Jetzt spricht Van der Garde

Nach dem Hickhack mit Sauber und der kolportierten Zahlung von 15 Millionen Euro nimmt der holländische Formel-1-Fahrer erstmals Stellung.

«Ich habe meine ganze Karriere lang hart dafür gearbeitet, ein erfolgreicher Formel-1-Fahrer zu werden»: Giedo van der Garde gibt Erklärung ab.

«Ich habe meine ganze Karriere lang hart dafür gearbeitet, ein erfolgreicher Formel-1-Fahrer zu werden»: Giedo van der Garde gibt Erklärung ab. Bild: Keystone

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Gestern hat Giedo van der Garde aufgegeben. Er verzichtet auf sein Recht, in diesem Jahr als Stammfahrer für Sauber anzutreten, und erhielt dafür eine kolportierte Zahlung von 15 Millionen Euro. Nun nahm der Holländer ausführlich Stellung und zeigt kein Verständnis für das Verhalten des Schweizer Formel-1-Rennstalls.

«Wir haben eine Einigung mit Sauber erreicht, und mein Fahrervertrag wurde in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst», lässt der 29-Jährige in einer Mitteilung verlauten. Darüber sei er «sehr enttäuscht» und «traurig». Denn: «Ich habe meine ganze Karriere lang hart dafür gearbeitet, ein erfolgreicher Formel-1-Fahrer zu werden, seit ich mit acht Jahren mit Gokart-Fahren begann. Und jetzt wollte ich zeigen, dass ich fähig dazu bin, ein Auto eines angesehenen Mittelfeldteams in der Formel 1 zu fahren. Dieser Traum wurde mir nun genommen, und ich weiss, dass es für mich wohl keine Zukunft in der Formel 1 gibt.» Denn damit, dass er sich auf juristischem Weg sein ihm zustehendes Cockpit bei Sauber erkämpfen wollte, hat er seine Karriere wohl verbaut. Kein Team wird ihn mehr freiwillig engagieren, der Rechtsstreit dürfte abschrecken.

Dabei habe er dem Sauber-Team nicht schaden wollen, sondern nur seinen Traum leben wollen, für den Rennstall zu fahren, nachdem er erst ein Jahr in einem nicht konkurrenzfähigen Caterham absolviert hatte. «Ich hatte einen gültigen Fahrervertrag für die gesamte Saison 2015. Ich habe bis letzten Samstag sehr hart dafür gekämpft, um die Fahrerlaubnis zu bekommen, die mir zustand. Dieser Prozess begann bereits 2014 und hat mich sehr viel Mühe gekostet. Es war keine Last-Minute-Sache, es kam einfach erst in der letzten Woche an die Öffentlichkeit, als ich versuchte, das Team dazu zu bringen, die Regeln der Gerichte zu akzeptieren.»

«Kaltenborn war unnachgiebig»

Zuerst hatte Van der Garde vor einem Schweizer Gericht erfolgreich geklagt, dann vor dem ersten Grand Prix in Melbourne auch vor einem australischen. Letztlich sah er ein, dass es keinen Sinn machen würde, um jeden Preis einen Platz im Sauber C34 zu bekommen: «Ich bin ein Rennfahrer und alles, was ich will, ist Rennen zu fahren. Aber die Teamchefin (Monisha Kaltenborn) war unnachgiebig. Ungeachtet meiner Rechte und meiner Fahrerfähigkeiten wollte sie mich nicht fahren lassen. Das werde ich nie verstehen. Dass das Team nicht mit mir arbeiten wollte, wurde mir schmerzvoll bewusst, als ich ins Fahrerlager kam. Hätte ich weiter auf meinem Recht beharrt, hätte ich das Team wohl zu Fall gebracht, sicher aber den Start in Melbourne zerstört, weil die Autos vom Gericht beschlagnahmt worden wären. Damit hätte ich vielleicht auch die Karrieren der beiden jungen Fahrer Marcus Ericsson und Felipe Nasr zerstört. Vielleicht wäre sogar noch die Teamchefin festgenommen worden. Damit wollte ich nicht leben. Auch wenn nur das Management des Teams für diese bizarre Situation verantwortlich war.»

Als Van der Garde am Freitag vor dem freien Training in die Sauber-Box kam, verliessen die meisten Mechaniker die Stätte demonstrativ und Van der Garde gab letztlich vor dem Qualifying auf.

«Wir haben Sauber geholfen, zu überleben»

Obwohl seine Sponsoren, wie er betont, «die Gebühren für die Saison 2015 bezahlt haben. Bereits in der ersten Jahreshälfte von 2014. Das geschah aus dem Grund, weil wir dem Team helfen wollten, das in dieser Zeit Finanzprobleme hatte. Meine Sponsoren haben Sauber geholfen, zu überleben.» Rund 8 Millionen Euro sollen geflossen sein, insgesamt soll Van der Garde – beziehungsweise sein reicher Schwiegervater Marcel Boekhoorn – 13 Millionen Euro für seine Saison als Testfahrer und für den Stammplatz 2015 bezahlt haben. Trotzdem verpflichtete Sauber dann Ericsson und Nasr, weil diese noch mehr zahlten – die Rede ist von je 20 Millionen Franken.

«Saubers Finanzentscheidung in diesem Fall ist bizarr und sinnlos für mich», sagt van der Garde. Und: «Ich darf zwar keine Details erzählen, aber Sauber bezahlte eine erhebliche Entschädigung, um den Vertrag mit mir nicht erfüllen zu müssen. In diesem Sinne bin ich zufrieden, dass meine Rechte wenigstens anerkannt wurden und dass zumindest ein Teil für die Gerechtigkeit getan wurde.» Sauber soll ihm und seinem Sponsor bis morgen 15 Millionen Euro überweisen. Viel lieber wäre es Van der Garde gewesen, wenigstens noch eine zweite Formel-1-Saison bestreiten zu können. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.03.2015, 11:15 Uhr

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