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«Ich würde es als Geduldsspiel bezeichnen»

Louis Heyer ist bei Swiss Ath­letics als Cheftrainer Lauf angestellt. An der WM in London betreut der 37-jährige Bieler unter anderen die zweimalige 800-Meter-Hallen-Europameisterin Selina Büchel.

Louis Heyer, Cheftrainer Lauf bei Swiss Athletics
Louis Heyer, Cheftrainer Lauf bei Swiss Athletics
zvg

Wie bereiten Sie mit Selina ­Büchel die Einsätze vor?Louis Heyer: Wir analysieren die Startliste, machen eine Auslegeordnung und schauen, welche Strategien für Selina am meisten Sinn ergeben.

Welche Fragen stehen dabei im Zentrum?In jedem Fall wichtig ist, ob es typische Frontläuferinnen im Rennen hat, die bestrebt sind, das Tempo hoch zu halten. Wobei sich daraus eine weitere Frage ­ergibt. Hat die Frontläuferin die Option, mit einer anderen Strategie erfolgreich zu sein – oder wird sie sicher aufs Tempo drücken?

Büchel sagt, sie bevorzuge ein zügiges Rennen, weil ihre Grundschnelligkeit nicht sonderlich hoch sei. Was hat sie selbst für Optionen?Das stimmt so nicht ganz. Selina ist deutlich schneller geworden, über 400 Meter hat sie ihren Bestwert im letzten Jahr um eine Sekunde gesenkt. Früher musste sie Tempo machen, wenn es keine andere tat; mittlerweile ist sie flexibler. Was ihr fehlt, ist der Kick.

Wie meinen Sie das?Wird 650 Meter lang gebummelt, kann sie danach nicht so schnell beschleunigen wie andere.

Bedeutet dies, dass sie weniger lange abwarten darf als andere?Genau, ungefähr 300 Meter vor Schluss muss sie entscheiden, wie sie sich verhält. Hierbei hilft der Instinkt, und dieser funktioniert bei Selina ziemlich gut.

Büchel will den Final erreichen. In der Entry-List ist sie die Nummer 14, acht kämpfen um die Medaillen. Handelt es sich um eine umsetzbare Vorgabe?Das Ziel ist hoch, aber erreichbar. Selina hat – davon bin ich überzeugt – eine 1:57er-Zeit in den Beinen. Sie kann es schaffen, aber es muss einiges für sie laufen.

Wie relevant ist das Glück?Das kommt auf die Auslosung an. Es gibt drei Halbfinalserien, pro Lauf qualifizieren sich zwei direkt für den Final. Wenn du Caster Semenya in der Serie hast, ist ein Platz vergeben – das ist hart. Es braucht Glück, aber man muss vor allem richtig spekulieren.

Das klingt nach Pokerspiel.Es geht in diese Richtung, aber ich würde es eher als Geduldsspiel bezeichnen. Entscheidend ist, nicht überhastet zu handeln. Mittelstreckenläufe sind unberechenbar, das macht die Faszination aus.

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