Ein Urteil gefährdet Saubers Existenz

Am Sonntag startet die Formel 1 in Melbourne. Und der Schweizer Rennstall weiss noch nicht einmal, wer im Cockpit sitzt. Ein Gericht hat gegen Sauber entschieden.

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Irgendwie würde sich das Problem schon aus der Welt schaffen lassen. Irgendwie eine Lösung gefunden werden, die Giedo van der Garde ruhigstellen würde. Dass der 29-jährige sich auf dem Rechtsweg ein Cockpit im neuen Sauber C34 würde erkämpfen können, überstieg schlicht die Vorstellungskraft der Verantwortlichen des Schweizer Rennstalls – angeführt von Teamchefin und Juristin Monisha Kaltenborn. Da mochte er mit seinem Anliegen kürzlich vor einem Schweizer Schiedsgericht noch so erfolgreich gewesen sein. In Melbourne, dort, wo an diesem Wochenende mit dem GP von Australien der Auftakt zur Formel-1-Saison stattfindet, würde sich schon alles regeln lassen. Man würde doch den Start des Teams nicht gefährden wollen. Zwei Tage, bevor die Autos ihre ersten Runden auf dem Albert Park Circuit drehen. Und jetzt ist das Unvorstellbare eingetroffen. Van der Garde bekam in diesem Eilverfahren von Richter Clyde Croft recht. Er wird für Sauber starten dürfen.

Rückfall statt Neustart

Nach dem Prozess zeigte sich der Rennfahrer zufrieden. «Ich bin sehr froh», sagte er etwa. Und auch: «Ich freue mich darauf, mit dem Team zu arbeiten und zu fahren.» Die Freude darauf dürfte gänzlich einseitig sein. Denn längst haben sich die Schweizer auf ihr neues Fahrerduo eingestellt: auf den 22-jährigen Brasilianer Felipe Nasr und den 24-jährigen Schweden Marcus Ericsson. Die Autos wurden auf die beiden Jungpiloten abgestimmt, in den 12 Testtagen in Jerez und Barcelona hinterliessen sie einen guten Eindruck. An seinen letzten zwei Tagen etwa fuhr Nasr 300 Runden – so viel wie kein anderer Fahrer im Feld. Noch vor einem Jahr, mit dem Vorgängermodell C33, wäre das unvorstellbar gewesen. Dieses machte nur Probleme, die letzte Saison endete letztlich im Debakel und mit null Punkten. Das gab es noch nie in der 22-jährigen Formel-1-Geschichte von Sauber.

Es folgte der radikale Schnitt danach. Die Stammfahrer Esteban Gutiérrez und Adrian Sutil wurden nicht weiterbeschäftigt – ebenso die Test- und Ersatzfahrer Simona de Silvestro und Sergei Sirotkin. Und eben: Giedo van der Garde. Er und Sutil offenbar, obwohl sie über Verträge als Stammfahrer für 2015 verfügt hatten. Auch der Deutsche wehrt sich auf dem Rechtsweg, allerdings ist sein Ziel nicht die Rückkehr ins Team. Damit hat er abgeschlossen. Ganz im Gegensatz zum Holländer, den die Nachricht von der Kündigung hart getroffen hatte.

Welcher zahlungskräftige Fahrer muss gehen?

Schon beim Saisonfinale in Abu Dhabi Ende November hatte sich Ungemach für die Schweizer angekündigt. Im Streit verliess Van der Garde die Arabischen Emirate, weil sein Trainings- und Testeinsatz am Freitag kurzerhand gestrichen wurde. Ein juristisches Nachspiel hatte sich da schon angekündigt. Und jetzt ging dieses so aus, wie man sich das in Hinwil nicht hatte vorstellen können. Mit einem Sieg für Van der Garde.

Doch ist es das auch? Was soll das für eine Zusammenarbeit werden in dieser Saison mit einem Fahrer, der nur im Cockpit sitzt, weil er sich das vor Gericht erkämpft hat? Mit dem niemand mehr zusammenarbeiten will? Der der (unrühmlichen) Vergangenheit angehörte, von der sich die Schweizer möglichst schnell erholen wollten? Sie müssen jetzt in kürzester Zeit einen Weg finden, um das eine Auto auf Van der Garde anzupassen. Doch das ist bei weitem nicht ihr einziges Problem. Wer muss weichen? Felipe Nasr, dessen Geldgeber Banco do Brasil prominent auf dem C34 präsentiert wird? Oder Marcus Ericsson, dessen Management bei Vertragsunterschrift bereits 50 Prozent der Sponsorengelder an Sauber überwiesen hat?

Egal, wen es trifft: Dem Rennstall steht wohl der nächste Rechtsstreit bevor. Und vor allem: Ein noch härterer Kampf ums Überleben. Denn Nasr und Ericsson hätten für ihren Stammplatz je rund 20 Millionen Franken bezahlt. Van der Garde würde aber nur rund die Hälfte beisteuern. Geld, das dem stets klammen Team schmerzlich fehlen würde. Es steht also wegen dieses Urteils nichts weniger als die Existenz des Traditionsrennstalls auf dem Spiel. Van der Garde darf sich jetzt zwar als Sieger feiern lassen. Doch was nützt ihm ein Stammplatz in einem Team, das sich den Rennbetrieb nicht mehr leisten kann? Bald könnte auch er zum Verlierer werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.03.2015, 06:59 Uhr

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