«Als Frau wirst du schon mal belächelt»

Rahel Frey aus Aedermannsdorf ist Rennfahrerin und misst sich regelmässig mit Männern. Sind Frauen im Motorsport gleichgestellt?

Rahel Frey hat einen Beruf in der Männerdomäne Motorsport gewählt. (Archivbild)

Rahel Frey hat einen Beruf in der Männerdomäne Motorsport gewählt. (Archivbild)

(Bild: Urs Baumann)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Rahel Frey tut, wovon Skifahrerin Lindsey Vonn träumt: Die 31-Jährige aus Aedermannsdorf misst sich mit Männern im gleichen Wettkampf. Frey ist Rennfahrerin, und abgesehen vom Reiten sind Frauen nur im Motorsport Männern gleichgestellt. Doch Frey stellt klar: «Es ist nach wie vor eine Männerdomäne, und es gibt nach wie vor Klischees. Als Frau wirst du schon mal belächelt.» Immerhin: Vermehrt fänden Frauen den Weg in die Szene – als Mechanikerin, Ingenieurin oder eben Fahrerin.

Nach Anfängen im Kartsport trat Frey in diversen Formel-Serien an. Seit 2011 ist sie bei Audi angestellt, nach zwei Jahren in der DTM wechselte sie ins Kundensportprogramm des Autoherstellers. Frey fährt für Privatteams mit von Audi produzierten Wagen. Ihre Aufgabe beschreibt sie als sehr vielseitig, «die Palette reicht vom Sprint- bis zum Langstreckenrennen».

Frey ist im Kundensportprogramm die einzige Frau in einem Team von zwölf Fahrern. In einigen deutschen Serien tritt sie jedoch gegen andere Pilotinnen an. «Es liegt an uns», sagt die Solothurnerin bestimmt. «Wir müssen uns den Respekt erarbeiten, kompetent sein.» Frey ist überzeugt, dass eine Frau abseits der Strecke härter arbeiten muss als ein Mann. Dennoch mag sie nicht jammern. «Es kommt immer der Moment, in dem du dich beweisen kannst. Und in dieser Branche gehört es dazu, zu kämpfen.»

In Europa und Asien geniesst die Formel 1 mit Abstand am meisten Beachtung. Doch genau hier liege bezüglich Aufstiegsmöglichkeiten für eine Frau die Grenze, sagt Frey. Eine Fahrerin in der Formel 1 dürfte es auch in naher Zukunft nicht geben, ist sie überzeugt. Das Hauptproblem ist der finanzielle Aspekt; Rennsport ist teuer, also braucht eine Fahrerin entsprechenden Support. «Doch grosse Hersteller sind nach wie vor skeptisch, wenn es darum geht, eine Frau zu unterstützen.»

Und so dürften Frauen noch eine Weile die Aussenseiterrolle einnehmen – trotz Gleichberechtigung. Für Mädchen gebe es naheliegendere Sportarten, sagt Frey. «Man muss damit aufwachsen, um reinzurutschen.» Ihr Vater führt eine Garage, früher fuhr er Rennen. Sie trat als einziges von drei Kindern in seine Fussstapfen – und hat es nicht bereut.

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