Wiedersehen macht nur bedingt Freude

Die SCL Tigers fordern Biel eine halbe Stunde lang, doch am Ende siegt der Leader 3:2 nach Penaltyschiessen.

Matchwinner: Elien Paupe hält sämtliche Langnauer Versuche im Penaltyschiessen.

Matchwinner: Elien Paupe hält sämtliche Langnauer Versuche im Penaltyschiessen.

(Bild: Estelle Vagne/Freshfocus)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Als alles vorbei ist, schreitet Damien Brunner in feinem Zwirn aus der Bieler Garderobe. Die linke Hand nach einer Operation noch immer von einer Schiene gestützt. Auf der anderen Seite, vor der Garderobe der SCL Tigers, steht Julian Schmutz den Journalisten Rede und Antwort. Brunner gibt ihm einen Klaps auf die Schulter und erinnert seinen ehemaligen Teamkollegen daran, mal wieder etwas zusammen zu unternehmen. Nach drei Jahren in Biel wechselte Schmutz zu den SCL Tigers, derweil Anton Gustafsson den umgekehrten Weg ging. Was ihn nicht daran hindert, nach der Partie mit ein paar Langnauern zu stretchen und zu plaudern.

Bei so viel Eintracht könnte man glatt vergessen, dass es zuvor in diesem 113. Derby zuweilen weniger freundschaftlich zu und her ging. 36 Strafminuten verteilte das Schiedsrichtergespann Daniel Stricker/Cedric Borgia – nicht alle waren unumstritten. Letztlich aber fiel die Entscheidung nicht in einem Powerplay, sondern im Penaltyschiessen. Wobei sich der EHC Biel wie schon 24 Stunden zuvor in Bern (2:1) mit dem 3:2-Sieg den Extrapunkt sicherte.

Paupe vertritt Hiller stark

Die SCL Tigers müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, den Leader nicht gebodigt zu haben, als er taumelte. Sehr passiv waren die Bieler in die Partie gestartet. Dass die SCL Tigers nach 24 Minuten dank einem Ablenker Benjamin Neukoms und einem Überzahltor des auffälligen Ben Maxwell führten, ging absolut in Ordnung. Doch nur eineinhalb Minuten nach dem 2:0 erwischte Marc-Antoine Pouliot Tigers-Keeper Damiano Ciaccio mit einem «Buebetrickli» in der nahen, oberen Torecke – es sollte der Wendepunkt sein. Nun drückte Biel, derweil die Langnauer fleissig Strafen sammelten. Was bei Heinz Ehlers wenig Begeisterung hervorrief. «Einige müssen dadurch lange sitzen, andere viel spielen. Dann werden wir müde, vor allem jene Spieler, die die Partie entscheiden müssen», hält der Coach später fest. «Ich sage es ihnen immer wieder, die Strafen sind ein Problem.»

Hinzu kam, dass Ciaccio an sich sehr solide parierte – und doch zweimal danebengriff. Weil er beim 2:2 einen Weitschuss Yannick Rathgebs trotz freier Sicht passieren liess. So ging das Torhüterduell klar an Elien Paupe. Der 24-Jährige vertritt den Ende Saison zurücktretenden Jonas Hiller nun öfters. Und Paupe machte seine Sache im Derby sehr gut, er wehrte 35 Schüsse ab und hielt im Penaltyschiessen sämtliche Langnauer Versuche.

Entwarnung bei Earl

Drei Punkte gegen Meisterschaftsfavorit Zug, einer gegen Leader Biel: Die Ausbeute der SCL Tigers in dieser Doppelrunde lässt sich sehen. «Hätte mir das jemand im Vorfeld angeboten, ich hätte es genommen», sagt Ehlers. «Aber ich muss ehrlich sagen, dass wir gegen Biel Punkte verschenkten.»

Dafür gibt es für den Tigers-Coach andere gute Nachrichten: Robbie Earl, der am Freitag mit Verdacht auf eine Knieverletzung ausschied, dürfte bald wieder mittun können. Die Bänder sind nicht gerissen, nur überdehnt.

Es versteht sich von selbst, dass die Stimmung im Bieler Lager nach dem vierten Sieg im fünften Spiel aufgeräumt ist. «Mit diesen zwei Zählern können wir zufrieden sein», sagt Peter Schneider. Die Bieler wurden belächelt, als sie eine Ausländerlizenz an den Österreicher vergaben. Gegen die SCL Tigers aber liess sich erahnen, was Sportchef Martin Steinegger meint, wenn er Schneider als «Strassenkämpfer» bezeichnet. Er ist im gegnerischen Slot ein Gefahrenherd, auch wenn er noch nicht getroffen hat. Und Schneider kann zaubern, wie er bei seinem Penalty demonstrierte, als er Ciaccio einhändig bezwang. «Ich habe das im Warm-up bei Hiller versucht, und es hat funktioniert. Deshalb dachte ich: Wenn er den nicht halten kann, dann hält ihn niemand.»

Eine solche Aktion würde gewiss auch Schmutz guttun. In Langnau hat sich der Flügel zwar gut eingelebt. Aber seine Rolle im Team, die muss er noch finden. «Es ist mir noch nicht ganz so gelaufen, wie ich es wollte. Ich bin ehrlich, da spielt sich viel im Kopf ab», sagt er, «weil ich nach einer super Vorbereitung einen etwas harzigen Start in die Saison hatte.» Die nächste Gelegenheit zum Befreiungsschlag wird er bereits am Dienstag in Ambri erhalten.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt