Mehr und jüngere Frauen beim GP Bern

Der Frauenanteil ist beim grossen Berner Laufsportanlass deutlich angestiegen.

Diese Frauen senden ein klares Statement aus.

Diese Frauen senden ein klares Statement aus.

(Bild: Nicole Philipp)

Reto Pfister

Im Jahr 1973 musste Marijke Moser beim Murtenlauf unter dem Männernamen Markus Aebischer starten. Als Frau durfte sie offiziell nicht teilnehmen, der Veranstalter nahm sie 100 Meter vor dem Ziel aus dem Rennen. Diese Geschlechterdiskriminierung gehörte wenig später der Vergangenheit an. Die Frauen durften gleichberechtigt an Wettkämpfen antreten.

Und sie tun es aktuell in immer grösserer Zahl. Auch beim Grand Prix von Bern. Der Altstadt-GP, der über 4,7 km führt, wird seit 20 Jahren mehrheitlich von Frauen bestritten, auch bei der Originaldistanz von 10 Meilen (16,093 km) nimmt die Anzahl Teilnehmerinnen immer mehr zu. Waren es vor 25 Jahren 15 Prozent Frauen, ist ihr Anteil mittlerweile auf 30 Prozent gestiegen.

Die USA als Vorreiter

Die Frauen sind im Laufsport immer präsenter. «In den USA durften Frauen 1984 am Olympia-Marathon teilnehmen. Dort gibt es Läufe, in denen sie bereits in der Mehrzahl sind», sagt der ehemalige Spitzenläufer Markus Ryffel, der seit den Anfängen des GP 1982 in die Organisation involviert ist. «In Europa sind wir noch nicht so weit, aber auch hier sind die Frauen auf der Überholspur.»

Ryffel stellt dies auch in den Laufseminaren fest, die er veranstaltet. Als er 1979 erstmals ein solches anbot, meldete sich eine Frau an, neben 17 Männern. 2018 seien 69 Prozent der Teilnehmenden Frauen gewesen. Dies habe mehrere Gründe. Zum einen die gesellschaftliche Entwicklung; es ist selbstverständlich geworden, dass eine Frau Sport treibt.

«Und dann hat Joggen viel mit Gesundheit zu tun, viele Frauen laufen deswegen.» Und weniger mit Leistungsgedanken. Dies führt wiederum dazu, dass die Teilnehmerinnenzahlen am Altstadt-GP nicht abnehmen, auch wenn sich immer mehr auf längere Distanzen wagen. «Frauen treiben abgeklärter Sport als Männer», sagt Ryffel. Spüren sie, dass die 10 Meilen für sie zu lang werden, gehen sie eher als ihre Kollegen zurück auf die kürzere Strecke.

Altersdurchschnitt sinkt

Auffallend ist, dass nicht nur mehr Frauen über Berns Strassen laufen, sondern auch mehr jüngere Frauen. Der Altersdurchschnitt beim GP beträgt 36, in den weiblichen Kategorien jedoch nur 33 Jahre. Bei den 18- bis 30-Jährigen sind die höchsten Frauenanteile zu verzeichnen. 43 Prozent der Teilnehmenden in dieser Kategorie am 10-Meilen-Rennen sind weiblich. Beim Altstadt-GP sind es gar 58 Prozent.

Catherine Imhof, die Projektleiterin des Schweizer Frauenlaufs, hat festgestellt, dass viele Mädchen, sei es an ihrem Anlass, sei es am GP, in den Kinderkategorien starten, sie Gefallen daran finden und die Teilnahme fortan jedes Jahr zum fixen Programm gehört. Früher seien nur die Eltern gestartet, heute wollten dies die Kinder auch tun.

«Und wenn eine junge Frau entbunden hat, läuft sie oft nur wenige Monate später wieder», sagt Imhof. Auch beim Frauenlauf ist die Tendenz zur Verjüngung deutlich, eine Starterin ist heute im Schnitt 35 statt wie noch vor ein paar Jahren 40 Jahre alt.

Bei den über 55-Jährigen ist der Frauenanteil hingegen nach wie vor deutlich geringer. Hier macht sich immer noch bemerkbar, dass für diese Jahrgänge, wie eingangs erwähnt, in ihrer Jugendzeit die Teilnahme an Läufen noch kaum möglich war.

Und es spielt wieder das Gesundheitsargument eine Rolle. «Es gibt heute viele Möglichkeiten, sich zu bewegen. Ältere Frauen halten sich oft auf andere Art fit, etwa mit Yoga», sagt Imhof.

Mehr Mädchen als Knaben

Der Laufsport wird immer weiblicher. Auch bei den Jüngsten. Beim Bären-GP sind für Samstag knapp 53 Prozent Mädchen gemeldet. An Nachwuchs wird es nicht mangeln.

Berner Zeitung

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