«Ich gebe dir 30 Millionen Dollar»

Die Langeweile ist wieder einmal Thema in der Formel 1. Der 88-jährige Bernie Ecclestone hätte da ein paar Ideen.

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Er war Anfang 2017 als kommerzieller Chef der Formel 1 von den neuen Besitzern Liberty Media abgesetzt worden. Doch mit Meinungen zur Rennserie geizt Bernie Ecclestone seither nicht.

Und jetzt, da die eklatante Dominanz von Mercedes-Pilot Hamilton wieder einmal die drohende Langeweile der Formel 1 zum Thema macht, hat der 88-jährige Engländer Ideen. Diese präsentierte er dem amerikanischen TV-Sender ESPN. Er schreckte dabei wie schon zu seinen Zeiten als Geschäftsführer der Motorsport-Königsklasse vor ungewöhnlichen Massnahmen nicht zurück.

Auch die Fahrer machen sich Gedanken

Gehör findet Ecclestone durchaus auch bei den Fahrern. Er würde zwar nicht soweit gehen, dass der Sport in einer Krise stecke, meinte Sergio Perez am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Grossen Preis von Österreich: «Aber die Leute verlieren das Interesse.» Der Sport sei sicher nicht in bester Verfassung, pflichtete der 21 Jahre alte Ferrari-Pilot Charles Leclerc bei.

Sein deutscher Teamkollege Sebastian Vettel begrüsste wie die anderen, dass zuletzt auch die Fahrer zu möglichen Regeländerungen befragt wurden: «Wir haben eine sehr klare Meinung, wie die Regeln und die Autos der Zukunft sein sollten. Wir halten es sehr simpel, wir haben keine ausser den sportlichen Interessen», betonte Vettel: «Hoffentlich können wir darauf einwirken, dass wir wieder die Art Rennfahren erleben, in die wir uns verliebt haben, als wir jung waren.»

Ecclestone: Mit den Teams gar nicht erst reden

Was genau schlägt nun Ecclestone vor? Spannender und ausgeglichener soll das Ganze werden, in Zeiten, in der vor allem die Dominanz von Mercedes vielen Sorgen bereitet. Die Silberpfeile haben seit einschliesslich 2014 jeweils die Titel in der Fahrer- und der Konstrukteurswertung gewonnen. Superstar Hamilton ist mit sechs Siegen aus den ersten acht Saisonrennen auf dem besten Weg, erneut den Titel zu holen.

Um neue Regeln zu definieren, würde Ecclestone die Teams ausser Acht lassen, diese gar nicht erst befragen: «Das ist, als hätte man ein Komitee, und das brauchst du nicht, wenn du solche Entscheidungen triffst.» Er würde neben der Fahrer- und der Konstrukteurs- eine weitere WM-Kategorie einführen: Die Team-Weltmeisterschaft. Diese würde, so meint Ecclestone, die anderen beiden in keiner Weise beeinflussen.

Die Konstrukteurs-WM sei für die Hersteller wie Mercedes oder Ferrari. Den Rennställen der Team-WM würde er ein Auto bauen. Die Motoren der Wagen müssten eine Saison halten, ein weiterer soll nur als Ersatz zur Verfügung stehen. Ecclestone: «Wenn du mit einem Team starten willst: Hier ist deine Chance. Ich gebe dir ein komplettes Auto und einen Ersatzmotor. Und ich gebe dir 30 Millionen Dollar im Jahr.»

Ein Hinkelstein auf Hamiltons Mercedes?

So weit, so gut. Doch wie um Himmels Willen sollen diese «geschenkten» Autos Ferrari oder Mercedes herausfordern, geschweige denn schlagen? Natürlich hat Ecclestone auch darauf eine Antwort parat, wenn auch keine besonders originelle und eine wohl kaum umsetzbare: Man könnte die Autos der Konstrukteure ja auch ein bisschen schwerer machen. «So findet man schnell zwei Sekunden», so Ecclestone.

Oder gibt es vielleicht gar kein so grosses Problem in der Formel 1 und ist all diese neue Langeweile nur herbeidiskutiert? Schliesslich erlebte die Rennserie auch unter Ecclestones jahrzehntelanger Vorherrschaft auch schon aufeinander folgende Saisons, die von Teams derart krass dominiert wurden wie aktuell von Mercedes.

Zumindest Red-Bull-Pilot Max Verstappen weist auch daraufhin: «Es gab immer schon Phasen, in denen ein Team einen besseren Job machte als die anderen». In einem sind sich Ecclestone und Verstappen dann aber einig: Letztlich sei jedes Team auch bei erneuten Regeländerungen bedacht, das Beste für sich rauszuholen, meint der 21-Jährige: «Vielleicht ist es daher besser, die Teams rauszuhalten und zu sagen: ‹Das sind jetzt die Regeln!›»

dpa/red

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