Jung und unglaublich gefordert

Nach der Premiere 2018 demissionierten fünf von sechs OK-Mitgliedern des Berner Citius-Meetings. Nun nimmt Co-Direktor Matyas Kobrehel einen neuen Anlauf.

hero image
Marco Oppliger@BernerZeitung

Manchmal, sagt Matyas Kobrehel, habe er das Gefühl, gegen eine Wand zu fahren. «Aber dann sitze ich mit dem Team zusammen, höre die tollen Nachrichten aus den verschiedenen Bereichen, und vergessen sind alle Sorgen.»

23-jährig erst ist Kobrehel, aber er trägt als Co-Direktor des Citius-Meetings bereits viel Verantwortung auf seinen Schultern. Und diese kann zur Last werden. Mit fünf Kollegen tat sich Kobrehel zusammen, um in Bern erstmals nach drei Jahrzehnten wieder ein internationales Leichtathletik-Meeting durchzuführen. Im letzten Juni war es so weit: 2800 Zuschauer verfolgten im Wankdorf an einem lauen Sommerabend, wie Alex Wilson einen neuen Landesrekord über 200 Meter aufstellte und Lokalmatadorin Mujinga Kambundji über 100 Meter reüssierte.

«Wir waren ausgelaugt»

Als die Lichter im Wankdorf längst ausgegangen waren, setzten sich die sechs jungen Berner an einen Tisch, um Bilanz zu ziehen. Sie wirkten dabei nicht müde, sondern fix und fertig. Die letzten Tage vor dem Meeting waren zu einem grossen Kraftakt geworden, geschlafen hatten sie kaum mehr. «Wir waren richtig ausgelaugt, konnten nichts mehr von Citius hören», sagt Kobrehel. Schliesslich zogen sich abgesehen von ihm alle OK-Mitglieder zurück. Die Pläne der jungen Männer – Studium, Job, Weiterbildung, Weltreise – lassen sich nur schwer mit einem so zeitintensiven ehrenamtlichen Amt vereinbaren. Doch für Kobrehel kam ein Rückzug nicht infrage, obwohl er ein paar Wochen benötigte, um seine Gedanken zu ordnen. «Wir hatten Citius mit Herzblut und Leidenschaft aufgebaut. Ich hatte Respekt davor, ob ich diese Vision mit einem neuen Team weiterführen könnte», sagt er.

Nun, seine alten Kollegen liessen ihn nicht einfach hängen. Sie halfen ihm bei der Aufarbeitung. Und gelangten dabei ziemlich schnell zum Schluss, dass sechs Personen für die Organisation eines solchen Anlasses nicht genügen. Deshalb setzte Kobrehel dort an und holte als Erstes Alain Croisier ins Boot, mit welchem er sich nun den Direktorenposten teilt. Nun umfasst das neue Organisationskomitee elf Mitglieder, und keines ist älter als 30. Er müsse jetzt einfach noch lernen, Verantwortung abzugeben, sagt Kobrehel lächelnd. Wobei er überzeugt ist, dass das neue Team nicht nochmals «in eine Wand fahren wird». Weil es jetzt für jeden Bereich eine Ansprechperson gibt, nicht mehr alle überall sein müssen.

Problemzone Budget

Am Donnerstag – genau 100 Tage vor der zweiten Ausgabe des Citius-Meetings – lud das OK im Wankdorf zur Pressekonferenz. Wobei sich dieses auf Kobrehel beschränkte, weil seine Kollegen in den Ferien weilen oder anderweitig beschäftigt sind. Und so wurde der Co-Direktor von Kambundji und Hürden-Europameisterin Lea Sprunger flankiert. Sie werden am 3. August die Schweizer Aushängeschilder sein. Und weil das Meeting vom europäischen Verband eine entsprechende Zertifizierung und dadurch einen grösseren Stellenwert erhielt, erhoffen sich die Organisatoren, zusätzliche Spitzenathleten nach Bern zu locken.

Doch die Medaille hat eine Kehrseite. Und hierbei wären wir bei Kobrehels Anfang Text formuliertem ungutem Gefühl. Weil durch die Zertifizierung im Bereich Infrastruktur und Sicherheit einige Anpassungen vorgenommen werden müssen, erhöht sich das Budget von 160 000 auf 260 000 Franken. Und dieser Betrag ist noch nicht ganz gedeckt. Kobrehel hofft, in den nächsten Wochen weitere Sponsoren zu finden. «Denn eines ist klar: Wir wollen kein grosses Defizit machen. Wir müssen vorsichtig kalkulieren.» Nicht zuletzt zählen die Organisatoren auf das Publikum. Sie rechnen am 3. August mit 4000 Besuchern, werden dafür eine zusätzliche Tribüne im Wankdorf aufbauen. Die ehrenamtliche Arbeit, so viel steht fest, wird den jungen Bernern in den nächsten Wochen nicht ausgehen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt