ETH sagt Nein zu Formel E in Zürich

2020 findet kein Rennen in der Limmatstadt statt. Der Stadtrat lehnt das Gesuch für eine Austragung auf dem Hönggerberg ab – auf Wunsch der ETH.
2018 fuhren die Elektro-Rennautos noch am Zürcher Seebecken. Geht es nach dem Stadtrat, zum letzten Mal.

2018 fuhren die Elektro-Rennautos noch am Zürcher Seebecken. Geht es nach dem Stadtrat, zum letzten Mal.

(Bild: Keystone Manuel Lopez)

Thomas Zemp@tagesanzeiger

Im kommenden Jahr werden definitiv keine elektrischen Rennautos durch die Strassen der Stadt Zürich rasen. Der Stadtrat hat das Gesuch für ein Formel-E-Rennen auf dem Hönggerberg abgelehnt, wie er mitteilt. Es liege kein weiteres Gesuch für eine andere Strecke auf dem Stadtgebiet vor.

150’000 Zuschauerinnen und Zuschauer lockte das erste Formel-E-Rennen der Schweiz vor einem Jahr nach Zürich, 130’000 Personen besuchten die Veranstaltung an vergangenen Wochenende in Bern. Ob es je wieder ein Rennen mit den elektrisch betriebenen Autos in Zürich gibt, ist offen. Die Signale, die die Stadt mit ihrem Entscheid aussende, seien nicht gut, sagt Pascal Derron, der die Rennen in der Schweiz mit seiner Firma organisiert. Die internationale Organisation, die die Rennen vergibt, hatte Zürich auch nicht in den provisorischen Rennkalender des kommenden Jahres aufgenommen.

Keine Rennen am See

Es ist bereits das zweite Gesuch für ein Formel-E-Rennen, das der Stadtrat dieses Jahr ablehnt. Derrons Firma hatte im Mai eines für ein Rennen am Seebecken eingereicht. Dieses hatte das Sicherheitsdepartement von Stadträtin Karin Rykart (Grüne) aber umgehend abgelehnt, weil der Stadtrat nach der Austragung 2018 bereits entschieden hatte, keine Autorennen mehr in der Innenstadt oder am See zu bewilligen.

Das andere Gesuch, bereits im April eingereicht, betraf das Rennen um den ETH Campus auf dem Hönggerberg. Die ETH hat der Stadt vor zwei Tagen mitgeteilt, dass sie auch dazu keine Einwilligung gebe. Die baulichen Eingriffe seien zu gross und würden sich nicht mit den Bestrebungen vertragen, angrenzende Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schonen. Die ETH spricht zudem von Differenzen bei der Finanzierung des Rennens.

Vorwürfe an die Stadt

Derron bedauert den Entscheid. Er weist im Gespräch darauf hin, dass die Stadt im Februar verschiedene Strecken vorgeschlagen habe, einige hätten aber nicht den Vorgaben für ein solches Rennen entsprochen. Die Strecken auf dem Hönggerberg sei ebenfalls eine Idee der Stadt gewesen. Diese schiebe nun die Verantwortung auf die ETH ab. Die Stadt habe zudem zu langsam gearbeitet.

Stadträtin Rykart weist den Vorwurf von Pascal Derron zurück: «Die Stadtverwaltung hat viel unternommen und zügig vorwärts gemacht, um das Rennen möglich zu machen.» Man könne aber keine solche Veranstaltung durchführen, wenn die ETH und die Bevölkerung in den beiden betroffenen Quartieren Affoltern und Höngg nicht dahinterstehen würden. Die Organisatoren hätten die Bevölkerung bei der Planung besser einbeziehen müssen. Die Frage, ob je wieder ein Formel-E-Rennen in Zürich möglich ist, liess Rykart offen. «Es gibt Bedingungen, die eingehalten werden müssen.»

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