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Sie nennen ihn bereits König

Julien Wanders gehört zu einem Team von Ausnahmeathleten. Am Freitag greift der Genfer im Halbmarathon den Europarekord von Mo Farah an.

Es ist ein verrücktes Vorhaben, das Julien Wanders verfolgt – hier im Training in Kenia. Foto: NN Running Team
Es ist ein verrücktes Vorhaben, das Julien Wanders verfolgt – hier im Training in Kenia. Foto: NN Running Team

Klickt man auf «Die Athleten», erscheinen 20 Porträtbilder, 17 Läufer und 3 Läuferinnen. Alle im blütenweissen Teamdress, alle mit verschränkten Armen, alle mit einem Lachen. Es ist die Website des NN Running Teams, das angeführt wird vom kenianischen Marathon-Weltrekordhalter Eliud Kipchoge. Neben seinem Bild steht dasjenige der äthiopischen Lauflegende Kenenisa Bekele, und, gleich unterhalb, hat auch schon Julien Wanders mit seinen erst 22 Jahren seinen Platz. Es ist die Abbildung eines schönen Teils der derzeitigen Weltelite.

Sie alle werden von der gleichen Sportmanagement-Agentur vertreten. Und dieser ist es 2017 gelungen, im holländischen Versicherer NN einen Sponsor für das eigene Running-Team zu finden, das ständig wächst und weltweit schon über 60 Läufer umfasst. Aber nicht nur Läufer. Denn Ziel ist die optimale Betreuung der Athleten. So steht Wanders in Kenia, wo er mehrheitlich trainiert, immer ein teameigener Physiotherapeut zur Verfügung. Oder afrikanische Läufer profitieren von Betreuung in administrativen Dingen – je nach Bedürfnis.

Fast einzigartige Stellung

Wanders ist einer von ganz wenigen Weissen im Team, einer von ganz wenigen Europäern, einer von wenigen noch ganz Jungen. Das macht die Stellung des Genfers fast einzigartig, seinen Platz aber hat er sich mit seinen Leistungen verdient. Aufmerksam wurde man auf den ­filigranen Läufer nicht erst bei seinem Halbmarathon-Debüt 2017 in Mailand, als er in 61:43 Minuten brillierte. Beeindruckt hat er schon in den Jahren zuvor im Cross, auf kürzeren Strecken und vor allem mit seiner konsequenten Haltung, seine Karriere in Kenia aufbauen zu wollen.

Und nun bezeichnen sie ihn teamintern bereits als «King Julien». So soll der König, bevor er in der Nacht auf Freitag (4 Uhr MEZ) in Ras al-Khaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Halbmarathon startet, erklären, was er in den letzten zwei Jahren gelernt hat und wie er seine Ziele erreicht. «Train high, run fast» und «Aim high» sind zwei seiner Ratschläge, trainiere in der Höhe, lauf schnell, und setz dir hohe Ziele. Er sagt aber auch, dass er 2017 «nach einer Bahnsaison zum Vergessen» gelernt habe, mit einem Sportpsychologen zu arbeiten.

Sein Trainer Marco Jäger, der ihn von Genf aus betreut, spricht von «hochprofessioneller Betreuung, die nötig ist, weil er weit weg von guter Infrastruktur trainiert». Schon vor Weihnachten hat Jäger festgestellt, dass der Grat des Hochleistungstrainings mittlerweile sehr schmal geworden ist, Wanders zunehmend sensibler reagiert. Da eine Bronchitis mit Fieber, dort Verdauungsprobleme. «Nach seinem Europarekord über 10 km in Houilles an Silvester, wo er sehr am Limit lief, brauchte er eine Woche länger als erwartet, um sich zu erholen», sagt Jäger.

Der aggressive Laufstil

Nun, da der König in den Emiraten schon wieder Grosses vorhat, mit dem Europarekord im Halbmarathon die Marke Mo Farahs und damit eines mehrfachen Olympiasiegers und Weltmeisters (auf der Bahn) angreift, scheint Wanders zumindest in den Augen seines Trainers wieder gut in Form. «Vielleicht wie vor einem Jahr in Barcelona, besser wahrscheinlich nicht», sagt er. Wanders lief damals in 60:09 einen herausragenden Schweizer Rekord, der ihn zusammen mit dem 8. Platz an der WM in den Adelsstand erhob.

Jetzt also das Rennen am Golf, «das ihm auch die WM in Doha im Herbst näherbringen soll», sagt Jäger. Es ist ein verrücktes Vorhaben. Erst vier Europäer liefen die 21,1 km unter 60 Minuten – das primäre Ziel von Wanders. Aber: Da der Coup über 10 km schon gelungen ist, reizt ihn natürlich der Rekord, die 59:32. Im Gegensatz zu den Strassenläufen Ende letzten Jahres trifft der Schweizer auf mehr als ein Dutzend Afrikaner, die schon einmal unter einer Stunde geblieben sind. «Das ist eher positiv», sagt Jäger, da könne sich Wanders einreihen, den Schritt mitgehen und mental Kraft sparen.

In der Sänfte aber wird sich der König nicht ins Ziel tragen lassen. Sein aggressiver Laufstil ist mittlerweile bekannt.

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