Zum Hauptinhalt springen

Turbulentes Finale beim GP von Belgien

Lewis Hamilton hatte die Siegerehrung bereits hinter sich, da brummten ihm die Komissare eine Zeitstrafe auf. Felipe Massa profitierte von Hamiltons Strafe und Räikkönens Regenpech. McLaren will gegen den Entscheid Rekurs einlegen.

In den letzten zwei Runden des Grand Prix von Belgien überschlugen sich die Ereignisse auf der Piste und zweieinhalb Stunden nach dem Zieleinlauf ein weiteres Mal. Lewis Hamilton, der das Rennen nach der dramatischen Schlussphase als Erster beendet hatte, wurde mit einer Zeitstrafe belegt und auf Platz 3 zurückversetzt. Lachende Erben waren Felipe Massa und Nick Heidfeld.

McLaren-Mercedes appeliert gegen Strafe

Der McLaren-Mercedes-Fahrer Hamilton wurde bestraft, weil er in der drittletzten Runde die Schikane vor Start und Ziel geschnitten und daraus einen Vorteil gezogen hatte, indem er den führenden Kimi Räikkönen überholte. Wenig später verlor der Finne den Ferrari auf der inzwischen nass gewordenen Piste aus der Kontrolle, als er seinem vierten aufeinander folgenden Sieg in Francorchamps zum Greifen nahe war. McLaren appellierte gegen den fragwürdigen Entscheid der Kommissäre, womit die Angelegenheit vor das FIA-Sportgericht kommt.

Heidfeld profitierte nicht nur von der Strafe gegen Hamilton, sondern vor allem vom späten Wetterumschwung. Der Deutsche entschloss sich nach der drittletzten Runde zum Wechsel von Trocken- auf Regenreifen. Der Poker zahlte sich aus. Heidfeld machte innert kürzester Zeit vier Plätze gut. Am Ende kreuzte er die Ziellinie als Dritter hinter Hamilton und Massa. Robert Kubica verzichtete auf einen zusätzlichen Boxenstopp. Der Pole zirkelte sein Auto bei tückischen Verhältnissen über die verbleibenden paar Kilometer, wurde Sechster und rückte im WM-Zwischenklassement auf Kosten von Räikkönen auf den 3. Platz vor. Fünf Minuten vor Schluss des über 44 Runden führenden Rennens hatte es noch danach ausgesehen, dass sich das BMW-Sauber-Team mit den Rängen 7 und 8 begnügen musste. Am Ende gingen 11 statt 3 Punkte aufs Konto, das nun bei 107 steht.

Heidfeld unverhofft auf Rang Zwei

Nach etlichen Tiefschlägen, die seine Position im Team ins Wanken gebracht hatten blickte Nick Heidfeld auf ein sehr erfreuliches Wochenende zurück: «Der Start gelang mir sehr gut. Leider verlor ich einige Plätze, weil mir Kovalainen ins Auto fuhr. Ich machte zwar wieder Boden gut, steckte dann aber im Verkehr fest. Als ich bei einsetzendem Regen meinen Wunsch nach Regenreifen äusserte, fragte mich das Team am Funk, ob ich das ernst meine. Schliesslich erwies sich mein Entscheid als grosser Glücksgriff.» Von seinem späten Glück, gar Zweiter geworden sein, erfuhr Heidfeld erst auf dem Heimweg.

Im Gegensatz zu Heidfeld war Robert Kubica mit dem Erreichten keineswegs zufrieden: «Ich hätte einen Podestplatz heraus fahren können. Zunächst missriet der zweite Boxenstopp, was mich zwei oder drei Positionen kostete. Und weil ich vor den zwei letzten Runden direkt hinter Nick lag, entschloss ich mich, draussen zu bleiben. Denn die Mechaniker hätten nicht beide Autos rechtzeitig abfertigen können.»

Räikkönen führt während 37 Runden

Räikkönen überholte nach wenigen Metern seinen nicht optimal in die Gänge gekommenen Teamkollegen Massa und übernahm im Laufe der 2. Runde die Führung vom aus der Pole-Position gestarteten Hamilton. Dem Duo vermochte von Anfang an lediglich Massa einigermassen zu folgen. Heikki Kovalainen hätte das Potenzial dazu gehabt. Der Finne verlor aber am Start zu viel Terrain und wurde später mit einer Boxendurchfahrt-Strafe belegt, nachdem er Mark Webber in die Kiste gefahren war. In der Schlussrunde wurde auch Kovalainen noch ein Opfer der sehr rutschig gewordenen Piste.

Räikkönen lag während 37 von 44 Runden in Führung, Massa während 4 (im Zuge der Boxenstopps) und Hamilton während 3 Runden - der ersten und den beiden letzten. McLaren-Mercedes und Ferrari liessen der Gegnerschaft während des ganzen Wochenendes nicht den Hauch einer Chance. Das Ausmass der Überlegenheit erhellt aus der Tatsache, dass Fernando Alonso im Renault auf trockener Bahn bis zur 40. Runde rund 35 Sekunden auf den drittplatzierten Massa verloren hatte. Ein Blick auf die Liste der schnellsten Runde jedes Fahrers bestätigt den Eindruck: Räikkönen 1:47,930, Hamilton 1:48,135, Massa 1:48,222, Kovalainen 1:48,223. Es folgen Kubica mit 1:48,965, Bourdais im sensationell gut laufenden Toro Rosso, Heidfeld (1:49,067), Vettel im zweiten Toro Rosso, Alonso und Webber (1:49,515).

Das lange Zeit unaufgeregt dahinplätschernde Rennen nahm erst in der Schlussphase dramatische Züge an - in erster Linie wegen des Regens. Hamilton hatte Räikkönen zwar schon im Laufe der 43. Runde, als es erst stellenweise ein bisschen nieselte, überholt. Die Reifen mit der härteren Gummimischung, auf die beide erst beim zweiten Boxenstopp zurückgriffen, schienen auf dem McLaren wie gewohnt besser zu funktionieren als auf dem Ferrari.

Dreikampf um WM-Titel wird zum Zweikampf

Zuvor hatte Räikkönen bewiesen, dass er nach wie vor zu den besten Fahrern gehört, obschon er in den Qualifyings oftmals Mühe bekundet und seit Ende April in Spanien keinen Grand Prix mehr gewonnen hat. Um den WM-Titel mit Erfolg zu verteidigen, braucht er nun ebenso viel Glück wie im vergangenen Jahr. Im Moment scheinen Hamilton (76 Punkte) und Massa (74) weit bessere Aussichten zu haben. Möglicherweise wird Räikkönen von Ferrari bald zum Helfer des Brasilianers gemacht - möglicherweise schon am kommenden Wochenende in Monza.

Nach dem Rennen wurde auch der zunächst als Achter geführte Timo Glock mit einem Zeitzuschlag von 25 Sekunden bestraft. Der Toyota-Fahrer hatte die Gelben Flaggen missachtet. Das Verdikt warf ihn auf Platz 9 zurück, und ermöglichte Mark Webber den Gewinn eines WM-Punkts.

si/cal

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch