Schumacher ­junior sieht sich in einer Lernphase

Der junge Deutsche spricht in Montmeló und zieht das Interesse abseits der Formel 1 auf sich.

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René Hauri@tagesanzeiger

Das Kinn ist markant, der Blick hellwach. Auf der Mütze wirbt dasselbe Finanzinstitut wie einst beim Vater, auf der Brust prangt das Logo der Scuderia Ferrari. Ab und zu schmunzelt der junge Mann am Tisch, kommt der Schalk durch, es sind auch diese Momente, in denen der Vater präsent ist. Und wenn der sitzende 20-Jährige noch sagt, «zu aggressiv gibt es eigentlich nicht auf der Strecke», dann spätestens ist klar, dass in Montmeló ein echter Schumacher vor den vielen Journalisten und Fotografen sitzt.

Über 50 haben das Fahrerlager der Formel 1 an diesem Donnerstagmittag verlassen, um in einem weissen Zelt dicht an dicht zu stehen und den Worten von Mick Schumacher zu lauschen. So viele sind es sonst nur bei den Grössten der Königsklasse. Schumacher? Der fährt im Rahmenprogramm, in der Formel 2, abseits der Kameras und der Aufmerksamkeit. Eigentlich. Bei ihm ist das anders.

Er ist der Sohn des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher, Nachwuchspilot bei Ferrari, er weckt die Sehnsüchte der Tifosi. Und so interessiert eben, wie zufrieden er ist mit seinen ersten vier Rennen in Bahrain und Aserbeidschan und Zwischenrang 9; was er gelernt hat nach seinem Aufstieg von der Formel 3; wie schwierig es ist, mit den neuen Reifen umzugehen. Schumacher sagt dann Dinge wie: «Ich will an jedem Rennwochenende so viel wie möglich lernen und Fehler nicht zweimal machen.» Oder: «Ich sehe mich in einer Lernphase. Kann ich alles richtig umsetzen, werde ich konstant gute Rennen zeigen.»

«Ich glaube, das ist privat»

Daneben sitzt Sabine Kehm, einst Managerin von Schumacher senior, nun vom Junior. Sie weiss, dass auch Dinge neben der Strecke interessieren würden, vor allem der Zustand von Michael Schumacher nach seinem schweren Skiunfall 2013. Nur hat sie den Sohn lange vorbereitet auf Fragen, die in diese Richtung zielen.

Jean Todt, der Präsident der FIA, hatte erzählt, dass er den Grand Prix von Brasilien im letzten November zusammen mit seinem einstigen Weggefährten aus den goldenen Ferrari-Zeiten geschaut hatte. Ob Michael Schumacher denn auch seine Rennen verfolge, lautet eine Frage. «Nun, wie gesagt», sagt Mick Schumacher, «ich glaube, das ist privat.»

Es wird noch eine Weile dauern, bis der junge Pilot vor allem deshalb interessiert, weil er ein guter Rennfahrer ist. An diesem Wochenende hat er die nächste Möglichkeit, sich ein klein wenig aus dem riesigen Schatten zu fahren, den sein Vater wirft.

Redaktion Tamedia

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