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Die Formel 1 will Sport sein, kein Spektakel

Ab 2021 ändert sich einiges in der Königsklasse. Lewis Hamilton sieht sich als Pionier einer neuen Ära.

Ein altbekanntes Bild in der Formel 1: Lewis Hamilton jubelt, mal mit Sombrero, meist ohne, aber er jubelt. Mercedes und der Brite dominieren die Serie.
Ein altbekanntes Bild in der Formel 1: Lewis Hamilton jubelt, mal mit Sombrero, meist ohne, aber er jubelt. Mercedes und der Brite dominieren die Serie.
AP Photo/Rebecca Blackwell
Und ganz oft teilt er das Podest mit Fahrern von Red Bull und Ferrari, hier mit Max Verstappen und Sebastian Vettel. In 136 von den letzten 137 Rennen gewann immer ein Fahrer eines dieser drei Teams.
Und ganz oft teilt er das Podest mit Fahrern von Red Bull und Ferrari, hier mit Max Verstappen und Sebastian Vettel. In 136 von den letzten 137 Rennen gewann immer ein Fahrer eines dieser drei Teams.
EPA/Zsolt Czegledi
Der Überfahrer selbst, Lewis Hamilton, sagt, das sei für ihn eine Herausforderung. Er sei ja auch noch nicht auf dem Gipfel seiner Karriere. Klar, wenn alles normal läuft, wird er 2019 und 2020 Weltmeister, feiert noch mindestens acht Siege und erklimmt ebendiesen Gipfel, auf dem Michael Schumacher sitzt. Erst danach, 2021, treten die neuen Regeln in Kraft, die ihm mehr Konkurrenz verschaffen sollen.
Der Überfahrer selbst, Lewis Hamilton, sagt, das sei für ihn eine Herausforderung. Er sei ja auch noch nicht auf dem Gipfel seiner Karriere. Klar, wenn alles normal läuft, wird er 2019 und 2020 Weltmeister, feiert noch mindestens acht Siege und erklimmt ebendiesen Gipfel, auf dem Michael Schumacher sitzt. Erst danach, 2021, treten die neuen Regeln in Kraft, die ihm mehr Konkurrenz verschaffen sollen.
AP Photo/Marco Ugarte
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Sie hinkt etwas, die alte Formel 1. Sie ist zur Mercedes-Show geworden in den letzten Jahren. Lewis Hamilton wird, wenn alles normal läuft, am Sonntagabend in Austin Weltmeister. Es reicht ein achter Platz, um zum sechsten Mal Champion zu werden. Noch ein Titel fehlt ihm dann, um mit Michael Schumacher gleichzuziehen. Ferrari und Red Bull? Statisten, nur noch die schnellsten Hinterherfahrer.

Immerhin gewannen die beiden grössten Herausforderer zusammen 46 der letzten 137 Rennen. Mercedes 90. Bleibt eines übrig: Es ist der Sieg von Kimi Räikkönen im Lotus, eingefahren am 17. März 2013 in Australien. Beim Start zum GP von Texas wird es also 2422 Tage her sein, dass ein Sieger nach einem Rennen nicht aus einem Mercedes, Ferrari oder Red Bull stieg.

Auch darum wollen es die Regelhüter der Königsklasse etwas spannender. Während zwei Jahren hatten sie mit Fahrern und Rennställen gesprochen, nun wurden in Austin einige Änderungen bekannt gegeben. 2021 sollen sie in Kraft treten und den Fahrer wieder die wichtigste Rolle spielen lassen. «Wir wollen eine engere WM und weniger vorhersehbare Rennen», sagt Jean Todt, Präsident des Weltverbandes FIA.

Einsparungen bei den grossen Teams

Die wichtigste Änderung, eine, für die sich auch schon die frühere Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn stets starkgemacht hat, betrifft die Budget-Obergrenze. Bei 175 Millionen US-Dollar soll sie liegen. Für die grossen Teams wie Mercedes und Ferrari bedeuten das Einsparungen, teils sogar Personalabbau. Beide hatten 2018 ein Budget von über 300 Millionen, Red Bull war mit seinem knapp darunter.

Bei diesem Kostendeckel nicht inbegriffen sind jedoch die Löhne der Fahrer, die Motorkosten, die Reisespesen und das Marketing. Von kleineren Teams wird bemängelt, dass die grossen Teams damit nicht auf all ihre Privilegien verzichten müssen. Renault-Teamchef Cyril Abiteboul findet: «Das ist kein echter Neubeginn, die Rechnung geht für die Privatteams nicht auf.» Das Budget von Abitebouls Team war 2018 nicht einmal halb so gross wie jenes von Ferrari und Mercedes. Jenes von Force India, dem finanzschwächsten Team, betrug keinen Drittel davon.

Schwerer, langsamer, spannender?

Weitere grosse Änderungen betreffen das Auto selbst. Der Niederländer Max Verstappen findet zwar, das sei nicht das, was er und seine Kollegen wollen würden. Schliesslich werden die Autos schwerer und damit langsamer. Was gerade einem wie Verstappen in die Karten spielen könnte, gilt er doch als einer der besten Überholer im Fahrerfeld. Das Minimumgewicht wird auf 768 kg steigen, auch durch grössere Reifen und Cockpits. Die Frontflügel werden simpler und weniger aerodynamisch, in der Gestaltung sind die Ingenieure nicht mehr so flexibel wie davor. Durch all diese Neuheiten sollen die Fahrer pro Runde bis zu 3,5 Sekunden verlieren, so berechnen es Experten.

2021 werden die Formel-1-Wochenenden kürzer, der Donnerstag wird gestrichen, dafür der Freitag etwas verlängert. Zudem darf bereits vor dem dritten Training nichts mehr am Auto geändert werden. Die Testwoche in Barcelona dauert neu nur sechs Tage statt acht. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto sagt: «Die Formel 1 sollte ein leistungsorientierter Sport bleiben und nicht nur ein Spektakel.»

Hamilton, der Pionier

Einer, der durch all diese Änderungen nicht mehr so locker von Sieg zu Sieg fahren soll, ist Lewis Hamilton. Der Serienweltmeister könnte in Zukunft mehr Konkurrenz bekommen. Was ihm, so berichtet er es selbst, offenbar nichts ausmacht. «Ich will ein Pionier in dieser neuen Ära sein», sagt er, es werde bestimmt eine sehr interessante Zeit. Um den Briten wurden in letzter Zeit Gerüchte des Rücktritts laut, nachdem er selbst mysteriöse Botschaften auf Instagram teilte.

Hamilton hat mit Mercedes noch einen Vertrag bis Ende Saison 2020, sagt aber, er sehe sich bei keinem anderen Team. «Ich geniesse, was ich mache. Ich habe den Gipfel noch nicht erreicht.» Viel fehlt ihm dazu nicht mehr. Am Sonntag wird es wohl noch ein Weltmeistertitel sein. Zudem braucht er noch acht Siege, um die magischen 91 von Schumacher zu erreichen. Zeit genug. Die neuen Regeln treten ja erst 2021 in Kraft.

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