Zu viel des Leonardo Genoni

Am Ende feiert der SCB in Davos zwar einen 1:0-Minisieg. Doch er ärgert auch mit viel Minimalismus.

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Kristian Kapp@K_Krisztian_

War es nun eine aussergewöhnliche Performance einer auf ihre Art aussergewöhnlichen Mannschaft des HC Davos? Mit einem «echten» Team der National League hatte das wenig gemein, was Trainer Harijs Witolinsch da als eine Art Notaufgebot, gespickt mit Rookies und Junioren, in den aussichtslos scheinenden Kampf gegen den Leader schickte – acht Stammspieler fehlten. Oder war es schlicht Arroganz des SCB, der so gut ins Spiel startete, sich aber derart in seiner Dominanz sonnte, dass er früh in den «Autopilot» schaltete?

Leonardo Genoni, unerwarteter Held des Abends, konnte es sich nicht verkneifen, zu Letzterem zu tendieren, auch wenn er es freundlicher formulierte: «Es ist vielleicht ein typischer Vorgang, wenn die Nase ein wenig zu weit oben ist, du ein wenig übermütig wirst, nachdem du früh ein Tor machen konntest.» Und, das wollte er dann doch auch betont haben: «Und wenn du wirklich gut begonnen hast. Mich erstaunte eher, dass wir danach nicht mehr richtig zurückfanden ins Spiel.» Viel zu widersprechen gab es da nicht.

10 Minuten bis Schuss 1

Zunächst lief es, wie es laufen sollte angesichts der beiden Teams. Der SCB machte fast alles richtig. Er entwickelte konstant mit vier Linien Druck, spielte zwei frühe gute Powerplays, überforderte den in Ehrfurcht erstarrten HC Davos Einsatz für Einsatz. 0:10 lautete das Schussverhältnis nach knapp acht Minuten, der einzige Vorwurf an Bern war die zu knappe Führung. Matthias Biebers Tor aus dem Slot nach feiner Vorarbeit Tristan Scherweys war zwar ein früher Ertrag nach 111 Sekunden, aber eben ein zu kleiner.

Während Gilles Senn im HCD-Tor sich zu Beginn mit Händen und Füssen gegen weitere Gegentore wehrte, erlebte Genoni eine von Goalies ungeliebte Situation: Er hatte schlicht nichts zu tun. Erst nach 10 Minuten schoss Davos erstmals aufs Tor – es war ein Zeichen, ein Mutmacher für die junge Bündner Mannschaft. Der Rest war eine ausgeglichene Angelegenheit, in der Genoni immer mehr in den Fokus rückte, eigentlich zu viele Top-Paraden zeigen musste.

Das dürfte Coach Kari Jalonen kaum gepasst haben. Genau so wenig, wie sein Team im Schlussdrittel nur noch auf Resultat spielte, zu selten Konter suchte. Oder wie sah es der Goalie? «Sagen wir es so», sagte Genoni schmunzelnd: «Wir hatten in der zweiten Pause ein oder zwei Leute in der Garderobe, die nicht zufrieden waren. Ihre Laune war nach dem Spiel nicht besser …»

Dass Emotionen ins Spiel kamen, half dem HCD. Auch da war der Berner Goalie beteiligt, wenn auch ungewollt. Zuerst erwischte Anton Rödin, einziger Ausländer im HCD-Sturm, Genoni mit einem Check gegen den Kopf, als dieser einen Ausflug hinters Tor unternahm. Danach amtete Justin Krueger als Rächer, der den Schweden bis in die Mitte des Spielfelds verfolgte und ihn mit Schlägen eindeckte. Seltsamerweise hatte keine der Aktionen eine Strafe zur Folge.

Und so schnupperte Davos bis am Ende am Punktgewinn. Doch Genoni hielt dicht, feierte den achten Shutout. Und fand auch Lob für seine Vorderleute: «Mir gefiel, wie wir Schüsse blockten im Schlussdrittel, und zwar durchwegs – nicht nur die Verteidiger.» Zehn Blocks waren es. Das ist positiv, weil viel für ein Drittel. Das ist auch negativ, weil es zeigt, wie sehr sich Bern von der Davoser Rumpftruppe zurückdrängen liess. Macht das Sorgen? «Nein», sagte Genoni, «es ging am Ende ja auf …»

Berner Zeitung

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