Ignoriertes Spektakel

Die Playoff-Finalserie zwischen Wacker Thun und Pfadi Winterthur besticht durch viel Dramatik. Über die Szene hinaus aber mag sie nicht im grossen Stil zu mobilisieren.

Aufregendes Ringen: Die Schlüsselspieler von Wacker und Pfadi, Lukas von Deschwanden und Jonas Langerhuus (rechts), kämpfen um den Ball.

Aufregendes Ringen: Die Schlüsselspieler von Wacker und Pfadi, Lukas von Deschwanden und Jonas Langerhuus (rechts), kämpfen um den Ball. Bild: Patric Spahni

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Es sind grosse Dramen auf kleiner Bühne. Die bisherigen beiden Partien des Playoff-Finals enthielten Spannung und allerlei Gefühlsausbrüche, sie waren tor-, aber gewiss nicht ereignisarm, keineswegs hochklassig zwar, indes sehr unterhaltsam und mitreissend bis in die finalen Augenblicke.

Die Begegnungen sind umkämpft und böten eine Menge Stoff für Geschichten. Wacker-Keeper Flavio Wick etwa war vorübergehend von der Siebenmeterlinie nicht zu bezwingen, er hielt fünf Penaltys in Folge. Sein Mitstreiter Nicolas Raemy wurde am Dienstagabend zum besten Akteur seines Teams gewählt; derselbe Spieler hatte bis Anfang Februar während eineinhalb Jahren wegen eines Schleudertraumas aussetzen müssen. Und mit dem Winterthurer Haudegen Marcel Hess bestreitet derjenige Handballer seine letzten Matchs der Karriere, der hierzulande die meisten Einsätze absolviert hat.

Die Presseplätze aber blieben teilweise leer. Jeweils bloss neun Medienschaffende hatten sich für die Partie akkreditiert. So entsandten etwa lediglich zwei Zeitungen Mitarbeiter an die Veranstaltungen. In manch Journal gestern war maximal eine halbe Spalte über Spiel zwei zu lesen, einzelne Erzeugnisse beschränkten sich darauf, das Resultat zu vermelden. Im Fernsehen zu verfolgen waren die Matchs nicht.

Das Abkommen

Letzteres ist auf eine Sonderregelung zurückzuführen, die nur in dieser Saison Bestand hat. Grundsätzlich liegen die Rechte für Finalspielübertragungen diverser Hallensportarten bei der SRG. Der Schweizerische Handballverband aber arbeitet seit dieser Spielzeit in Bezug auf die Nationalliga A mit dem neuen TV-Sender Mysports zusammen, der wöchentlich Meisterschaftspartien live zeigt. Das Abkommen der Player sieht vor, dass das SRF die Finalmatchs produziert, es bietet auf der Website sowie in der App einen kommentierten Livestream an, während Mysports ab Partie drei gleichfalls direkt übertragen darf. Matthias Schlageter, Verantwortlicher Kommunikation der Nationalliga, sagt, die aktuelle Konstellation sei zufriedenstellend, auch wenn er sich natürlich gewünscht hätte, dass sämtliche Endspiele im Fernsehen zu sehen wären.

Die SRG ihrerseits schliesst aus, die verbleibenden Partien des Playoff im TV zu senden. Direktübertragungen im Fernsehen verursachten einen deutlich höheren personellen Aufwand als Streams, erzählt Susan Schwaller. Die Bereichsleiterin Live bei SRF Sport sagt, dass ein Mix aus journalistischen, programmlichen, finanziellen, sportpolitischen, rechtlichen und strategischen Kriterien entscheide, was im TV direkt ausgestrahlt werde.

«Ein Superfinal analog zum Uni- hockey steht nicht zur Diskussion.»Matthias Schlageter
Kommunikationschef Liga

Der Schweizer Handball hat in der hiesigen Medienlandschaft grundsätzlich ein ziemlich hohes Standing. Schlageter hält fest, Verband und Liga nähmen eine merklich gesteigerte Präsenz wahr. Partien der Nationalmannschaft werden regelmässig vom SRF übertragen. Und Blick.ch war das «Nati-Comeback» von Andy Schmid (Seite 20) gestern gar eine Pushmeldung wert.

Eine Playoff-Serie aber ist nun mal nicht so attraktiv wie ein sogenannter Superfinal, wie ihn die hiesige Unihockeyszene kennt. Deren Zuschauerzahlen sind über die ganze Saison betrachtet tiefer als jene im Handball. Das Interesse am diesjährigen Entscheidungsspiel um den Meistertitel aber war sehr gross. In einer einzelnen Partie wird der Champion ermittelt, für die Ausmarchung müssen sich die Clubs in Qualifikation und Playoff qualifizieren. Das ist sportlich umstritten, weil das Format den Aussenseiter begünstigt. Der Modus aber lässt sich prima vermarkten.

Schlageter sagt, die Gremien von Verband und Liga befänden sich in regelmässigem Austausch, um Verbesserungen und Anpassungen auszuloten. «Ein Superfinal analog zum Unihockey aber steht nicht zur Diskussion.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 09:22 Uhr

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