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Schlägt die Sensationsfrau auch in der Abfahrt zu?

Snowboard-Weltmeisterin Ester Ledecka wittert nach dem Super-G-Olympiasieg eine weitere Chance bei den alpinen Skifahrerinnen.

Diesen Tag wird sie nie mehr vergessen: Ester Ledecka kostet ihren Triumph in aller Stille aus.
Diesen Tag wird sie nie mehr vergessen: Ester Ledecka kostet ihren Triumph in aller Stille aus.
AFP
«Sie ist ein wildes Huhn»: Atomic-Chef Christian Höflehner ist begeistert von Ledeckas Unerschrockenheit.
«Sie ist ein wildes Huhn»: Atomic-Chef Christian Höflehner ist begeistert von Ledeckas Unerschrockenheit.
Keystone
«Ich hielt es für einen Fehler»: Ledecka brauchte eine ganze Weile, um zu realisieren, dass sie Olympiasiegerin ist.
«Ich hielt es für einen Fehler»: Ledecka brauchte eine ganze Weile, um zu realisieren, dass sie Olympiasiegerin ist.
Keystone
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Der Jubel blieb zunächst aus. Stattdessen fragende Blicke. Links, rechts, in die Kamera. Noch einmal der Blick auf die Anzeigetafel. Grün, 1. Platz. Unglaublich, aber wahr. Es dauerte eine Weile, bis Ester Ledecka halbwegs realisierte, was sie gerade vollbracht hatte. «Ich hielt es für einen Fehler und wartete darauf, dass die Zeit korrigiert wird», erklärte sie hinterher. Sie, die beste Alpin-Snowboarderin, war in diesem Moment also auch die beste Alpin-Skifahrerin. Das 22-jährige Multitalent düpierte im Super-G sämtliche Favoritinnen. Mit Startnummer 26 verwies sie Anna Veith um eine Hundertstelsekunde auf Platz 2 und stiess Lara Gut vom Podest.

Einen Gratulations- und Interview-Marathon später erschien sie mit der Skibrille im Gesicht zur Pressekonferenz. «Ich war nicht darauf vorbereitet, bei der Zeremonie zu sein. Ich trage kein Make-up», entschuldigte sie sich mit einem breiten Grinsen und bestätigte damit die Aussage von Atomic-Chef und Ledecka-Fan Christian Höflehner: «Sie ist ein wildes Huhn.»

Video - Enttäuschte Gut, erstaunte Ledecka

Lara Gut weinte nach dem Super-G aus Enttäuschung, Siegerin Ester Ledecka konnte es selber nicht glauben, was sie vollbracht hatte. Video: Tamedia/SRF

Dass die Snowboard-Weltmeisterin schnell skifahren kann, war bekannt. In den letzten zwei Jahren bestritt sie parallel zum Snowboard-Weltcup einige Speedrennen bei den Alpinen - mit dem klaren Ziel, an den Winterspielen in beiden Sportarten anzutreten. Einige Male hatte sie aufhorchen lassen, etwa mit der Trainings-Bestzeit beim Saisonauftakt in Lake Louise und den Rängen 13 und 7 in den beiden Weltcup-Abfahrten. In Bad Kleinkirchheim, wo sie Mitte Januar Siebzehnte wurde, war sie bis zu einem groben Schnitzer schneller unterwegs als die spätere Siegerin Sofia Goggia.

«Sehr nett, aber isoliert»

«Ich wusste immer, dass sie mit einem perfekten Lauf zu allem fähig ist», sagte Tomas Bank, der tschechische Speed-Coach, nach Ledeckas Coup im Olympia-Rennen. Ihren Aufstand gegen das Ski-Etablissement verfolgen einige der Arrivierten aber argwöhnisch; als Quereinsteigerin wurde sie bei den Alpinen nicht mit offenen Armen empfangen. Sie sei mit ihrem Staff recht isoliert, beschrieb Michelle Gisin, die sich über Ledeckas Triumph gleichwohl freut und ihr Respekt zollt: «Ich finde es cool. Ester ist eine korrekte, anständige, sehr nette Person, die äusserst hart für ihre Erfolge trainiert. Sie hat alles riskiert und den Sieg verdient.»

Mit ihrem Triumph beendete Ledecka auch die tschechische Goldflaute an den Spielen. Nach den bisher vergebenen grössten Gold-Chancen sehnten die dortigen Gazetten bereits den Parallel-Riesenslalom der Frauen am Schlusstag herbei. Dort tritt Ledecka als grosse Favoritin an.

Den Druck ist sie nun los. Doch gleichzeitig brachte sie sich in eine neue Zwickmühle. Soll sie nun auch am Mittwoch in der Abfahrt starten? Auf diese wollte sie verzichten, um das Wahlrecht bei der Startposition im Parallel-Riesenslalom nicht aufs Spiel zu setzen. Nun denkt sie womöglich um, lässt sie einen zweiten Start bei den Alpinen offen. Dreinreden wird ihr niemand. Snowboard-Coach Reiter sagte dazu: «Wir tun alles, damit sie ihre Träume verwirklichen kann. Champions treffen ihre Entscheide selber.» Und Bank versicherte: «Für Ester halte ich immer ein Türchen offen.»

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