nur durch Siege. Gibt es diese Dynamik nicht, kommst du immer einen Schritt zu spät.»

Doch woher kommt es, dieses Vertrauen? «Der Saisonstart hat uns sicher geholfen», sagt Lardi. Zur Erinnerung: Im Herbst 2017 waren die Langnauer mit fünf Niederlagen de suite gestartet, letzten Herbst resultierten aus den ersten fünf Partien drei Siege und zwei Niederlagen. «Es ist unglaublich schwierig, wenn du von Anfang an diesen Punkten nachrennen musst», meint er, «dann spielst du einfach anders.» Raphael Kuonen hält in diesem Zusammenhang fest: «Wir trauen uns jetzt mehr zu, glauben an uns und sind dadurch als Team viel kompakter.»

Zurücklehnen verboten

Das führt zur zweiten gewichtigen Veränderung: der Konstanz. Die SCL Tigers haben in der laufenden Spielzeit nie mehr als zwei Spiele hintereinander verloren. Zum Vergleich: In der Qualifikation 2017/18 hatten sie nach dem Fehlstart noch einmal eine Baisse mit sechs Niederlagen in Folge eingezogen. «Vor einem Jahr haben wir oftmals im letzten Drittel einen Vorsprung verspielt, nun ist das Auf und Ab innerhalb eines Spiels weniger gross», sagt Kuonen.

Interessanterweise äussert sich sein Compagnon weitaus kritischer. «Konstant? Ich finde nicht, dass wir das sind», meint Federico Lardi. «Man kann es konstant nennen, weil wir immer auf eine Niederlage reagieren können. Wir haben allerdings auch selten zweimal in Serie gewonnen.»

Gefordert: 75 Punkte

Die Chance zur entsprechenden Korrektur für den Bündner und seine Teamkollegen bietet sich bereits am Wochenende. Am Sasmtag gastiert Servette in der Ilfishalle (19.45 Uhr), morgen reisen die Langnauer nach Davos. Klar ist: die Differenz mit nur sieben Zählern Vorsprung auf Rang 9 ist zu klein, um sich jetzt zurücklehnen zu können. Und für die Playoff-Qualifikation wird ein Team so viele Punkte wie noch nie benötigen.

Ein Beispiel: Servette liegt mit 54 Punkten auf Rang 8, mit einem Schnitt von 1,5 Zählern pro Spiel. Rechnet man das auf 50 Runden hoch, benötigt es 75 für die Playoff-Qualifikation. Das hiesse für die SCL Tigers, dass sie aus den letzten 14 Runden mindestens 15 Zähler holen müssten: Für ein Team, das im Schnitt 1,67 Zähler pro Spiel holt, klingt diese Aufgabe machbar.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt