Der Aufreger vor dem Finale

Mit dem zweiten Finalmeeting endet die Diamond League der Leichtathleten. Thema der Woche aber war der Schnellste: Christian Coleman entging wundersam einer Sperre.

Ist knapp einer zweijährigen Sperre entgangen: Christian Coleman. Foto: Keystone

Ist knapp einer zweijährigen Sperre entgangen: Christian Coleman. Foto: Keystone

Trifft sich die Weltklasse in Zürich wie am vergangenen Donnerstag, feuerwerkt die Leichtathletik Richtung WM in Doha. Vier Jahresweltbestleistungen, eine überwältigende Stimmung, und mit dem Rush von Karsten Warholm über 400 m Hürden ein Rennen, das man nicht schnell vergisst. Trifft sie sich allerdings in anderen Teilen Europas oder der Welt wie heute beim zweiten Final­meeting der Diamond League in Brüssel, wird es hier als Dahinplätschern Richtung spätem Höhepunkt Ende September wahrgenommen.

Es ist eine Saison wie kaum eine zuvor: Die Diamond League endet erstmals vor den Titelkämpfen, das ganze Jahr erhielt mit diesem speziellen Kalender seine ganz eigene Dynamik, mit der nicht alle Athletinnen und Athleten zurechtkamen.

Die Leichtathleten sind auf der Suche nach einer attraktiveren Form ihres Sports für die Zuschauer.

Diese Premiere ist gleichzeitig eine Derniere. Auf der Suche nach einer kompakteren Form und mehr Qualität wird eines der 14 Meetings gestrichen, die anderen müssen sich jährlich beweisen, sonst droht der Abstieg. Zudem gibt es nur noch einen Final, dieser dafür mit 24 statt 16 Disziplinen. Kurz: Die Leichtathleten sind auf der Suche nach einer attraktiveren Form ihres Sports für die Zuschauer, unterhaltsameren Wettkämpfen auch ausserhalb der Stadien. So folgt nächste Woche der erstmals ausgetragene «Match», das Duell der besten Europäer gegen die stärksten Amerikaner.

Der Internationale Verband IAAF aber hat ein viel schwerer wiegendes Verständigungsproblem mit seinem Publikum als nur die Vermittlung von Siegerinnen und Siegern in traditionellen Disziplinen, die vielleicht ein wenig Staub angesetzt haben.

Am Montag hat die US-Anti­-Doping-Behörde (Usada) bekannt gegeben, dass sie die Untersuchung im Fall Christian Coleman eingestellt hat. Coleman ist mit 9,81 Sekunden der schnellste Sprinter des Jahres. Am Vorabend des Diamond-League-Meetings in Birmingham Mitte August hatte der 23-jährige Amerikaner seinen Startverzicht mit Problemen im Training erklärt – und später auch in Zürich gefehlt, als es um 50'000 Dollar ging.

Coleman verpasste drei Tests in 366 Tagen, was nicht einem Jahr entspricht und damit ein erledigter Fall ist. Verstehen muss man das nicht.

Herausgestellt hat sich, dass Coleman innerhalb eines Jahres drei Dopingkontrollen verpasst hatte – was eigentlich automatisch einer zweijährigen Sperre gleichkommt. Aber: Coleman wird gemäss Usada in Doha starten und Weltmeister Justin Gatlin herausfordern können.

Der Ausgang dieses Falls ist nur schwer verständlich zu machen: Aus «formalen Gründen» sei einer der drei verpassten Tests rückdatiert worden, damit sei die Zeitspanne von einem Jahr nicht gegeben, begründete die Usada. Dazu muss man wissen, dass die Athleten den Dopingbehörden vierteljährlich ihre Aufenthaltsorte bekannt geben müssen und: in welcher Stunde sie täglich zu Hause sind. Coleman war dreimal nicht auffindbar, einmal in besagter Stunde, zweimal am genannten Ort. Und genau darin besteht die Krux. Verpasste Kontrollen «ausserhalb» werden rückdatiert auf den Beginn des betreffenden Vierteljahres – so bestimmte das die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Und so verpasste Coleman drei Tests in 366 Tagen, was nicht einem Jahr entspricht und damit ein erledigter Fall ist. Verstehen muss man das nicht.

Jedenfalls mag der Fall vielleicht erledigt sein, abschütteln aber wird Coleman diese Geschichte kaum können.

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