Läufer, Imker, Polizist

Patrick Wieser, der neue Rennleiter des Jungfrau-Marathons, ist ein viel beschäftigter Mann.

Zehnmal hat Patrick Wieser den Jungfrau-Marathon bereits absolviert.

Zehnmal hat Patrick Wieser den Jungfrau-Marathon bereits absolviert.

(Bild: Peter M. Birrer)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Die Wetterprognose könnte besser sein. «Aber Jungfrau-Marathon und schlechtes Wetter, diese Kombination kenne ich nicht», sagt Patrick Wieser lachend. Deshalb hat er die Hoffnung auf gute Bedingungen noch nicht aufgegeben. Der Thurgauer steht vor seiner Premiere als Rennleiter des Jungfrau-Marathons. Und obwohl diese Rolle für ihn neu ist – das Terrain ist es ganz und gar nicht.

Zehnmal hat Wieser den Jungfrau-Marathon bereits absolviert, 2008 wurde er Dritter, später lief er zweimal auf Rang 4. «Ein bisschen wehmütig bin ich schon, kann ich jetzt nicht laufen», sagt er. Andererseits liegt hinter Wieser ein Seuchenjahr: Seit einem im letzten September erlittenen Kreuzbeinbruch läuft es ihm nicht mehr rund. Deshalb kann er sich damit arrangieren, morgen für einmal nicht mittendrin, sondern einfach dabei zu sein.

Schwärmen und leiden

Wer zehnmal die 42,195 Kilometer und 1829 Höhenmeter auf sich genommen hat, die es von Interlaken auf die Kleine Scheidegg zu bewältigen gibt, der weiss so einiges zu erzählen. Wobei Wieser vor allem die erste Teilnahme in bester Erinnerung geblieben ist: «Als ich auf dem Höheweg stand und zur Jungfrau schaute, war das überwältigend. Und dann diese Zuschauermassen am Start und die Stimmung, da kommen gewaltige Gefühle auf», erzählt er.

Natürlich gibt es auch weniger schöne Erinnerungen. «Ich musste ein paar Mal unten durch, aber als Marathonläufer ist es wichtig, dass du solche Sachen verdrängen kannst.» Seinem Verhältnis zum Jungfrau-Marathon jedenfalls haben sie nicht geschadet, die Momente des Leidens und des Zweifelns.

Der 40-Jährige spricht von einer Liebesbeziehung, die über die Jahre entstanden sei. Entsprechend benötigte er wenig Bedenkzeit, als ihn die Organisatoren für den Posten des neuen Rennleiters anfragten. «Diese Chance bekommst du schliesslich nur einmal», sagt er.

Und so fährt Wieser nun regelmässig von seinem Wohnort Winterthur nach Interlaken. Er arbeitet Vollzeit als Polizist, entsprechend versucht er seine Schichten so einzuteilen, dass er in seiner Freizeit ins Oberland reisen kann. Sowieso ist der Zeitplan Wiesers sehr durchgetaktet.

Denn nebenbei ist er noch leidenschaftlicher Imker und betreibt nach wie vor intensiv Sport. «Natürlich kommt da viel zusammen, aber ich habe mich dafür entschieden, und es macht Spass», hält er fest. «Und wenn man keine Kinder hat und eine Partnerin, die das akzeptiert, dann geht das gut.»

Trotz Vollzeitjob an die EM

Als Mountainbiker hatte es Wieser einst bis in die Elite geschafft. Doch er gab der beruflichen Laufbahn den Vorzug. Mit 21 Jahren liess er sich dann von einem Kollegen überreden, am Frauenfelder Waffenlauf teilzunehmen, der über 42,195 km geführt wird. «Bis zur Hälfte lief es super, dann bin ich total eingegangen», erzählt er.

Gleichwohl löste das bei ihm eine Faszination für den Marathon aus. Und als sich nach und nach kleinere Erfolge einstellten, motivierte das Wieser, den nächsten Schritt zu machen. Obwohl er stets Vollzeit gearbeitet hatte, qualifizierte er sich 2014 für die Leichtathletik-EM in Zürich. Bei 2:17.20 steht seine Bestzeit, was für einen, der nie unter professioneller Betreuung trainierte, beachtlich ist.

Wieder ganz gesund werden und Freude am Sport zurückgewinnen, so lautet nun die Devise Wiesers. Dann schliesst er eine elfte Teilnahme am Jungfrau-Marathon nicht aus. Morgen aber wird er für einmal die Läufer auf der Kleinen Scheidegg in Empfang nehmen. «Und hoffentlich», sagt er, «haben dabei alle ein Lachen im Gesicht.»

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