Die Zukunft hat bereits begonnen

Die Berner Tom Lüthi und Dominique Aegerter kämpfen schon heute um einen Platz für nächste Saison.

Dominique Aegerter (links) und Tom Lüthi. Bilder: Keystone

Dominique Aegerter (links) und Tom Lüthi. Bilder: Keystone

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Es war am Sonntag ein beinahe schon brillanter Einstand von Tom Lüthi im Moto GP – insbesondere nach dieser Vorgeschichte mit verpassten Testtagen wegen eines Fussbruchs und anschliessenden Schwierigkeiten mit der neuen Maschine. In Katar ist Lüthi in der höchsten Motorradkategorie angekommen, seine Leistungen in den Trainings steigerten sich fast von Runde zu Runde, im Rennen fuhr er auf Rang 16, nur eine Sekunde hinter einem WM-Punkt.

«Das ist toll», sagte Lüthi, ehe er sich beeilte, die Probleme zu benennen. «Ich hatte extrem Mühe mit dem Bremsen und musste brutal viel Kraft aufwenden. Das war ein Problem mit dem Set-up. Und das werden wir in den Griff bekommen.»

Tom Lüthi ist ein Traumpilot für jedes Team. Ausdauernd, belastbar, smart, er kann die technischen Dinge beim Namen nennen, wenn es sein muss. «Extrem lernwillig» nennt ihn Teamchef Michael Bartholemy. Der Belgier sagt, er habe selten einen Fahrer gesehen, der so schnell Fort­schritte realisiere. «Und das war ja sein erstes Moto-GP-Rennen.»

Es wird eng bei Marc VDS

Ein Drittel der Konkurrenz hat Lüthi in Katar hinter sich ge­lassen. «Das ist viel besser, als ich hatte erwarten dürfen», sagt er. Aber natürlich ist dem Berner bewusst, dass er nicht bald um Top-5-Ränge mitfahren wird. «Ich weiss das», sagt er, «und die Zuschauer in der Schweiz werden es bald auch wissen.» Lüthi ist gewissermassen ein Bettler in der Königsklasse mit ihren schwerreichen Werkteams.

Bei Marc VDS, Lüthis Arbeitgeber, operiert man mit einem 15-Millionen-Franken-Budget für die Moto GP und erhält von Honda kein ak­tuelles Werksmaterial, Lüthis Saison soll rund 4,8 Millionen kosten. «Das ist okay», sagt Lü­this Manager Daniel Epp, «aber natürlich ist man als Privatteam deutlich schlechtergestellt.» Es geht ja um Hundertstelsekunden in der Elektronik-Hightech-Welt Moto GP, kluge Programmierer bei Honda, Yamaha, Ducati entscheiden die WM mit, mehr jedenfalls als die Mechaniker.

Lüthis Premiere aber ist geglückt. Und doch steht er weiter stark auf dem Prüfstand. Der 31-Jährige hat einen Einjahresvertrag unterschrieben, wobei Marc VDS eine Option auf 2019 besitzt. Diese müsste im Sommer gezogen werden. «Das wird nicht einfach», sagt Epp. Anzunehmen ist, dass Marc VDS weiter auf Lüthis Teamkollegen Franco Morbidelli setzen wird. Der Moto-2-Weltmeister fuhr am Sonntag beim Debüt auf Rang 12, er ist ein Talent, acht Jahre jünger als Lüthi.

Und 2019 soll Moto-2-Topfavorit Alex Marquez, Bruder von Moto-GP-Serienweltmeister Marc Marquez, in die höchste Liga aufsteigen. Der 21-Jährige gilt als kommender Star. Für Lüthi könnte es keinen Platz mehr haben. Ob er eine Zukunft im Moto GP besitzt, hängt von seinen Leistungen ab. «Vielleicht öffnet sich irgendwo ein Türchen, wenn er den Nachweis leistet, konstant gute Ergebnisse liefern zu können», sagt Manager Epp. Er beobachtet den Markt, der Markt beobachtet Lüthi, so ist das, und deshalb ist es eine gute Nachricht, hat Lüthi den Testrückstand bald aufgeholt.

Aegerters Teufelskreis

Auch Dominique Aegerter fährt in dieser Saison um seine Zukunft. Er blickt auf schwierige Monate zurück, der Start ist in Katar misslungen, Rang 15 im Moto 2 ein enttäuschendes Ergebnis. Aber es hätte nach den schwachen Leistungen in den Tests und Trainings sogar noch schlechter kommen können. «Immerhin habe ich noch einen Punkt erkämpft», sagt der Kiefer-Fahrer.

Aegerter muss sich 2018 deutlich steigern, will er nächstes Jahr ein kompetitives Motorrad fahren. Es ist eine Art Teufelskreis, denn ohne gute Resultate erhält er keine bessere Maschine – und ohne bessere Maschine kann er keine guten Resultate erzielen. «Durchbeissen und Gas geben», nennt der 27-Jährige sein Motto für die nächsten Monate. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.03.2018, 09:11 Uhr

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